Von Kai Rebmann

Eine der vielleicht bittersten Erkenntnisse aus drei Jahren „Pandemie“: Die Corona-Politik von Regierungen in aller Welt wäre ohne die willfährige Unterstützung der Medien wohl nicht möglich gewesen, zumindest nicht in der erlebten Form. Bitter ist das vor allem deshalb, weil die nicht selten fernab jeder wissenschaftlichen Evidenz oder menschlichen Vernunft verhängten Maßnahmen für so viel körperliches, seelisches und wirtschaftliches Leid gesorgt haben. All das hätte, wenn schon nicht verhindert, so aber zumindest auf ein erträgliches Maß minimiert werden können – wenn die Medien ihrem ureigenen Auftrag gerecht geworden wären.

Doch anstatt um Kontrolle der Regierungen ging es in vielen Redaktionen von der ersten Stunde an um Hofberichterstattung im Sinne der Herrschenden. Die Gründe für diese historisch wohl einmalige mediale Einheitsfront liegen noch im Dunkeln, sie werden sich eines Tages aber ganz gewiss ihren Weg ans Licht der Öffentlichkeit bahnen. Bereits zu Beginn des Jahres war bekannt geworden, dass die Zeitungen der Schweizer Ringier-Mediengruppe (u. a. „Blick“) im Zusammenhang mit Corona zu einer regierungstreuen Berichterstattung verpflichtet wurden. Offenbar gab es auch bei der „Bild“ ganz ähnliche Anweisungen. Das sagt kein Geringerer als Julian Reichelt, von 2017 bis 2021 Chefredakteur bei Deutschlands größter Boulevard-Zeitung.

Unterstützende Berichterstattung für Regierung und Kanzlerin

Der streitbare Journalist war zu Beginn dieser Woche zu Gast bei „Chez Krömer“, einem Talk-Format des skandalumwitterten RBB. Alexander Bojcan alias Kurt Krömer nahm Julian Reichelt eine halbe Stunde lang ins Kreuzverhör und stellte dem geschassten Bild-Chef Fragen, von denen man bei den ÖRR-Sendern in Interviews mit Politikern leider nur träumen kann. Irgendwann kam der Gastgeber fast zwangsläufig auf das Thema Corona zu sprechen und konfrontierte Julian Reichelt mit dessen „größter journalistischer Niederlage“. Damit spielte der Komiker auf dessen „Kampagne gegen Christian Drosten“ an, die schließlich zur Intervention durch Friede Springer geführt habe. Die Witwe von Axel Springer soll Reichelt danach sogar den Handschlag verweigert haben, wie Krömer konstatierte.

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Daraufhin legte Julian Reichelt seine Sicht der Dinge dar. Die Kommunikation mit der Verlagschefin habe größtenteils am Telefon stattgefunden, weshalb die Geschichte mit dem verweigerten Handschlag so nicht stimme. Außerdem sei es bei dem Streit zwischen ihm und Friede Springer auch nicht um Christian Drosten gegangen, wie Reichelt beteuerte. Dann aber folgten diese Sätze – Reichelt sagte wörtlich: „Der Streit da ging um die Corona-Berichterstattung insgesamt, wo Friede Springer die Vorstellung hatte – und das mir gegenüber auch sehr deutlich gemacht hat – dass ‚Bild‘ in der beginnenden Corona-Krise, das war ganz zu Anfang, ab sofort unterstützend für die Bundesregierung und die Kanzlerin berichten sollte. Und das war nicht meine Auffassung von Journalismus.“

Entweder war Kurt Krömer die enorme journalistische Sprengkraft dieser Aussagen schlicht entgange oder er erkannte sie und ging gerade deshalb nicht weiter darauf ein. Stattdessen warf der RBB-Mann seinem Gast vor, im Rahmen seiner „Kampagne“ aus einer unfertigen Studie zitiert und sich auf Wissenschaftler berufen zu haben, „die damit nichts zu tun haben wollen“. Reichelt stellte daraufhin richtig, dass aus einer „falschen Studie“ zitiert worden sei. Um Ihnen, liebe Leser, einen Eindruck davon zu vermitteln, wie Haltungs-Journalismus beim RBB und anderen Mainstream-Medien funktioniert, nachstehend die entsprechende Passage im Wortlaut.

Krömer: „Und dann haben Sie aus einer unfertigen Studie zitiert und Wissenschaftler zitiert, die damit nichts zu tun haben wollen.“

Reichelt: „Nein, nein, nein! Wir haben aus einer falschen Studie zitiert.“

Krömer: „Aus einer falschen Studie?“

Reichelt: „Aus einer falschen Studie! Bei dieser Studie war herausgekommen, dass Kinder wahrscheinlich ansteckender sind als Erwachsene. Und diese Studie war Grundlage dafür, Kinder über Monate und Monate – ich bin übrigens extrem stolz auf diese Geschichte, um das vorwegzunehmen …“

Krömer: „Auf die falsche Geschichte?“

Reichelt: „Nein, es war keine falsche Geschichte, kein einziges Komma daran war falsch.“

Krömer: „Sie haben doch gerade gesagt, dass es eine falsche Geschichte ist.“

Reichelt: „Nein, es war eine falsche Studie.“

Krömer: „Dann ist doch die Geschichte auch falsch.“

Reichelt: „Nein, die Geschichte war, dass die Studie falsch war. Die Geschichte handelte davon, dass Christian Drosten eine Studie gemacht hatte, aus der hervorging, dass Kinder höchstwahrschein ansteckender sind als Erwachsene. Und das war die Grundlage dafür, für die politische Entscheidung, die Schulen zu schließen und Kinder über Monate wegzusperren.“

Krömer: „Ich kriege langsam Kopfschmerzen … Und dann wurden Wissenschaftler zitiert, die damit überhaupt nichts …“

Reichelt: „Nein! Wir hatten Informationen, die auch stimmen, dass die Studie falsch gerechnet war und eigentlich das Gegenteil rausgekommen war. Kinder sind nicht ansteckender als Erwachsene.“

Friede Springer und Angela Merkel verbindet innige Freundschaft

Julian Reichelt wollte daraufhin weitere Details zu dieser Studie und der damaligen Berichterstattung ausführen. Doch dazu kam es nicht mehr, weil Krömer unvermittelt das Thema wechseln wollte und es ihm auch „nicht klarer“ werde, wenn alles dreimal wiederholt werde. Gerade die ersten Sätze des oben zitierten Dialogs dienen als Paradebeispiel für einen ÖRR-Journalisten, der die Corona-Politik der Bundesregierung bis aufs Blut verteidigt, indem er Kritikern – in diesem Fall Julian Reichelt – sogar die Wörter im Mund herumzudrehen versucht.

Es passt ins Bild, dass es zu dieser Selbstentlarvung ausgerechnet gekommen ist, unmittelbar nachdem Reichelt geschildert hatte, weshalb es aus seiner Sicht zum Zerwürfnis zwischen ihm und Friede Springer gekommen war. Die Aussagen des Ex-Bild-Chefs erscheinen aus gleich mehreren Gründen sehr glaubhaft. Es ist kein Geheimnis, dass Friede Springer und Angela Merkel eine enge Freundschaft verbindet. Im Kuratorium der Friede-Springer-Stiftung sitzt mit Joachim Sauer der Ehemann der Ex-Kanzlerin. Und nicht zuletzt wurde die Verlagschefin von der CDU in der Vergangenheit regelmäßig als Mitglied der Bundesversammlung nominiert.

Die Art und Weise der Corona-Berichterstattung in der „BILD“, aber auch in anderen Springer-Blättern wie etwa der „Welt“ oder der „Berliner Zeitung“, gerade zu Beginn der „Pandemie“ hat gezeigt, wie problematisch derartige persönliche und politische Verbindungen sein können. Kritischer Journalismus darf nicht Halt machen vor möglichen Interessenkonflikten bei der Herausgeberin des entsprechenden Mediums. Noch schwieriger wird es allerdings, wenn es die Verlagschefin selbst gewesen sein soll – in diesem Fall also Friede Springer, – die die Initiative ergreift und die Richtung der gewünschten Berichterstattung vorgibt.

Diejenigen, die selbst wenig haben, bitte ich ausdrücklich darum, das Wenige zu behalten. Umso mehr freut mich Unterstützung von allen, denen sie nicht weh tut!

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Namentlich gekennzeichnete Beiträge geben immer die Meinung des Autors wieder, nicht meine. Ich schätze meine Leser als erwachsene Menschen und will ihnen unterschiedliche Blickwinkel bieten, damit sie sich selbst eine Meinung bilden können.

Kai Rebmann ist Publizist und Verleger. Er leitet einen Verlag und betreibt einen eigenen Blog.

Bild: nitpicker/Shuttserstock

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