Das ZDF scheint auf den Erzgebirgsgeschmack zu kommen. Allerdings ist das Erzgebirge im aktuellen Weihnachtsfilm „Ein Taxi zur Bescherung“ mit Dietmar Bär nicht das echte.

Film. Reiben Sie sich nicht die Augen aus, falls Sie am Sonntag im ZDF den Weihnachtsfilm „Ein Taxi zur Bescherung“ schauen und zu erkennen versuchen, wo im Erzgebirge dieser Film spielt! Das Taxi mit prominenter Besetzung – den Taxifahrer spielt Dietmar Bär, bekannt als „Tatort“-Kommissar – fährt laut Handlung ins Erzgebirge, wo die Taxi-Insassen, ein blinder IT-Analyst, eine Aushilfskellnerin und der Taxifahrer selbst, in unfreiwilliger Konstellation stranden und beim Neunerlei gemeinsam Weihnachten feiern. Das hübsche Städtchen mit dem Fachwerk, das Sie im Film sehen und das das Erzgebirgsstädtchen Bergroda darstellen soll, können Sie nicht als erzgebirgisch wiedererkennen: Es ist fiktiv, und es wurde auch nicht im Erzgebirge gedreht.

Das mag für die Region und Erzgebirgsfans bedauerlich sein, unüblich ist es in der Filmbranche nicht, dass anderswo gedreht wird, als es die Handlung suggeriert. So weit, so gut. Aber warum genau wurde nicht im Erzgebirge gedreht? Immerhin kennt man es auch anders: Der ebenfalls im ZDF ausgestrahlte „Erzgebirgskrimi“ – am 21. Dezember wird die neue Folge gesendet – dreht an authentischen Orten.

Die Frage nach den Gründen

In einem mit Dietmar Bär geführten Interview, das im ZDF-Presseportal für Journalisten bereitliegt, heißt es, dass im Harz, in Wernigerode, gedreht wurde. Dietmar Bär sagt, dass dort – „weil das anders technisch nicht ging“ – das Erzgebirge erzählt wird. Auf Nachfrage der „Freien Presse“ bei dem für Kommunikation in diesem Fall zuständigen Mitarbeiter, was das für technische Gründe sind, lautet die Antwort: „Das weihnachtliche Herzkino-Roadmovie wurde unter anderem in Wernigerode gedreht. Dort hatte die Produktionsfirma alle Bedingungen vorgefunden, wie sie für eine Realisation unseres Projektes benötigt wurden.“ Aber was sind denn die genauen technischen Gründe? Die Antwort auf nochmalige Nachfrage: „Wie bereits mitgeteilt, haben wir an dem Drehort Wernigerode gute Bedingungen vorgefunden. Das sind die drehtechnischen Gründe.“ Um welche Bedingungen es geht und was konkret drehtechnische Gründe sind, bleibt damit unbeantwortet.

Warum spielt der Film dann nicht gleich im Harz? Kommt das Erzgebirge bei Filmemachern durch den „Erzgebirgskrimi“ stärker ins Bewusstsein? Antwort: „Das Erzgebirge ist bei Kreativen, die sich mit Weihnachtsfilmen beschäftigen, durch seine vielfältigen weihnachtlichen Bräuche und Traditionen sehr interessant und erzählenswert.“ Und man solle eine Reihe wie den „Erzgebirgskrimi“ nicht mit einem 90-Minüter vergleichen. Wieso, verrät diese Antwort allerdings auch nicht.

Sachsen als Filmland

Nun gibt es Branchenexperten, die sagen, dass es im Erzgebirge nicht einfach ist, Filme zu drehen, da es dort keine etablierte Filmindustrie mit den nötigen Gewerken gibt, zudem generell die Kosten steigen, um ein Produktionsteam vor Ort zu bringen. Da mag vieles nachvollziehbar sein, nicht aber, warum die Gründe von einem öffentlich-rechtlichen Sender nicht klar benannt werden. Zumal es von anderen Institutionen auch andere Einschätzungen gibt. „Aus meiner Sicht ist Sachsen längst ein ernst zu nehmendes Filmland. Und spätestens seit der großen Resonanz auf die ‚Erzgebirgskrimis‘ ist bekannt, dass es auch in Sachsen eine wunderschöne Kulisse für Dreharbeiten in den Bergen gibt“, sagt Alexander Thies, Vorsitzender der Produzentenallianz und geschäftsführender Gesellschafter der Produktionsfirma NFP. Die Allianz Deutscher Produzenten ist die Interessenvertretung der Produzentinnen und Produzenten unter anderem von Film- und Fernsehwerken. „Aus meinen Erfahrungen als Fernsehproduzent, der gerne und viel in Mitteldeutschland dreht, unterscheiden sich der Harz und das Erzgebirge hinsichtlich der Produktionsbedingungen kaum voneinander – sie addieren sich eher in ihrer positiven medialen Wahrnehmung beider Regionen.“ Beide Orte böten ähnliche Voraussetzungen und jeder Dreh in Sachsen und andersherum in Sachsen-Anhalt lenke die Aufmerksamkeit noch mehr auf die gesamte Region „und ist damit ein Grund zur Freude, weil er die Attraktivität des Produktionsstandorts Mitteldeutschland bestätigt und gleichsam erhöht“.

Auch bei der Mitteldeutschen Medienförderung, die Produktionen in der Region wirtschaftlich unterstützt, heißt es, dass es – wie man anhand des „Erzgebirgskrimis“ sehen könne – keine generellen Gründe gibt, die gegen Dreharbeiten im Erzgebirge oder in Sachsen sprechen. Es könne aber beispielsweise sein, dass eine Produktionsfirma aufgrund von Nachhaltigkeitskriterien kürzere Wege vom Standort der Produktionsfirma zum Drehort bevorzuge und deshalb anderswo drehe, als die Handlung vorgibt.

Dirndl zu Weihnachten

Der Taxi-Film ist übrigens mäßig unterhaltsam. Er hat aber gute Momente: Er erzählt von diversen Menschen, darunter von dem Blinden und einem Liebespaar jenseits der 40 ohne Modelmaße. Ein schmucker Barkas und etliche Traditionen sind auch dabei. Ob es Erzgebirger authentisch finden, zu Weihnachten im Dirndl am Tisch zu sitzen und bei der Mettenschicht zu Schlager zu tanzen, ist eine andere Frage.

Der Film „Ein Taxi zur Bescherung“ wird am Sonntag, dem 18. Dezember, um 20.15 Uhr im ZDF ausgestrahlt. In der Mediathek ist er bereits zu sehen. » zdf.de



Quelle Link

Von Veritatis

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

fünfzehn + 10 =