Alina Saha ist Online-Redakteurin des Freitag. Neben Umwelttthemen schreibt sie abwechselnd mit Dorian Baganz, Özge İnan, Elsa Koester und Tadzio Müller die Kolumne „Super Safe Space“.

Es gibt Dinge, auf die man sich in Deutschland besser vorbereitet. Vor allem als Person, die biologisch die Möglichkeit hat, schwanger zu werden. Das wäre nicht so schlimm, wenn Abtreibungen in Deutschland legal und einfach zu bekommen wären. Noch sind sie lediglich bis zur zwölften Woche nach der Befruchtung straffrei.

Doch bereits das Zeitfenster ist knapp: Das allerfrüheste Datum dafür, zu checken, ob man schwanger ist, ist drei Wochen nach dem Eisprung, also wenn die Periode schon eine Woche ausgeblieben ist. Und wenn die Regel unregelmäßig kommt, sogar vier Wochen. Im Fall einer ungewollten Schwangerschaft kann ich nicht einfach meine Gynäkologin anrufen und sagen: „Ich bräuchte bitte einen Akuttermin. Da hat sich ein loser Zellhaufen in meiner Gebärmutter eingenistet. Ich würde den gerne entfernen lassen.“

Also mache ich Prophylaxe für den Ernstfall: Denn selbst in Berlin ist es nicht mehr so einfach, einen Abbruch zu bekommen. Zwar gibt es eine ganze Liste mit Beratungsstellen, die die „Schwangerschaftskonfliktberatung“ anbieten. Jedoch müssen diese immer häufiger Schwangere wegschicken, da ihnen die finanziellen Mittel gekürzt wurden. Aber warum überhaupt „Konflikt“? Freiwillige Beratung kann ich verstehen, aber dass ich mir zwingend „Lösungen“ anhören muss, fühlt sich sehr nach einer Entmündigung an.

Die Beratung dient in Deutschland juristisch dem „Schutz des ungeborenen Lebens“, und so wird das Gespräch in eine klare Richtung gelenkt: Der Abbruch ist falsch. Soll heißen: Bitte trag diesen Zellhaufen bis zur Menschwerdung aus und kümmere dich dann drum, auch wenn du das gar nicht willst.

Die Versorgung mit Praxen ist bundesweit sehr unterschiedlich

Ich habe aber bereits vor Jahren entschieden, dass ich kein Leben gebären möchte. Also danke für das Verlesen Ihres mangelhaften Angebotskatalogs, aber ich nehme trotzdem eine Abtreibung. Damit die Agitation vielleicht doch noch wirkt, müsste ich nach der Beratung noch drei Tage warten, bis ich abbrechen darf.

Erstes Ergebnis meiner prophylaktischen Recherche ist also: Den Beratungstermin so früh wie möglich vereinbaren, um dann sofort einen Termin für den Abbruch auszumachen. Dank gekipptem „Werbeverbot“ ist es wenigstens leichter, Praxen zu finden, die Abbrüche anbieten. Unter anderem stellt der Berliner Senat eine Liste zur Verfügung. In anderen Regionen sieht es allerdings deutlich schlechter aus. Meine Mütter wohnen in einem Dorf am Niederrhein, schon zur Beratung müsste ich eine Stunde mit dem Zug in die nächste Großstadt fahren.

Besonders schlecht ist die Versorgung in Bayern. Der „Mehr als du denkst“-Kampagne zufolge gibt es in dem Bundesland ungefähr 6,5 Millionen Frauen und nur acht Praxen oder Kliniken, die offiziell Abbrüche vornehmen. Die Hälfte davon in München.

Selbst wenn das mit den Terminen geklappt hat, müssen sich Schwangere den Abbruch finanziell leisten können. Mit 350 bis 600 Euro ist dieser kurze Eingriff oder die Einnahme von zwei bis drei Tabletten zu Hause ziemlich teuer. Wer wenig verdient, kriegt die Kosten erstattet.

Das muss allerdings bei der Krankenkasse beantragt werden. Maximal zwei Tage Bearbeitungszeit sind dafür vorgesehen. Aber wenn nur eine Unterlage fehlt, könnte es wieder länger dauern. Lauter Ungewissheiten in einer Situation, in der die Zeit drängt.

Scheint fast, als würde der Staat die Konflikte einer ungewollten Schwangerschaft selbst künstlich erzeugen.





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Von Veritatis

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