Durch die UN-Klimakonferenz in der ägyptischen Stadt Scharm El Scheich erhält seine jahrelange Inhaftierung Aufmerksamkeit der internationalen Medien. Nun kommt von Alaa Abd El Fattah die erlösende Nachricht

Alaa Abd El Fattah beendet Hungerstreik: Gefangener in Sisis Knast

Am Dienstag kam die erlösende Nachricht: Alaa Abd El Fattah, bleibt weiter am Leben. Denn Abd El Fattah befand sich mehr als sechs Monate im Hunger- und zuletzt auch im Durststreik, um seine Freilassung aus dem Gefängnis zu erzwingen. Am Montag schickte er seiner Familie einen Brief mit den Zeilen: „Ich beende meinen Hungerstreik. Ich erkläre euch alles am Donnerstag.“ Ein Besuch seiner Familie im Gefängnis war auf diesen Tag terminiert. Zudem bat er sie, ihm einen Geburtstagskuchen mitzubringen, denn einen Tag später wird der Aktivist 41. Jahre alt. Die Familie zeigte sich von der Nachricht sehr erleichtert.

Durch die UN-Klimakonferenz COP 27 in der ägyptischen Stadt Scharm El Scheich erhält sein Fall, seine Verhaftung und jahrelange Inhaftierung die Aufmerksamkeit der internationalen Medien. Möglicherweise hat die Anreise von Delegationen und Aktivisten aus der ganzen Welt auch die Chance erhöht, dass Abd El Fattah bald freigelassen wird.

Doch wer ist Alaa Abd El Fattah? Ein 40-jähriger Software-Entwickler, einer von Tausenden Inhaftierten in Ägypten, die ohne Anklage oder Gerichtsverfahren in Untersuchungshaft gehalten werden. Abd El Fattah ist Schriftsteller, Menschenrechtsaktivist und einer der bekanntesten Stimmen während der Tahrir-Revolution vom 25. Januar 2011. Er gründete einen bekannten arabischen Blog-Aggregator und war an einer Reihe von Bürgerjournalismus-Initiativen beteiligt.

2015 wurde Abdel Fattah zu fünf Jahren Haft verurteilt. Sein angebliches Vergehen: Er habe eine nicht angemeldete Kundgebung organisiert. Im März 2019 wurde er freigelassen, aber am 29. September erneut festgenommen. Anschließend saß er zwei Jahre in Untersuchungshaft, bevor er im Dezember 2021 wegen des Vorwurfs der Veröffentlichung falscher Nachrichten ein weiteres Mal zu fünf Jahren Haft verurteilt wurde.

Internationale Menschenrechtsorganisationen kritisierten mehrfach, dass das Gerichtsverfahren gegen ihn unrechtmäßig war und er keine Chance auf eine faire Verteidigung hatte. Am 2. April 2022 trat Abd El Fattah im Kampf um seine Freiheit in einen unbefristeten Hungerstreik. Nach mehr als 200 Tagen gab Abdel-Fattah bekannt, dass er ab dem 1. November 2022 seine bisherige Aufnahme von 100 Kalorien pro Tag einstellen und in einen vollständigen Hungerstreik übergehen werde. Abd El Fattah entschied zudem, dass er ab dem 6. November 2022, zeitgleich mit dem Beginn der COP27 in Sharm el-Sheikh, Ägypten, in einen Durststreik treten werde.

„Wenn man sich den Tod wünscht, dann wäre ein Hungerstreik kein Kampf. Wenn man nur aus Instinkt am Leben festhält, was bringt dann ein Streik? Wenn du den Tod nur aus Scham über die Tränen deiner Mutter hinausschiebst, dann verringerst du die Chancen auf einen Sieg“, schrieb Abd El Fattah in einem Brief an seine Familie, in dem er seinen Hungerstreik ankündigte.

Auch Olaf Scholz fordert Freilassung von Abd El Fattah

Nachdem das ägyptische Militär 2013 den Präsidenten Mursi absetzte und 2014 dem früheren Oberbefehlshaber Abd El Fattah El-Sisi den Weg zur Präsidentschaft ebnete, brachte das Regime fast alle Medienbereiche unter seine Kontrolle. Das Internet blieb der letzte Raum für Bürger*innen, wo freie Meinungsäußerung noch möglich war, und die einzige Möglichkeit, andere als die vom Staat produzierten Nachrichten zu teilen. Allerdings weitete das Regime seit Mitte Mai 2017 auch die Praxis aus, hunderte von Webseiten im Internet zu sperren, darunter mindestens 118 Webseiten von Presseorganen. Umso wichtiger ist also die Anwesenheit von internationalen Staatsgästen und Vertretern internationalen Medien, die derzeit wegen der Klimakonferenz COP 27 in Ägypten sind. Auch prominente Friday-for-Future-AktivistInnen forderten am 8. November die Freilassung von Alaa.

In ihrer Not versuchte die Familie von Abd El Fattah durch den Erhalt der britischen Staatsbürgerschaft Druck auf die ägyptische Regierung zu erhöhen. Da Abd El Fattahs Mutter in Großbritannien geboren wurde, hat dementsprechend auch ihr Sohn Anrecht auf die britische Staatsbürgerschaft. Welche er, während er im Gefängnis saß, bereits vor einem Jahr erhalten hat. Allerdings will die ägyptische Regierung Abdel-Fattahs britische Staatsbürgerschaft nicht anerkennen –der ägyptische Staat erfindet fadenscheinige Ausreden, um ihm jeglichen Rechtsschutz zu verwehren.

Der britische Premierminister teilte der Familie in einem Brief mit, dass er ihre Notlage mit dem ägyptischen Präsidenten besprechen werde. Abd El Fattah Schwester Sanaa sprach auf der #COP27 im deutschen Klimapavillon auf einer Pressekonferenz über die ungerechtfertigte Inhaftierung ihres Bruders und forderte seine sofortige Freilassung. „Sie müssen Ihre Außenpolitik mit Ägypten auf den Prüfstand stellen (…) Drei Jahre in Folge war Ägypten Deutschlands Waffenkäufer Nummer eins. Diese Waffen können wir uns nicht leisten und wir brauchen sie nicht und wenn sie jemals benutzen werden, würden sie gegen uns eingesetzt werden“, sagte Abd El Fattahs Schwester in Anwesenheit der Staatssekretärin und Sonderbeauftragten für internationale Klimapolitik im Auswärtigen Amt Jennifer Lee Morgan.

„Wir machen uns große Sorgen um das Leben von #AlaaAbdelFattah, der hier in Ägypten in Haft sitzt und nun in Durststreik getreten ist. Wie auch andere Staats- und Regierungschefs habe ich mich heute bei Präsident Al-Sisi für seine Freilassung eingesetzt“, schrieb Bundeskanzler Olaf Scholz auf Twitter. Ob die internationale Aufmerksamkeit und die diplomatischen Aufforderungen zur Freilassung von Abd El Fattah reichen wird, wird sich in den kommenden Tagen zeigen.

Lesen Sie mehr in der aktuellen Ausgabe des Freitag.



Quelle Link

Von Veritatis

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

10 + 1 =