Gestern habe ich hier darüber berichtet, wie ein übereifriger Schaffner zwei Frauen aus einem ICE schmeißen ließ, weil sie – allein in einem Abteil – beim Kaffeetrinken die Maske in seinen Augen zu lange abnahmen. Der Bahn-Mitarbeiter hatte die Frauen auch extra beobachtet – wie in einem schlechten Film. Die Bahn stellte sich hinter den übereifrigen Schaffner. Umso mehr freut mich, dass mir gestern ein Bahn-Mitarbeiter eine ganz andere Sichtweise schilderte. Die es in sich hat. Denn wie sich herausstellt, ist der Betriebsrat für den Fernverkehr in Berlin massiv gegen das Schikanieren der Fahrgäste. Der Bahn-Mitarbeiter schickte mir Fotos eines entsprechenden Aushangs – den ich aber als Text wiedergebe, um die Anonymität des Bahn-Mitarbeiters nicht zu gefährden. Ich freue mich nachträglich sehr, dass ich bei meiner Kritik an der Bahn gestern explizit die Mehrheit der Bahn-Mitarbeiter ausgenommen habe. Der Brief des Mitarbeiters und der Betriebsrat geben mir einen Stück Glauben an meine Landsleute zurück – mit denen bzw. deren Mehrheit ich gestern in meinem Artikel haderte.

Aber nun der Brief:

„Hallo Herr Reitschuster!

Erstmal ganz herzlichen Dank für Ihre Arbeit, die mir allein in den letzten 3 Jahren immer wieder gezeigt hat, dass ich nicht irre bin.


Der angesprochene Artikel ist reine Schande. Ich selbst arbeite als Lokführer im Fernverkehr. Ich schäme mich für solche hirnlosen Kollegen. Dennoch möchte ich Ihnen eine Mitteilung des Betriebsrats Berlin Fernverkehr zukommen lassen, die eine andere Sprache spricht. Denn dieser „Kollege“ ist eindeutig zu weit gegangen.

Viele liebe Grüße“

Und hier der Aushang des Betriebsrats:

„Liebe Kolleginnen & liebe Kollegen,

über die Sinnhaftigkeit der FFP-2-Maskenpflicht in unseren Zügen möchten wir uns an dieser Stelle gar nicht auslassen, denn hierzu dürfte größtenteils Konsens bestehen, dass dies eine sinnfreie Entscheidung der Regierung darstellt. Da es sich um eine Regelung mit Gesetzescharakter handelt, ist sie halt da.

Uns geht es in dieser Betriebsratsinformation darum, dass Ihr die Regelung an Bord der Züge NICHT umzusetzen habt.

Für die Umsetzung ist die Bundespolizei zuständig, ihr seid da völlig raus und müsst euch auch von Reisenden, welche die Umsetzung von euch einfordern, nicht dazu nötigen lassen.

Der Part der Zugbegleiterinnen und Zugbegleiter ist, per Ansagen an Bord auf die FFP-2-Maskenpflicht hinzuweisen.

Sollte es zu irgendwelchen Themen im Zusammenhang mit der Maskenpflicht kommen, könnt Ihr Euch gern auf uns berufen, wir sind für EUCH da.

BETRIEBSRAT“

PS: Leserkommentar zu diesem Beitrag:

Mein Reden als täglicher ICE-Fernpendler:

Es gibt eben schon lange auch die Zugbegleiter, die selbst in dieser Zwangsdurchsage anklingen lassen, was sie von dem Stuss halten. Das klingt dann etwa so:

„Und nicht, daß ich es noch vergesse: Unsere allseits geliebte Bundesregierung, speziell in Person des Herrn Lauterbach, hat per Gesetz vorgeschrieben, daß Sie Mund und Nase mit den neuartigen Mode-Accessoires namens FFP2-Masken verhüllen. Ich bedaure, daß ich dadurch Ihr Lächeln nicht sehen kann, und Sie auch nicht meines. Nehmen Sie es deshalb bitte in Form dieser Ansage entgegen!“ Woraufhin es immer Applaus aus den Sitzen gibt … 😄😂👍

Diejenigen, die selbst wenig haben, bitte ich ausdrücklich darum, das Wenige zu behalten. Umso mehr freut mich Unterstützung von allen, denen sie nicht weh tut!

Bild: Shutterstock

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Von Veritatis

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