Am Sonntag feiert Sänger Frank Schöbel seinen Geburtstag. Sein Beruf war immer Berufung: Mehr als 600 Titel hat der Sänger im eigenen Repertoire.

Musik.

Frank Schöbel komponiert, interpretiert, textet und singt seit 60 Jahren Songs über die Liebe, Freundschaft, den Alltag und den Fußball. Diese zwölf Songs sollten auf keiner Frank-Schöbel-Geburtstagsparty fehlen:

Looky, Looky (mach ich Tag und Nacht, wenn ich schöne Frauen seh …) ist 1964 die erste Single und war sofort ein großer Erfolg in den Hitparaden. Es folgten Songs wie “Blonder Stern” oder “Party Twist”. “Molly, Dolly, Monika – ich hoffe, dass ihr‘s wisst, heute bin ich wieder da, oh oh … yeah yeah beim Party-Twist”. Die Songs waren im typischen Twist-Sound der frühen 60er-Jahre komponiert. Nach dem Mauerbau liberalisierte sich für ein paar Jahre die Kulturpolitik in der DDR. Doch nach einer Wende der Hardliner um Erich Honecker verkündete Staatslenker Walter Ulbricht 1965 das Aus von “Yeah Yeah Yeah”. Kritische Defa-Filme wanderten in den “Giftschrank”. Aber selbst die eigentlich harmlosen Popsongs des jungen Frank Schöbel wurden für einige Zeit nicht mehr im Radio gespielt.

Lieb mich so, wie Dein Herz es mag war 1967 das erste Duett mit Sängerin Chris Doerk. Doerk und Schöbel galten in den 1960er- und Anfang der 1970er-Jahre als Traumpaar, und sie waren damit auch das erste öffentliche Ehepaar der DDR. Das Interesse an ihrem Privatleben nahm für DDR-Verhältnisse untypische Ausmaße an. Nach der Geburt des Sohnes Alexander wurde sogar direkt vom Babybett aus berichtet. 1972 und 1973 trat das Paar gemeinsam in Shows des Westfernsehens auf. Doch die Ehe scheiterte: Chris Doerk und Frank Schöbel reichten 1974 die Scheidung ein.

Ein Sommerlied. Es ist eines der schönsten Lieder, die Frank Schöbel sang. Komponiert von Thomas Natschinski gehört der Song zum Soundtrack des Defa-Filmmusicals “Heißer Sommer” (1968). Musik, Tanz und ein unbeschwertes Lebensgefühl machten es zum Kult. Im Mai 2016 veröffentlichte die “Freie Presse” das Ergebnis ihrer Leser-Umfrage nach dem beliebtesten Defa-Film aller Zeiten: “Heißer Sommer” wurde auf Platz eins gewählt.

Da war Gold in Deinen Augen. “Da war Gold in deinen Augen/Gold auf deinem Haar/Musst mir heut und immer glauben/Dass noch nie ein Tag so herrlich war”. 1971 eroberte das zarte Liebeslied die Hitparaden und wurde nie vergessen. In Heiner Carows Film “Coming Out” (1989), er war der erste Defa-Film, der explizit Homosexualität thematisierte, wird “Gold in deinen Augen” in einer Szene in einer Berliner Schwulenbar gespielt. 2009 wurde der Song in der TV-Reihe “Ein starkes Team” in der Folge “La Paloma” von den Schauspielern Jaecki Schwarz, der hier den Ex-Polizisten “Sputnik” verkörpert, und Florian Martens in der Rolle des Kommissars Otto Garber interpretiert.

Wie ein Stern. Der definitive Kulthit des Sängers, der ebenfalls 1971 die Hitparaden im In- und Ausland stürmte. Der renommierte Komponist Moritz Eggert, ein Vertreter der sogenannten E-Musik, schwärmt in seinem Blog der “Neuen Musikzeitung”: “Als alles überragendes Meisterwerk verweist das unglaubliche Stück die meist eher erbärmlichen Versuche anderer Schlagerkomponisten in die Schranken. Der Schlager mit zwei Altflöten als Hauptinstrumente steigert sich wie eine Symphonie, ist voller Pausen und wiederholter Anläufe – und erinnert soundmäßig eher an Pink Floyd oder Progressive Rock.” Der Stern begleitete den Sänger immer wieder – neben “Blonder Stern” war in den 80ern auch “Wenn ein Stern verlischt” ein großer Hit.

Freunde gibt es überall: “Wo Ähren tanzen im Sommerwind/Wo Baumwollfelder voll Blüten sind/Wo Hände pflanzen den jungen Reis/Wo man das Menschenglück zu schmieden weiß …” Der chansonhafte Schlager ist voller Pathos und gefiel den Funktionären so sehr, dass Frank Schöbel ihn bei der Eröffnungsshow zu den legendären Fußball-Weltmeisterschaften 1974 (1:0 für die DDR gegen die BRD) in Frankfurt/Main performen musste. Er hätte freilich lieber das deutlich (glam-)rockiger angelegte Stimmungslied “Ja, der Fußball ist rund wie die Welt” gesungen. Schöbel ist ein großer Fußballfan und spielte bis ins Alter hinein selbst Fußball. 1987 schrieb er einen weiteren Fußball-Hit: “Die Fans sind eine Macht” (wer keine hat, Gut Nacht!).

Komm, wir malen eine Sonne: Der Song entstammt dem gleichnamigen, sehr populären Kinderalbum des Sängers von 1975 mit poppigen Liedern, die Frank Schöbel zusammen mit Kindern einsang, ohne die damals übliche Künstlichkeit und Perfektion von Kinderchoraufnahmen im Rundfunk oder auf Vinyl. Da wehte ein Hauch von Anarchie und Selbstermächtigung, was schon am Plattencover deutlich wurde. Die Kinder nehmen sich die Instrumente und spielen drauflos, während Schöbel und seine Bandmitglieder gefesselt und geknebelt zum Zuschauen verurteilt sind.

Zwischen Angst und Liebe: Mit dem Album “Wovon ich träume” (1981) wagte sich Schöbel in rockigere Gefilde. “Zwischen Angst und Liebe”, der Song erinnert entfernt an Phil Collins “In the Air Tonight”, hört sich 40 Jahre nach Erscheinen immer noch recht frisch an. Er sei eben kein “reiner Schlagerheinz”, so Schöbel in seiner aktuellen, sehr lesenswerten Biografie.

Mit mir könnses ja machen: “Ich zieh‘ nur Nieten/Auf allen Gebieten/Ich kriege nichts unter der Hand/Doch brauchen se einen/Und finden se keinen/Dann komm’se zu mir gleich gerannt.” Im Spaßsong inszeniert sich Frank Schöbel 1982 als clowneskes Opfer der Umstände. Doch in Wahrheit überschritt er eigene Linien nie. Trotz Anwerbeversuch spitzelte er für die Staatssicherheit nicht, auch einen Eintritt in die Staatspartei SED lehnte er ab.

Weihnachten in Familie: Ein Klassiker ist dieser Song vom gleichnamigen Album von 1985. Es gilt mit über zwei Millionen verkauften Platten als der erfolgreichste Amiga-Tonträger aller Zeiten. Mehrere Songs erinnern an die christlichen Ursprünge des Fests, die die Ideologen noch in den 50er- und 60er-Jahren gerne hätten vergessen machen wollen.

Wir brauchen keine Lügen mehr: Vordergründig ist der von Bernd Meinunger (“Ein bisschen Frieden”) getextete Song ein Liebeslied. Doch er ist voller Anspielungen auf die Situation im Sommer 1989. “Wir verschweigen uns nichts mehr/Denn wir haben gelernt/Durch Verschweigen verliert man sich”, heißt es da. Schöbel wurde von der großen Republiksgeburtstagsshow im Palast der Republik zum 40. DDR-Jahrestag ausgeladen. Auch später konnte er politisch werden. In “Mensch wach‘ auf” vom Album “Egal was passiert” (2006) heißt es: “Und immer wieder leere Versprechen und jede Menge Fragen/Zu viel Kriege, zu wenig Frieden, doch der DAX kann nicht klagen.”

Danke liebe Freunde: ein Mutmach-Song (2020) und eine Liebeserklärung an seine Fans: “Danke liebe Freunde, egal was ihr auch tut/Nehmt euch in die Arme, das tut jetzt so gut/Danke liebe Freunde, es war nicht immer leicht/Auch ich kann auf euch zählen/Gerad in dieser Zeit.” 


Service:

Tickets für Musikgeschichte(n) mit Frank Schöbel am 19. Februar im Wasserschloss Klaffenbach in Chemnitz sind in den “Freie Presse”-Shops erhältlich.

Buchtipp “Danke, liebe Freunde – Eine Autobiografie von Frank Schöbel mit Herz und Haltung”, Verlag Bild und Heimat, 352 Seiten, 26,99 Euro.



Quelle Link

Von Veritatis

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