Von Gert Ewen Ungar

Das Interview, das der russische Moderator Wladimir Solowjow mit dem US-amerikanischen Politiker, ehemaligen Marine und Pentagon-Mitarbeiter Richard Black führte, ist schon deshalb wichtig, weil in ihm Punkte diskutiert werden, die deutsche Medien sich weigern zu thematisieren. Natürlich ist zu erwarten, dass das Interview schon aufgrund der beiden Personen, die hier miteinander sprechen, in Deutschland diskreditiert wird. Black ist kein Freund der LGBT-Culture und hat sich mehrfach kritisch zum Thema geäußert.

Solowjows Blick auf den Westen ist von umfassender Skepsis gegenüber der dortigen Entwicklung getragen. Eine Skepsis, die man in Deutschland partout nicht hören, mit der man sich vor allem nicht auseinandersetzen will. Er gilt im Westen als “Einpeitscher Putins” und wurde aufgrund seiner Meinung sanktioniert. Die Sanktionen gegen Solowjow entspringen einer für den Westen typischen reaktionären Geisteshaltung: Alles, was nicht dem westlichen Narrativ entspricht, ist russische Propaganda und muss an der Verbreitung gehindert werden. Solowjow war schon früh mit Sanktionen belegt worden. Schon früh war damit deutlich gemacht worden, dass es mit den Sanktionen auch um die Unterdrückung von Meinungen und unterschiedlichen Sichtweisen geht, die dem Publikum in Deutschland und der EU vorenthalten werden sollen. Mit den umfassdenden Sanktionen gegen Journalisten, Medien und Medienschaffende nach dem 24. Februar 2022 hat sich diese Entwicklung hin zur Unfreiheit des kollektiven Westens beschleunigt. Der Westen versucht, Argumentation durch ein System aus Überwachung der richtigen Gesinnung und Ausgrenzung zu ersetzen.

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Das Thema, dem sich die beiden widmen, ist der Krieg in der Ukraine, der für Solowjow schon längst kein klassischer Stellvertreterkrieg mehr ist, in dem die Ukraine für die Interessen des westlichen Bündnisses gegen Russland kämpft, sondern ein Krieg der NATO gegen Russland. Der Krieg habe ein neues Niveau erreicht, stellt Solowjow angesichts des Bekenntnisses von EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen zu bedingungslosen Waffenlieferungen an die Ukraine fest.

Solowjow macht deutlich, dass “bedingungslos” alle Waffengattungen bis hin zu Atomwaffen umfasst – die Gefahr, die von den Worten von der Leyens für den europäischen Kontinent und die Welt ausgeht, ist offenkundig. Es ist verstörend, dass sich von der Leyen zu dieser Zusage bewegen ließ. Ihre deutsche Nationalität verleiht dieser Zusage in russischen Augen noch zusätzliche Brisanz.

In diesem Zusammenhang werden auch die geforderten Lieferungen von Leopard-2-Panzern durch Deutschland diskutiert. Aus Deutschland rollen wieder Panzer wieder gen Osten. Das sei nicht nur eine rote Linie, die Deutschland überschreite, das sei der Beginn eines Heiligen Krieges, konstatiert Solowjow.

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Black stellt entschuldigend fest, dass die Deutschen in ihrer Gesamtheit gegen die Lieferung von Panzern seien, allerdings sei Kanzler Olaf Scholz einem enormen Druck durch die USA ausgesetzt. Black vergisst dabei allerdings zu erwähnen, dass der Druck auch von den eigenen Koalitionspartnern kommt.

Unter anderem fordert sowohl Außenministerin Annalena Baerbock (Die Grünen) als auch die Vorsitzende des Verteidigungsausschusses Marie-Agnes Strack-Zimmermann (FDP) die weitere Eskalation des Konflikts durch die Lieferung von Leopard-Panzern. Die Beteuerungen, Deutschland würde dadurch nicht Konfliktpartei, ist naiv. In Russland gibt es immer mehr Stimmen, die Deutschland längst als Kriegspartei sehen.

Mit dem Statement Angela Merkels, es sei bei den Verhandlungen zu Minsk 2 nie um Frieden, sondern nur um den Gewinn von Zeit für die Aufrüstung der Ukraine gegangen, hat sich die Zahl derjenigen in Russland, die Deutschland als direkte Konfliktpartei sehen, sprunghaft erhöht. Die Enttäuschung von Merkel und der deutschen Regierung ist hier in Russland mit Händen zu greifen. Es gibt auch keine klaren, völkerrechtlichen Regeln, ab wann man zur Konfliktpartei wird, wie das in Deutschland immer wieder behauptet wird. Wenn Russland zu dem Schluss kommt, Deutschland sei Konfliktpartei, dann ist das gesetztes Faktum.

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Dabei, dieser Einschub sei erlaubt, handelt es sich bei den diskutierten Panzerlieferungen um einen lediglich symbolischen Akt. Die Lieferung von 40 Marder-Schützenpanzer bis Ende März ist angesichts der militärischen Realitäten in der Ukraine vernachlässigbar. Sie wird keinen Einfluss auf die Kampfhandlungen haben.

Das russische Verteidigungsministerium gibt mit Datum 22. Januar 2023 an, die Ukraine habe bisher über 7.600 Panzer und gepanzerte Fahrzeuge verloren. Auch diejenigen, die das für Propaganda und übertrieben halten, sollten sich vor Augen führen, wovon gesprochen wird. Selbst wenn es 1.000 oder 2.000 Einheiten weniger wären, machen die Zahlen das enorme Ausmaß der Materialschlacht in der Ukraine deutlich.

Die Lieferung von 40 Marder-Panzern ändert am Verlauf des Krieges nichts. Auch die Lieferung von Panzern des Typs Leopard wird daran nichts ändern. Die Bundeswehr verfügt über etwas mehr als 300 Exemplare. Und auch der Leopard ist keine germanische Wunderwaffe, die in Drachenblut gebadet hat. Der Leopard ist nicht unverwundbar. Vor dem Hintergrund des Geschehens in der Ukraine, den von Russland deutlich gezogenen roten Linien und der mangelnden Verfügbarkeit muss allen klar sein: Bei der Forderung nach deutschen Panzern geht es mit großer Wahrscheinlichkeit vor allem darum, Deutschland in einen Krieg mit Russland zu drängen.

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Auf den Mangel an der Verfügbarkeit einer nennenswerten Anzahl von Leopard-2-Panzern macht auch Black aufmerksam. Deutschland verfügt aktuell gar nicht über die Ressourcen, nennenswerten Einfluss auf die militärische Entwicklung zu nehmen. In Berlin werden die eigenen Fähigkeiten und das eigene Potenzial hoffnungslos und in für alle gefährlicher Weise überschätzt.

Die Materialschlacht fordert nach Black auch eine große Zahl an Opfern vor allem unter den ukrainischen Soldaten. Das kann die Ukraine nicht lange durchhalten, ist seine unmittelbar verständliche These. Die Bilder von Zwangsrekrutierungen in der Ukraine, die derzeit in den sozialen Netzwerken kursieren, stützen sie. Black schätzt die Opferzahl der Ukraine unter Bezugnahme auf den Militärstrategen und ehemaligen Colonel der US-Armee Douglas Macgregor auf aktuell 150.000 Personen.

Die Zahl der Verluste der Ukraine sei wesentlich höher als die Verluste Russlands. Das liege an einer unterschiedlichen militärischen Strategie. Russland agiere insgesamt überlegter und rationaler, führt Black aus. Der Rückzug aus Cherson beispielsweise sei einer strategischen Überlegung geschuldet gewesen. Black gerät beinahe ins Schwärmen. Der Rückzug sei hervoragend und mit großer Präzision durchgeführt worden. Zuerst die Zivilisten, die zu schüzen gewesen seien, dann das Militär. Der Rückzug fand unter Vermeidung von Opfern statt, es sei zudem keinerlei Material und Ausrüstung zurückgelassen worden.

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Black ist sich sicher, dass der Rückzug der russischen Armee aus Cherson aufgrund seiner Exzellenz in Durchführung und Planung zum Unterrichtsmaterial für die Ausbildung künftiger Soldaten wird. Russland sei bereit, Land zu opfern, um Menschenleben zu retten. Die Ukraine dagegen ist bereit, eine große Zahl an Soldaten zu opfern, um Geländegewinne zu erzielen. Es sei die entgegengesetzte Strategie und vor allem wenig nachhaltig.

Gefragt nach einer Prognose für den weiteren Verlauf, meint Black, eine konkrete Vorhersage sei schwierig, denn die Entwicklung hänge von vielen Faktoren ab. Militärisch sieht Black jedoch die Ukraine in der Zange von gleich drei großen Heeresverbänden: einem in Weißrussland, einem weiteren im Süden und einem dritten im Osten. Sie seien bereit für den Einsatz. Sie könnten zeitgleich oder zeitlich versetzt eingesetzt werden. Black sieht Russland deutlich im Vorteil. Die russische Armee ist auf dem Schlachtfeld in allen Bereichen überlegen, wird aus den Ausführungen Blacks deutlich.

Was den weiteren Verlauf angeht, seien jedoch auch noch andere Faktoren zu beachten. In der Ukraine werden Menschen angesichts der Verluste und der andauernden Mobilisierung panisch. Zwar sind auch Russen angesichts der Mobilisierung ins Ausland gegangen, mein Black, aber sie kommen zum großen Teil wieder zurück. Die Ukrainer, die sich jetzt im Westen aufhalten, versuchen mit ihrer Flucht, der Einberufung zu entgehen. Sie kehren nicht in ihre Heimat zurück, weil sie genau wissen, dass sie dann unmittelbar an die Front geschickt werden und ihr Schicksal dort mehr als ungewiss ist. Wichtig für die Abwägung seien auch eine sich einstellende Kriegsmüdigkeit und selbstverständlich ökonomische Faktoren.

Insgesamt jedoch ergibt sich aus dem Gespräch, dass sich die Aussichten für Russland deutlich positiver darstellen als für die Ukraine und den hinter ihr stehenden kollektiven Westen. Klar ist: Russland hat das Potenzial, die Eskalation des Westens noch weit mitzugehen. Die Ukraine hat diese Fähigkeit nicht.

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Am 24. Februar kündigte der russische Präsident Wladimir Putin an, gemeinsam mit den Streitkräften der Donbass-Republiken eine militärische Spezialoperation in der Ukraine zu starten, um die dortige Bevölkerung zu schützen. Die Ziele seien, die Ukraine zu entmilitarisieren und zu entnazifizieren. Die Ukraine spricht von einem Angriffskrieg. Noch am selben Tag rief der ukrainische Präsident Wladimir Selenskij im ganzen Land den Kriegszustand aus.

Der Westen verurteilte den Angriff, reagierte mit neuen Waffenlieferungen, versprach Hilfe beim Wiederaufbau und verhängte Sanktionen gegen Russland.

Auf beiden Seiten des Konfliktes sind zahlreiche Soldaten und Zivilisten getötet worden. Moskau und Kiew haben sich gegenseitig verschiedener Kriegsverbrechen beschuldigt. Tausende Ukrainer sind mittlerweile aus ihrer Heimat geflohen.





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Von Veritatis

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