Der Advent ist die Zeit des Probierens, des Schwelgens im Reich der Genüsse. Vom auserlesenen Weihnachtsgebäck bis zum althergebrachten Kartoffelkuchen. Was den Geschmackstest besteht, findet nicht selten Aufnahme in das Familienrezeptbuch.

„Unter einem glücklicheren Stern stand die Backwoche, wo mit Pfeffer- und Zuckernüssen begonnen und mit Brezeln, Kranz- und Blechkuchen aufgehört wurde. Wir durften nicht nur mit in die Backstube hinein, darin es überall anheimelnd nach bitteren Mandeln und geriebener Zitrone roch, sondern erhielten auch als Weihnachtsgeschmack eigens für uns Kinder gebackene kleine Wecken, alles reichlich zugemessen. Ich weiß, sagte meine Mutter, daß sie sich den Magen daran verderben, aber das ist besser, wie wenn sie knappgehalten werden. Sie sollen all diese Zeit über eine Festesfreude haben, und die bringt ihnen ein Festkuchen am besten bei.“

So erinnert sich Theodor Fontane an seine Kindheit im pommerschen Swinemünde, wo – wie überall in der Adventszeit – für das Fest gebacken wurde. Doch nicht alle Eltern vermochten ihre Kinder schon vor dem Fest so zu verwöhnen.

Olle oder tolle Knolle?

Das Image einer Armen- und Hungerspeise bekam die Kartoffel erst zu Zeiten der Not, wie während oder nach Kriegen und Wirtschaftskrisen. Ursprünglich begann ihre Karriere als „exotische“ Pflanze an Fürstenhöfen, in Gärten von Apothekern und Naturforschern. Im 17. Jahrhundert war von Kartoffeln im Zusammenhang mit festlichen Speisen die Rede. Neben Huhn und Hecht, Gans und Hirsch, Mandeltorte und Konfekt landeten Erdäpfel auf den Tellern bedeutender Persönlichkeiten und wurden auch musikalisch festgehalten:

Kartoffellied von Matthias Claudius (deutscher Dichter 1740 – 1815)

Pasteten hin, Pasteten her,
was kümmern uns Pasteten?
Die Kumme hier ist auch nicht leer
und schmeckt so gut als bonne chère
von Fröschen und von Kröten

Und viel Pasteten und Leckerbrot
verdirbt nur Blut und Magen.
Die Köche kochen lauter Not,
sie kochen uns viel eher tot;
Ihr Herren, laßt Euch sagen!

Schön rötlich die Kartoffeln sind
und weiß wie Alabaster!
Sie däun sich lieblich und geschwind
und sind für Mann und Frau und Kind
ein rechtes Magenpflaster

So unterlag das Nachtschattengewächs seit jeher einem Wechselspiel zwischen Laune und Not – bis heute. Gekocht, gegrillt, gebacken oder gebraten, mit einem jährlichen Pro-Kopf-Verbrauch von 56,1 Kilogramm ist die Kartoffel in diesen Tagen ein fester Bestandteil auf unserem Speiseplan.

Ein Vorgeschmack auf Weihnachten

Blicken wir zurück auf längst vergangene Tage – als Weihnachtsgast Ende des 19. Jahrhunderts. Kartoffeln stellten das Hauptnahrungsmittel der einfacheren Gesellschaftsschicht dar, sie waren günstig oder konnten selbst angebaut werden. Da erfanden Hausfrauen und Bäcker aus spärlichen Zutaten immer wieder neue Kreationen. So fand sich die vielseitige Knolle auch im Kuchen wieder. Wie zum Beispiel in dem „arme Leute Stollen“, dem Kartoffelkuchen.

Kartoffelkuchen wurde zur Taufe, Hochzeit, Kirmes und vor allem in der Vorweihnachtszeit bereitet. Als Vorgeschmack auf die zu erwartenden Köstlichkeiten gaben die Frauen Teigreste vom Stollen oder etwas Nüsse und Früchte hinzu, je nachdem, was der Vorratsschrank hergab.

Gehobelten Mandeln und viel Zimt verströmen bei diesem Kartoffelkuchen einen Hauch von weihnachtlicher Vorfreude und dem Versprechen von mehr Köstlichkeiten.

Zutaten (für ein Blech)
  • 300 g Mehl
  • 300 g gekochte und zerdrückte Kartoffeln
  • 50 g Hefe
  • 200 g Butter
  • 100 g Zucker
  • 3 Eier
  • 2 TL Zimt
  • 60 g gehobelte Mandeln
  • eine Prise Salz
  • etwas warmes Wasser
Zubereitung (etwa 60 Minuten, + 2 x 60 Minuten Ruhezeit + 25 Minuten Backen)

Mehl in eine Schüssel sieben und in die Mitte eine Mulde formen. Hefe hineinbröckeln und mit 4 EL warmem Wasser verrühren. Schüssel mit einem Küchentuch zudecken und den Teig an einem warmen Platz 60 Minuten gehen lassen.

In der Zwischenzeit Kartoffeln schälen, kochen und fein reiben oder zerdrücken. Nach der Gehzeit mit den Eiern, 125 g flüssiger Butter, 50 g Zucker und einer Prise Salz zu dem Vorteig geben, alles gut vermengen und zu einem glatten Teig kneten. Den Teig fingerdick ausrollen und auf ein mit Butter eingefettetes Backblech legen. Zugedeckt noch einmal 60 Minuten gehen lassen.

Vor dem Backen mit einer Gabel mehrmals einstechen, den restlichen Zucker und Zimt überstreuen und mit der übrigen aufgelösten warmen Butter gleichmäßig besprenkeln. Zum Schluss die gehobelten Mandeln gleichmäßig auf dem Teig verteilen. Den Kartoffelkuchen bei 180 Grad etwa 25 Minuten backen, bis er goldbraun ist. Stäbchenprobe machen.

Guten Appetit!



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Von Veritatis

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