Luise Amtsberg (Bündnis 90/Die Grünen), Mitglied des Deutschen Bundestags.

Luise Amtsberg (Bündnis 90/Die Grünen), Mitglied des Deutschen Bundestags.Foto: Fabian Sommer/dpa

Bundesinnenministerin Faeser will zeigen, dass die Bundesregierung die Menschenrechtssituation Katar im Blick hat. Das ist ein Spagat. Die Menschenrechtsbeauftragte Luise Amtsberg entschied sich nun, die deutsche Delegation doch nicht zu begleiten.

Die Menschenrechtsbeauftragte Luise Amtsberg verzichtet auf ihre ursprünglich geplante Mitreise mit Innenministerin Nancy Faeser (SPD) am Montag nach Katar.

Die jüngsten Entwicklungen hätten verdeutlicht, wie schwierig es im Vorfeld der Fußball-WM sei, mit der katarischen Regierung „die von mir geplanten offenen und auch kritischen Gespräche über die Menschenrechtslage in Katar zu führen“, erklärte Amtsberg am Sonntag. Daher habe sie sich entschlossen, die Reise zu einem späteren Zeitpunkt zu unternehmen.

Am Dienstag will Bundesinnenministerin Nancy Faeser zusammen mit DFB-Präsident Bernd Neuendorf nach Katar reisen. Dort sind Treffen mit Premierminister Scheich Chalid bin Chalifa Al Thani und FIFA-Präsident Gianni Infantino geplant.

Empörung des Emirats nach Faesers Kritik

Faeser hatte zuvor mit Kritik an dem WM-Ausrichter empörte Reaktionen des Emirats und anderer Golf-Monarchien hervorgerufen. Die auch für Sport zuständige Bundesinnenministerin hatte dem ARD-Magazin „Monitor“ mit Blick auf das WM-Gastgeberland und die dortige Menschenrechtslage gesagt: „Für uns als Bundesregierung ist das eine total schwierige Vergabe.“ Es wäre besser, „dass das nicht in solche Staaten vergeben wird“, fügte sie hinzu.

Am Freitag hatte Katar nach Angaben des Außenministeriums in Doha den deutschen Botschafter einbestellt. Am Samstag wiesen die Golf-Monarchien in einer gemeinsamen Erklärung Faesers Äußerungen als „Einmischung in die inneren Angelegenheiten“ Katars zurück.

Amtsberg: Kritische Gespräche schwierig zu führen

Amtsberg erklärte wörtlich: „Die Entwicklungen an diesem Wochenende haben mir verdeutlicht, wie schwierig es in der derzeitigen Situation im Vorfeld der Fußballweltmeisterschaft ist, mit der katarischen Regierung die von mir geplanten offenen und auch kritischen Gespräche über die Menschenrechtslage in Katar zu führen.“ Als Menschenrechtsbeauftragte sei dieses Gesprächsumfeld für sie jedoch entscheidend, begründete sie ihren Verzicht auf die anstehende Reise.

„Katars wachsende Rolle als regionaler und globaler Akteur zur Kenntnis nehmend, bleibt der internationale Druck und unser Bemühen für den Schutz der Menschenrechte auch nach der WM zentral“, fügte die Regierungsbeauftragte hinzu.

DFB-Präsident will einen Entschädigungsfonds

Der WM-Gastgeber steht regelmäßig wegen Menschenrechtsverstößen in der Kritik. Dabei geht es vor allem um die Situation von Bauarbeitern, die größtenteils aus Südasien stammen. Menschenrechtsorganisationen beschäftigen sich mit dem Problem, das in allen arabischen Golfstaaten virulent ist, seit Jahren. Neben Bauarbeitern werden weibliche Hausangestellte besonders häufig in ausbeuterische Arbeitsverhältnisse gezwungen. Die Regierung in Doha verweist auf zahlreiche Reformen und kritisiert die Kritiker. FIFA-Präsident Gianni Infantino hat inzwischen einen Nebenwohnsitz in Katar bezogen – auch als Zeichen seiner nach eigenen Angaben engen Verbindung zum arabischen Raum.

Das Ergebnis der Gespräche von Faeser und DFB-Präsident Bernd Neuendorf mit dem FIFA-Präsidenten wird spannend. Neuendorf hatte den Weltverband zur Einrichtung eines Entschädigungsfonds für ausländische Arbeiter aufgefordert, noch verläuft die Diskussion schleppend.

Mannschaftssport ist in dem arabischen Land nicht sehr verbreitet. An einem DFB-Projekt für Fußballerinnen, das die deutsche Delegation am Dienstag besuchen will, nehmen Frauen aus verschiedenen Staaten der Region teil. Ob und welches Mitglied der Bundesregierung während der WM womöglich in Katar auf der Tribüne sitzen wird, ist noch offen. (afp/dpa/mf)



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Von Veritatis

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