Die von der Regierung versprochene Erholung im Exportgeschäft ist 2025 weitgehend ausgeblieben.
Gefährlich: Mehr Import, weniger Export
Die Warenexporte gingen im Vorjahr nominell um 0,5 Prozent zurück, preisbereinigt sogar um 1,1 Prozent. Gleichzeitig stiegen die Warenimporte real um 4,8 Prozent.
Das Ergebnis ist eine deutliche Verschlechterung der Warenhandelsbilanz: Aus einem Überschuss im Jahr 2024 wurde 2025 ein Defizit von 6,6 Milliarden Euro.
Energiepreise explodieren
Infolge der EU-Politik hat sich Österreich von günstigen Energielieferungen aus Russland verabschiedet und trägt die EU-Sanktionspolitik aktiv mit. Für Österreich bedeutet das vor allem eines: höhere Kosten.
Durch den Iran-Krieg schlagen neue Preissteigerungen auf Industrie, Transport und Vorprodukte durch. Rohöl der Sorte Brent verteuerte sich laut FIW-Jahresgutachten zur österreichischen Außenwirtschaft von durchschnittlich rund 48 Dollar je Barrel im Jahr 2025 auf rund 110 Dollar im März 2026. Auch Erdgas wurde deutlich teurer.
Probleme schon jahrelang
Besonders problematisch ist die Lage, weil Österreichs Exportwirtschaft ohnehin mit einer schwachen Nachfrage aus wichtigen Zielmärkten kämpft. Die Bundesrepublik Deutschland, der wichtigste Absatzmarkt heimischer Unternehmen, liefert kaum Impulse. Die dortige Industriekonjunktur bleibt schwach, die Nachfrage nach Investitionsgütern verhalten. Genau in diesem Bereich ist Österreich stark vertreten – etwa bei Maschinen, Anlagen, Fahrzeugteilen und industriellen Vorprodukten.
Tigerstaaten im Vormarsch
Zugleich verschärft sich der internationale Wettbewerb. China gewinnt auf den Weltmärkten weiter an Gewicht und setzt europäische Anbieter unter Druck.
2025 wuchsen die Exportmärkte Österreichs zwar um 3,8 Prozent, die heimischen Warenexporte gingen aber zurück. Österreich konnte also vom internationalen Nachfragewachstum nicht ausreichend profitieren.
Kaufen im Ausland
Gleichzeitig stiegen die Importe, vor allem bei Investitions- und Konsumgütern, Pkw, pharmazeutischen Erzeugnissen sowie bei Gold.
Die Verschlechterung der Handelsbilanz ist daher vor allem ein Mengeneffekt: Österreich führte deutlich mehr ein, während die Ausfuhren schwächelten. Besonders stark verschlechterte sich der Saldo bei medizinischen und pharmazeutischen Erzeugnissen sowie bei Maschinen und Fahrzeugen.
Teuerungen im Tourismus
Etwas besser sieht es im Dienstleistungshandel aus. Die realen Dienstleistungsexporte legten 2025 um 1,3 Prozent zu, nominell sogar um 5,2 Prozent. Vor allem der Tourismus stützte die Entwicklung.
Allerdings zeigt auch dieser Bereich Grenzen: Steigende Preise im österreichischen Dienstleistungssektor belasten die Wettbewerbsfähigkeit gegenüber anderen europäischen Destinationen.
Keine Erholung in Sicht
Für die kommenden beiden Jahre erwartet das FIW nur eine schrittweise Erholung. Im Hauptszenario sollen die realen Warenexporte 2026 um 0,7 Prozent und 2027 um 1,8 Prozent wachsen. Rechnet man Waren und Dienstleistungen zusammen, wird ein reales Exportplus von 1,5 Prozent im Jahr 2026 und 2,2 Prozent im Jahr 2027 erwartet. Die Importe dürften ebenfalls moderat zulegen.
Das Warenhandelsdefizit bleibt laut Prognose aber hoch: Für 2026 werden minus 8,25 Milliarden Euro erwartet, für 2027 minus 7,87 Milliarden Euro.
ÖVP erkennt den Auftrag
Wirtschaftsminister Wolfgang Hattmannsdorfer sieht in der Studie einen klaren Auftrag an Europa:
Die Studie zeigt klar: Die Weltwirtschaft wird geopolitischer, härter und strategischer.
Europa dürfe sich in dieser Lage nicht in Regulierung und Bürokratie verlieren, sondern müsse seine industrielle Basis stärken, Verfahren beschleunigen, Energiepreise senken und moderne Handelsabkommen abschließen.
Regierung als Zuschauer und Selbstversorger
Doch was tut die schwarz-rot-pinke Regierung? Nicht viel. Die präsentierte Industriestrategie ist ein zahnloser Papiertiger. Nur sechs Prozent der Industrieunternehmen zeigen sich damit zufrieden.
Weiters plant sie eine progressive Körperschaftsteuer ab einem Gewinn von einer Million Euro, was erfolgreiche Unternehmen statt zu fördern auch noch bestraft. Gleichzeitig wächst der Staatsapparat weiter, während Unternehmen unter Vorschriften und Auflagen ersticken. Außerdem setzt die Regierung den von der grünen Vorgängerministerin Eleonore Gewessler eingeschlagenen Kurs der Klimaneutralität 2040 fort – sogar mit dem ambitionierten Ziel, zehn Jahre früher als unionsrechtlich vorgesehen „klimaneutral“ zu werden.
Konkrete Vorschläge der Opposition
Die Opposition fordert dagegen ganz konkret die „Senkung der Lohnnebenkosten jetzt – nicht irgendwann“, Entbürokratisierung und die „die Rückkehr zu einer rationalen, technologieoffenen Energieversorgung, die Versorgungssicherheit und Leistbarkeit garantiert, sowie einen Stopp der ideologiegetriebenen Deindustrialisierung unter dem Deckmantel des ‚Green Deal‘. Nur so können der Standort Österreich gerettet und unser Wohlstand langfristig gesichert werden“, erklärten FPÖ-Industriesprecher Axel Kassegger und Paul Hammerl erst vor wenigen Tagen.
Die von der SPÖ angepriesenen Preiseingriffe seien keine nachhaltige Lösung, sondern verstärken lediglich die Symptome einer verfehlten Energie- und Sanktionspolitik, so FPÖ-Wirtschaftssprecherin Barbara Kolm.
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