Von Kai Rebmann

Götterdämmerung in Berlin? Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach wurde kurz vor dem Wochenende durch die Meldung aufgeschreckt, dass vier Bundesländer die Quarantäne für positiv Getestete abschaffen wollen. Und das auch noch sehr zeitnah, nämlich schon zum 16. November, also Mittwoch kommender Woche. Für den Mann, der die „Pandemie“ so dringend braucht, wie andere die Luft zum Atmen, ist das ein weiterer Schritt auf dem Weg zurück in die politische und – für ihn wohl fast noch schlimmer – mediale Bedeutungslosigkeit. Unter den vier Abweichlern von Lauterbachs strikten Corona-Kurs sind mit Baden-Württemberg, Bayern, Hessen und Schleswig-Holstein aus der Sicht des Ministers zu allem Überfluss auch noch einige der Schwergewichte unter den Bundesländern zu finden. Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) hat Corona bereits zur grippeähnlichen Erkrankung erklärt, so dass dieser weitere Schritt in die Endemie nur folgerichtig ist.

Für Karl Lauterbach besonders bitter: Die Länder berufen sich bei ihrer Entscheidung auch noch auf die Einschätzung zahlreicher renommierter Experten. Von einem vermeintlichen Sonderweg will Klaus Holetschek (CSU) deshalb nichts wissen. Der BR zitiert Bayerns Gesundheitsminister: „Wir haben Briefe geschrieben, haben eindrücklich gebeten, die Lage neu zu bewerten. Da kam bis auf ein ‚Machen wir nicht‘ nichts zurück. Deswegen haben wir gesagt, dann gehen wir mit unserer eigenen wissenschaftlichen Expertise einen Weg. Und das ist das Ergebnis.“ Dieses Ergebnis sieht nun vor, dass künftig – so wie es schon seit eh und je immer gewesen ist – nur noch zu Hause bleiben soll, wer sich wirklich krank fühlt. Die bisherige Isolationspflicht wird durch eine „begrenzte Maskenpflicht“ für positiv Getestete ersetzt.

Stöhr: ‘Quarantäne weder angemessen noch verhältnismäßig’

Und in der Tat spricht die von Holetschek angesprochene wissenschaftliche Expertise eine deutliche Sprache. Prof. Dr. Klaus Stöhr bezeichnete die Quarantäne im „Welt“-Interview als „weder angemessen noch verhältnismäßig“. Der Infektiologe Christoph Spinner sieht „sehr viele und gute Argumente“ für den Schritt des Länder-Quartetts, da Corona „lang nicht mehr so gefährlich wie zu Beginn der Pandemie“ sei. Spinner verweist zudem auf die Tatsache, dass rund 95 Prozent der Bundesbürger bereits Antikörper in sich tragen und die Sterblichkeitsrate „auf unter 0,1 Prozent gefallen“ ist. Mit anderen Worten: An oder mit Corona sterben in Deutschland inzwischen weniger als einer von 1.000 Infizierten.

Und was macht Karl Lauterbach? Der Bundesgesundheitsminister kann einfach nicht aus seiner Haut und verbreitet auf Twitter weiter Panik und Irrlehren. Von der gängigen Expertenmeinung völlig unbeeindruckt, fabulierte Lauterbach am Freitag: „Mit 1.000 Coronatoten pro Woche, am Vorabend einer Winterwelle mit neuen Varianten und einer zunehmenden Zahl von Beschäftigten mit Long Covid macht Aufheben der Isolation keinen Sinn. Der Arbeitsplatz muss sicher bleiben, Arbeitnehmer brauchen Schutz.“ Und wer schützt Deutschland und seine Bewohner vor der wissenschaftlichen Geisterfahrt des Bundesgesundheitsministers? Denn: Um auf Lauterbachs „1.000 Coronatote pro Woche“ zu kommen, müssten sich nach den Worten von Dr. Spinner in Deutschland pro Woche mehr als eine Million Menschen mit Corona infizieren. Von solchen Zahlen sind wir jedoch meilenweit entfernt.

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Klaus Stöhr und Christoph Spinner stehen mit ihrer Einschätzung der Lage keineswegs alleine da, ganz im Gegenteil. Prof. Christian Weidner verweist auf die gute Immunitätslage in der Bevölkerung, weshalb es laut dem Präsidenten des Bayerischen Landesamts für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit zwar häufig zu symptomatischen, aber in der Regel nicht zu schweren Verläufen komme. Ebenso hält der Virologe Prof. Oliver Keppler die Aufhebung der Isolationspflicht für positiv Getestete für „fachlich vertretbar“. Das halbe Dutzend an Experten voll machen Prof. Dr. Hendrik Streeck, der sich für ein „Isolationsgebot“ ausspricht, sowie Prof. Ulrike Protzer, die eine Gleichbehandlung von Corona und der Grippe fordert.

Wann fallen die restlichen Corona-Maßnahmen?

Der von Baden-Württemberg, Bayern, Hessen und Schleswig-Holstein eingeschlagene Weg ist zweifelsohne der richtige. Wer sich dabei aber auf Expertenmeinungen beruft, nur um dann auf halbem Wege stehenzubleiben, der handelt nicht konsequent. Eine Gleichstellung von Corona mit der Grippe, wie sie von der Virologin Prof. Protzer und Ministerpräsident Markus Söder angemahnt wurde, muss auch die Abschaffung der Maskenpflicht in Bus und Bahn sowie aller weiterer Maßnahmen zur Folge haben. Andernfalls muss sich auch das jetzt vorgepreschte Quartett den Vorwurf der Willkür gefallen lassen.

Und wie sieht es in den anderen Bundesländern aus? Bremen, Hamburg, Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen wollen bis auf weiteres nicht an der Isolationspflicht rütteln und damit auf Linie mit dem Bundesgesundheitsminister bleiben. Rheinland-Pfalz und Thüringen wollen die weitere Entwicklung zunächst noch abwarten und setzen sich für ein gemeinsames Vorgehen ein. Lediglich Sachsen hat zu erkennen gegeben, dass man dem Beispiel der vier Vorreiter eventuell zeitnah folgen und den Menschen ein weiteres Stück Eigenverantwortung zurückgeben könnte.

Diejenigen, die selbst wenig haben, bitte ich ausdrücklich darum, das Wenige zu behalten. Umso mehr freut mich Unterstützung von allen, denen sie nicht weh tut!

Namentlich gekennzeichnete Beiträge geben immer die Meinung des Autors wieder, nicht meine. Ich schätze meine Leser als erwachsene Menschen und will ihnen unterschiedliche Blickwinkel bieten, damit sie sich selbst eine Meinung bilden können.

Kai Rebmann ist Publizist und Verleger. Er leitet einen Verlag und betreibt einen eigenen Blog.

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