Von Kai Rebmann

„Wie auch Sodom und Gomorra und die umliegenden Städte, die gleicherweise wie diese Unzucht getrieben haben und nach einem andern Fleisch gegangen sind, zum Beispiel gesetzt sind und leiden des ewigen Feuers Pein. Desgleichen sind auch diese Träumer, die das Fleisch beflecken, die Herrschaft aber verachten und die Majestäten lästern.“ (Jud 7-8)

Der Judas-Brief (Judas = Bruder des Jakobus, nicht zu verwechseln mit Judas Iskariot) ist vielleicht nicht ganz zufällig das letzte Buch vor der Offenbarung. Die oben zitierten Worte aus eben dieser Schrift können als biblische Definition des Begriffs der Sodomie verstanden werden. Entstanden im späten ersten Jahrhundert nach Christus, war der Judas-Brief für die damaligen Adressaten etwas, das man heute wohl als Brandbrief bezeichnen würde. Das junge Christentum und seine Kirche – beide Begriffe konnten damals noch als Synonym verstanden werden – erlebten die erste handfeste Krise ihrer Geschichte, die nicht zuletzt durch die Eroberung Jerusalems durch die Römer im Jahr 70 manifestiert wurde. Was aber vor allem bemerkenswert ist: Die Mahnungen aus dem Judas-Brief an „die umliegenden Städte“ und „diese Träumer“ sind aktueller denn je und hätten auch gestern aufgeschrieben worden sein können.

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In diesen Tagen werden die letzten Weihnachtsbäume aus den deutschen Wohnzimmern geräumt. Die Geburt Jesu Christi, um die es an Weihnachten ursprünglich einmal ging, ist für viele – wenn überhaupt – nur noch ein Nebenaspekt. Waren die Gottesdienste bis vor nicht allzu langer Zeit wenigstens an Heiligabend noch gut besucht, so brechen immer mehr Gelegenheits-Kirchgänger inzwischen auch mit dieser Tradition. Der Grund dafür ist so einleuchtend wie ernüchternd: Von dem, was da vielerorts von der Kanzel gelassen wird, fühlt sich niemand mehr angesprochen geschweige denn überzeugt. Die Kirche macht sich mehr und mehr zum Erfüllungsgehilfen eines woken Zeitgeistes, der allem, wofür das Christentum steht, blanken Hohn spottet.

Pfarrer sorgt mit Weihnachtspredigt für Schnappatmung

Jetzt hat es in Görlitz (Sachsen) ein Pfarrer gewagt, diesem Trend entgegenzuwirken und zumindest an Heiligabend das uneingeschränkt gültige Wort Gottes zu verkünden. Der Benediktiner Joachim Wernersbach wandte sich mit einer aufrüttelnden Predigt an seine Zuhörer, deren wichtigste Passage wir im Wortlaut wiedergeben möchten:

„Es gibt so viele seltsame moderne Strömungen. Man hört von Gender und Transgender, von Transhumanismus und reproduktiver Gesundheit, von Wokeness und LGBTIQ, von Diversität und Identität, von multiplen Geschlechtern und Geschlechtsumwandlungen; dazu noch von diesem verheerenden neuen Offenbarungsverständnis des Synodalen Weges. Schon die Begriffe, meine Lieben, sind absolut befremdlich. Sie haben alle eines gemeinsam: Es fehlt ihnen an Schönheit, es fehlt ihnen an Stimmigkeit und es fehlt ihnen an Natürlichkeit! Es fehlt einfach der Wohlklang. Sie sind sperrig und bringen unsere Seele, unser Innerstes einfach nicht zum Schwingen. Sie sind nicht im Einklang, nicht in Harmonie mit der unvorstellbar schönen göttlichen Ordnung. Eine große Dissonanz ist über unser Land hereingebrochen.“

Und weiter: „Das nächste, was wir von diesem wunderbaren Ereignis in Bethlehem ableiten können, ist eben die Heiligkeit der Familie. Familie besteht aus Mann, Frau und Kind. Und dabei gab es auch damals schon so etwas wie Patchwork-Familien. Josef hatte ja nichts mit der Zeugung von Jesus zu tun. Maria und Josef hatten keine sexuelle Beziehung. Und das alles ist in den Augen Gottes vollkommen okay, solange das Familienprinzip – Mann, Frau, Kind – nicht infrage gestellt wird.“

Wie sehr der Geistliche mit seinen Worten punktgenau ins Schwarze getroffen hat, zeigen die hektischen Reaktionen, die diese Predigt in den sozialen Medien hervorgerufen hat. Aber leider nicht nur dort. Wer nun geglaubt hat, dass sich die Kirche und seine Heimatabtei in Tholey (Saarland) hinter Joachim Wernersbach stellen und dem unerschrockenen Theologen den Rücken stärken würden, musste sich einmal mehr eines Besseren belehren lassen. Wolfgang Ipolt, Bischof von Görlitz, bezeichnete die Predigt gegenüber der „Saarbrücker Zeitung“ als „unüberlegt und unverantwortlich“. Wernersbach habe damit viele Gläubige „vor den Kopf gestoßen“. Offen blieb, wie genau der Bischof den Begriff „Gläubige“ zu definieren gedenkt. Waren damit die anwesenden Gottesdienstbesucher gemeint, die wiedergeborenen Christen – oder die Jünger des woken Zeitgeistes, die in gewissem Sinne ja auch an irgendetwas glauben. Jedenfalls werde man den Kontakt mit dem Heimatkloster des Pfarrers suchen, so versicherte Ipolt, um „weitere Schritte einvernehmlich abzusprechen“.

Verkauft für ein bisschen woken Applaus

Im Saarland ist man unterdessen ebenfalls um mediale Schadensbegrenzung bemüht. Die Abtei der Benediktiner in Tholey teilte mit, dass man sich ausdrücklich gegen das von Wernersbach gezeichnete Menschenbild und dessen schöpfungsgeschichtliche Aussagen verwahre. Um dem Ganzen noch die Krone aufzusetzen, verstiegen sich die Benediktiner zu folgender Bewertung: „Die von unserem Mitbruder getroffenen Wertungen und fehlendes pastorales Einfühlungsvermögen widersprechen nicht nur der gesellschaftlichen Realität, sondern diskriminieren in vielfacher Hinsicht große Teile der Gesellschaft, etwa im Bild der Frauen, im Verständnis von Familie und auch gegenüber den queeren Mitmenschen sowie der LGBT-Gemeinde.“ Erste Konsequenzen wurden bereits gezogen: Die Benediktiner in Tholey haben Wernersbach zunächst „jede Art der pastoralen Tätigkeit im Umfeld des Klosters“ untersagt.

Und damit wären wir wieder bei Judas – dieses Mal jedoch bei Judas Iskariot. Dieser verkaufte seinen Meister einst für 30 Silberlinge. Am schnöden Mammon zeigt sich die katholische Kirche der Gegenwart freilich wenig interessiert. Erstens hat sie mehr als genug davon, und zweitens scheint das Einvernehmen mit dem Zeitgeist im 21. Jahrhundert zu einer sehr viel wichtigeren Währung geworden zu sein als alles andere. Es geht schließlich nichts über ein weichgespültes Evangelium für jedermann, oder? Und so wurde Joachim Wernersbach von seinen Brüdern im Glauben eben für ein bisschen Applaus aus der LGBTIQ-Blase an selbige verkauft. Wer solche Brüder hat, der braucht wahrlich keine Feinde mehr!

Zur Erinnerung: Jesus Christus ist in die Welt gekommen, um sich gerade gegen die damals vorherrschende „gesellschaftliche Realität“ zu wenden. Der Messias hat es sich geradezu zur Aufgabe gemacht, sich mit dem Mainstream anzulegen – aus keinem anderen Grund ist Gott vor etwas mehr als 2.000 Jahren Mensch geworden. Wenn uns die Geschichte eines gelehrt hat, dann dies: Sobald sich der Mensch, oder auch ganze Völker von Gott abwenden, führt dies zwangsläufig ins Verderben. So war es unter anderem während der Wirren des Dritten Reiches in Deutschland, und so zeichnet es sich auch in diesen Tagen wieder ab. Nicht weniger als das beschreibt der in Sachsen predigende Pfarrer aus dem Saarland, wenn er sagt: „Eine große Dissonanz ist über unser Land hereingebrochen.“ Oder anders ausgedrückt: Das biblische „Sodom und Gomorra“ ist zum Synonym für die westliche Welt der Gegenwart geworden!

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Kai Rebmann ist Publizist und Verleger. Er leitet einen Verlag und betreibt einen eigenen Blog.

Bild: Shuttserstock

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