Sinfoniekonzert.

Brahms, klar. Schumann. Schubert. Mendelssohn. Liszt. Ist von Sinfonik der Romantik im deutschen Sprachraum die Rede, sind das so die ersten, die einem einfallen. Und zu oft erschöpft sich denn auch das Konzertrepertoire – bei Tonträgern sieht das zum Glück schon lange anders aus – in diesem engen Kreis. Adolph Henselt? Ludwig Thuille? Albert Dietrich? Joseph Joachim? Da kommen wir schon in die schattigen Eckchen des Repertoires. Die Szene des ausgehenden 19. und beginnenden 20. Jahrhunderts wimmelte von kreativen Köpfen. Aber wie das so ist, reist man mitten durchs Gebirge, sieht man viele hohe und niedrige Gipfel, liegt es hinter einem, bleiben beim Blick zurück nur noch die hohen übrig.

Dass auch die anderen der Würdigung wert sind, konnte man am Donnerstagabend im Zwickauer Konzert- und Ballhaus “Neue Welt” beim dritten Sinfoniekonzert der Clara-Schumann-Philharmoniker Plauen-Zwickau unter Generalmusikdirektor Leo Siberski eindrücklich erleben. “Brahms & Co.” lautete das Motto des am Freitag in Plauen wiederholten Abends. Der endete mit einer fulminanten Darbietung der 4. Sinfonie des titelgebenden Hamburger Komponisten, die hinsichtlich Spannung, Transparenz und dynamischen Kontrasten keine Wünsche offen ließ. Dazu hatten fünf junge Musikerinnen und Musiker des Zwickauer Robert-Schumann- und des Plauener Vogtlandkonservatoriums beigetragen, die innerhalb des Philkon-Projekts in das Konzert integriert waren.

Sie dürften damit den meisten ihrer professionellen Kolleginnen und Kollegen in fast allen anderen Sinfonieorchestern der Welt etwas voraus haben. Nämlich, dass sie die Noten des vor der Pause erklungenen Violinkonzerts von Albert Dietrich (1829 – 1908) auf dem Pult hatten – ein sehr selten gespieltes Werk eines engen Vertrauten von Johannes Brahms und Robert Schumann. Als Solistin hatten die Westsachsen denn auch die dafür prädestinierte Geigerin am Start – Elisabeth Kufferath, die ihres Zeichens 2008 als Solistin der beim Osnabrücker Raritätenlabel CPO erschienenen einzigen zurzeit verfügbaren CD-Einspielung des Werks fungierte. Und die Hamburgerin machte mit ihrem fabelhaften, lebendigen Spiel dem Publikum den Wert dieses an virtuosen Fallstricken, raffinierten Wendungen und instrumentatorischen Ideen reichen, 1875 uraufgeführten Dreiviertelstünders deutlich, der unter anderem Anklänge an Max Bruch und den frühen Richard Wagner hören lässt. Und zugleich – auch angesichts des donnernden Applauses – die Frage aufwirft, warum es nicht öfter gespielt wird. Gleiches gilt für die Ouvertüre “In Memoriam Heinrich von Kleist” des Brahms-Vertrauten Joseph Joachim (1831 – 1907), die den Abend eröffnet hatte.

Fazit: Ein Abend, der zeigte, dass es sich lohnt, einen eingehenderen Blick auf die Musik der Romantik zu werfen. Das Publikum ist bisweilen neugieriger als man es glauben mag.

Das Konzert wird am Freitagabend, 19.30 Uhr, im Vogtlandtheater Plauen wiederholt. 



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Von Veritatis

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