Von Kai Rebmann

Marco Buschmann (FDP) hat mit einer Rede zu den Ausschreitungen in der Silvesternacht in Berlin und zahlreichen anderen deutschen Städten für viel Aufsehen gesorgt. Der Bundesjustizminister habe die vor allem innerhalb der Union geführte „Vornamen-Debatte“ über die Herkunft der Tatverdächtigen ad absurdum geführt und für Lacher im Bundestag gesorgt. So zumindest wurden die Worte des Liberalen in gewohnter Weise durch die regierungstreuen Medien bewertet. Für jeden halbwegs kritischen Journalisten sollte dagegen auch bei einem nur flüchtigen Hinsehen bzw. Hinhören gut erkennbar sein, dass es sich hierbei nur um ein weiteres Ablenkungsmanöver handelt. Was nicht sein darf, das kann auch nicht sein und damit basta!

Weil zuletzt insbesondere die Berliner CDU mit ihrem Bürgermeisterkandidaten Kai Wegner an der Spitze immer wieder nachgebohrt hatte, um die Vornamen der „deutschen Tatverdächtigen“ doch noch in Erfahrung zu bringen, wandte sich Buschmann mit folgender Frage an die Abgeordneten des Bundestags: „Wissen Sie, wie mein Vorname lautet? Marco, mit ‚C‘ geschrieben. Macht mich das jetzt zum Kind italienischer Einwanderer?“ Das könne man zwar meinen, sei aber „Quatsch“, so der FDP-Politiker. Er habe zwar nicht vor, Straftaten zu begehen, aber wenn er doch irgendwann mal dabei erwischt werden sollte, dann mache ihn sein Vornamen nicht zum Mitglied eines sizilianischen Mafia-Clans. „Das ist doch offensichtlich Unsinn, was Sie da erzählen“, warf Buschmann der CDU vor.

Durchsichtiges Manöver

Ja, es stimmt schon, eine Schwalbe macht noch keinen Sommer. Wenn ganz Berlin in der Silvesternacht friedlich vor dem Brandenburger Tor gefeiert und auf das neue Jahr angestoßen hätte und es dabei zu einem (!) Angriff auf einen (!) Polizisten gekommen wäre, dann hätte es dieses Ereignis in der medialen Berichterstattung wohl kaum über die Grenzen der Hauptstadt hinaus geschafft. Und dann hätten weder CDU oder AfD noch die kritischen Medien eine Debatte über irgendwelche Vornamen entfacht. Denn egal, wie dieser auch gelautet hätte, er hätte weder Rückschlüsse auf die Herkunft noch – wie man uns inzwischen weiszumachen versucht – auf das Geschlecht erlaubt.

So war es aber leider nicht, und das weiß auch der Bundesjustizminister mit dem großen „C“ im Vornamen. Buschmann weiß aber noch mehr. Ihm dürfte durchaus bekannt sein, dass gewisse Vornamen seit Jahrzehnten „eingedeutscht“ und in der hiesigen Namensgebung durchaus üblich geworden sind. Diese lassen dann tatsächlich keinerlei Rückschlüsse auf irgendwelche Nationalitäten oder Herkunftsländer zu. Dazu gehören zum Beispiel: Marco, Luca, Maria, Jakob, Alexander und viele mehr. Nicht dazu gehören die meisten – um nicht zu sagen fast alle – Namen, die für gewöhnlich im „westasiatischen Kultur- und Sprachraum“ weit verbreitet sind.

Löst ein Tweet der Polizei das Rätsel?

Dann weiß Marco Buschmann noch etwas: Wenn sich unter, sagen wir 45 „deutschen Tatverdächtigen“ nur zwei-, von mir aus auch fünfmal, Namen wie Ahmed, Ibrahim oder Yussuf finden, könnte man dieser brisanten polit-gesellschaftlichen Debatte sofort den Nährboden entziehen. Und es ist durchaus anzunehmen, dass die fraglichen Vornamen der Silvester-Randalierer längst veröffentlicht worden wären – wenn sich dadurch Wasser auf die richtigen Mühlen hätte schütten lassen. Das zumindest legt ein Tweet der Bundespolizei Berlin vom 10. Januar 2023 nahe.

Am Tag zuvor waren bei entsprechenden Kontrollen an S-Bahnhöfen in Berlin und Brandenburg mehrere Schuss- und Stichwaffen sichergestellt worden, die sich offenbar illegal in den Händen ihrer Besitzer befanden. In der dazugehörigen Pressemeldung hatte die Polizei daraufhin von drei deutschen Tatverdächtigen gesprochen. Nachdem auch in diesem Fall, insbesondere in den sozialen Medien, die Frage nach den Vornamen laut geworden war, antwortete die Polizei via Twitter: „Weil uns die Frage nach den Vornamen der deutschen Staatsangehörigen (leider) sehr oft hier gestellt wurde, hier die Vornamen: Tim Oliver, Andre, Claus-Bernhard.“

Um Ironie handelt es sich dabei wohl eher nicht. Denn eine Polizeisprecherin erklärte dazu: „Wir gehen davon aus, dass dies mit der aktuellen politischen Debatte zu tun hat.“ Man habe daher keinen Grund gesehen, diese Frage nicht zu beantworten. Zumal die genannten Vornamen in diesem Fall ja passen. Welche Gründe dann aber gesehen werden, die Vornamen der Silvester-Randalierer nicht zu nennen, kann man freilich nur erahnen.

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Kai Rebmann ist Publizist und Verleger. Er leitet einen Verlag und betreibt einen eigenen Blog.

Bild: photocosmos1/Shuttserstock

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