Die pure Scham hielt mich bisher davon ab, über dieses Thema zu schreiben. Die Scham, darin versagt zu haben, selbst zu denken und das große Ganze zu erkennen, was mehr oder weniger meine Jobbeschreibung ist. Stattdessen folgte ich den Massen.

Im Jahr 2008 sanierte ich mein Haus. Es war hundert Jahre alt und schlecht gebaut. Die Isolierung und der Einbau effizienter Geräte waren zwar teuer, aber unkompliziert, und alles in allem traf ich gute Entscheidungen. Die schwierigste Frage aber warf damals die Heizung auf. Die Technologie, die einige Jahre zuvor am vielversprechendsten schien – Brennstoffzellen für Privathaushalte – stand noch nicht zur Verfügung. Heute sind Wärmepumpen für den privaten Bereich leichter zu haben. Damals waren sie extrem teuer und wurden in Großbritannien kaum eingesetzt. Damit blieben zwei Optionen: Gas oder Holz. Ich wollte mich von fossilen Brennstoffen unabhängig machen. Daher entschied ich mich für Holz.

Mit einigem Kostenaufwand baute ich drei Holzöfen und die für den Rauchabzug erforderlichen Stahlrohre ein. Das Holz kaufte ich vor Ort, bei einem mir bekannten Händler. Schon als die erste Lieferung kam, begann ich an meiner Entscheidung zu zweifeln: Sie bestand aus knorrigen, von Flechten überzogenen Ästen von einer vermutlich einstmals ehrwürdigen Eiche. Später hörte ich, dass angesichts steigender Preise für Feuerholz einige Unternehmer, die für die Freihaltung der Straßen zuständig sind, ihre Definition von unsicheren Bäumen erweiterten und großzügiger fällten. Anstatt also Bäume zu nutzen, die sowieso gefällt werden, beauftragte ich womöglich ökologische Zerstörung.

Dann merkte ich, dass ich beim Öffnen der Öfen husten musste und sie mein Asthma zu intensivieren schienen. Schlimmer noch: Wenn ich abends einen Ofen abschaltete, um weniger Wärme ins Haus zu bringen, stieg aus dem Schornstein eine Wolke aus schwarzem Rauch und Ruß auf. Ich wusste, dass das nicht gesund sein konnte, aber ging davon aus, dass es weniger schädlich sei als fossile Brennstoffe, insbesondere Automotoren.

Feinstaubpartikel im Holzrauch sind gefährlich

Heute weiß ich, zum großen Teil dank der Berichterstattung des Guardian-Umweltredakteurs Damian Carrington, dass ich nicht falscher hätte liegen können. Holzrauch ist erstaunlich schädlich. Obwohl nur acht Prozent der Haushalte in Großbritannien (zumeist wohlhabende) einen Holzheizofen haben, stoßen sie mehr Feinstaubpartikel (die gefährlichsten Schadstoffe) aus als alle Fahrzeuge auf den Straßen. Selbst ein moderner, geprüfter, „umweltfreundlicher“ Holzofen produziert 750 Mal mehr Feinstaubpartikel als ein LKW.

Es gibt einige Zahlen zu den Annahmen, wie viele Todesfälle durch Luftverschmutzung im Außenbereich verursacht werden: In England wird von zwischen 26.000 und 38.000 jährlich ausgegangen. Aber wir haben keine Daten zu den Auswirkungen von Luftverschmutzung in Innenräumen, an der Holzverbrennungsöfen in Haushalten, die sie haben, bei weitem den größten Anteil haben. Jedes Mal, wenn man die Ofentür öffnet, um Holz nachzulegen, wird das Zimmer mit winzigen Partikeln geflutet, begleitet von Giftstoffen, darunter Benzol, Formaldehyd und polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe. Dabei werden die Luftverschmutzungsrichtwerte der Weltgesundheitsorganisation weit überschritten.

Diese Giftstoffe können Auswirkungen auf jedes Organ im Körper haben. Winzige Partikel gelangen direkt durch die Lungen in den Blutkreislauf. Wo immer sie hängen bleiben, verursachen sie Schäden. Sie werden mit einem breiten Krankheitsspektrum von Krebs über Herz- und Lungenkrankheiten sowie Schlaganfall bis zu Demenz und dem Verlust der Intelligenz in Verbindung gebracht. Sie lassen unsere Haut altern und schädigen unsere Leber. Sie wirken sich negativ auf Föten im Mutterleib und die Entwicklung von Kindern aus. Besonders absurd sind Holzöfen in den Wohnungen von Leuten, die nur Bioprodukte kaufen, um die chemische Belastung ihres Körpers zu verringern. Holz als Brennstoff scheint im Einklang mit der „Natürlichkeit“ dieses Ansatzes zu stehen. Aber was wir für „natürlich“ halten, wobei wir den Begriff häufig in der Bedeutung von „althergebracht“ benutzen, ist nicht immer das Beste.

Holzöfen sollten verboten werden

Als mir die Tatsachen langsam klar wurden, hätte ich darüber schreiben sollen. Aber das hätte bedeutet, mir selbst gegenüber zuzugeben, welch teure, schlechte Entscheidung ich getroffen hatte. Stattdessen lebte ich noch weitere vier Jahre in diesem Haus und wurde stillschweigend zum Eisklotz, weil ich die Öfen oder die alte Gaszentralheizung nur selten nutzte. Ich bin heute davon überzeugt, dass der Verkauf von Holzöfen verboten werden und ihre Nutzung auslaufen sollte (mit Unterstützung für die sehr wenigen Leute, die keine alternative Heizungsquelle haben). Seien wir ehrlich: Würde vor allem die Arbeiterschicht Holz verbrennen, wäre es wahrscheinlich bereits verboten worden.

Heute wäre die Entscheidung in Sachen Heizung einfacher. Für dieselben Kosten könnte ich eine Luftwärmepumpe kaufen. Aber was hätte ich 2008 getan, wenn ich gewusst hätte, was ich heute weiß? Es gab keine guten Optionen. Aber die bessere Wahl wäre wohl gewesen, einen hocheffizienten Gasboiler einzubauen und ihn so sparsam wie möglich zu benutzen.

Selbst fossile Brennstoffe, so schrecklich ihre Auswirkung ist, sind weniger schädlich als das öffentliche Gesundheitsdesaster, zu dem ich beisteuerte und zu dem andere wohlmeinende Leute weiter beitragen. Wir haben uns selbst und anderen gegenüber die Pflicht, unsere Fehler einzugestehen.

George Monbiot ist Guardian-Kolumnist



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Von Veritatis

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