Man kommt sich vor in diesen Tagen, als ob man Geschichte im Livemodus erlebt. Nein, ich hüte mich vor Gleichsetzungen. Aber vergleichen darf man alles und jeden. Man muss es sogar. Und was wir aktuell erleben, ist ein Totalitarismus im neuen Gewand. Mit großen Unterschieden zum klassischen Totalitarismus auf der einen Seite. Aber mit einer Denkweise, die kaum minder totalitär ist. Neudeutsch könnte man sie auch als „Haltung“ bezeichnen – wobei es schade um diesen eigentlich sehr guten Begriff ist, der missbraucht wurde. Denn Haltung im klassischen Sinne, so wie wir sie früher kannten, sollte eigentlich jeder zeigen.

An ihre Stelle ist ein ständiger vorauseilender Gesslerhut-Gruß getreten. Für die Jüngeren oder weniger belesenen: Im ersten Akt von Friedrich Schillers „Wilhelm Tell“ ließ der gefürchtete Reichsvogt Gessler einen Hut aufstellen. Den musste jeder Vorbeikommende grüßen – also Männchen machen. Weil Wilhelm Tell nicht grüßte, wurde er gezwungen, auf einen Apfel zu schießen, den sein Sohn auf seinen Kopf legen musste.

Heute führen viele den Gesslerhut-Gruß – neudeutsch: „Haltung“ zeigen – freiwillig und aus bester Überzeugung aus. Viele mit an Fanatismus grenzendem Übereifer. Andere wiederum in vorauseilendem Gehorsam. Eine Unterscheidung ist schwer.

Die jüngsten Beispiele: Einen doppelten Gesslerhut-Gruß legen der Mobilfunkanbieter Congstar und RTL Hand in Hand hin. Auf Instagram fordert das Unternehmen Kunden, die seine “Werte“ nicht teilen, zur Kündigung auf. Mit anderen Worten: Die Manager wollen nur Gleichgesinnte und keine Andersdenkenden unter ihren Kunden.

Congstar agiert mit dem üblichen Gesslerhut-Narrativ: Wir glauben an Vielfalt und Demokratie. Und wem das nicht passt, der kann gerne gehen“, heißt es im Text des Unternehmens. Und weiter:

„Denn wir haben keinen Bock auf Hass und Hetze, auf Diskriminierung und auf Demokratiefeindlichkeit“.

Ich sehe das genauso wie das Unternehmen. Nur dass ich finde, dass Congstar hier Vielfalt und Demokratie pervertiert und „Diskriminierung und Demokratiefeindlichkeit“ betreibt.

Und dass Congstar zudem heuchelt – denn es ist eine reine Show, ein Gesslerhut-Gruß eben – denn natürlich kann niemand seine Kunden durchgängig einem Gesinnungstest unterziehen. Zumindest noch nicht. Doch wir nähern uns сhinesischen Verhältnissen, dann wäre dies möglich.

RTL ist von der Aktion begeistert. „Jetzt greift der erste Mobilfunkanbieter knallhart durch!“ titelt der Privatsender, kaum eine Hehl machend aus seiner Sympathie. Und zitiert in seinem Text begeisterte Reaktionen von anderen Instagram-Nutzern in den Kommentaren. Auch andere Medien wie etwa „Watson“ machen aus ihrer Freude kaum einen Hehl. Das Portal titelt: „Congstar setzt deutliches Statement ab: ‚Kein Bock auf Rassist*innen‘“.

Dass heute alles und jeder, der nicht die nötige Begeisterung für den rot-grünen Zeitgeist aufbringt, einen Rassismus-Vorwurf fürchten muss, wird natürlich nicht einmal ansatzweise erwähnt in den Texten. RTL zitiert begeisterte Kommentare und solche, denen die Aktion noch nicht weit genug geht – aber keinen einzigen, der sich an der Aktion stößt.

Besonders brisant: Congstar ist ein Unternehmen der „Deutschen Telekom“, die wiederum direkt (zu 14,5 Prozent) und indirekt über die KfW (zu 17,5 Prozent) zu einem großen Teil im Staatsbesitz ist.

Und die Show des Unternehmens ist bizarr. Brav gegendert schreibt es: „Kund*innen, die unsere Werte von Freiheit und Demokratie nicht teilen, können die Kündigung über die bekannten Vertriebswege vornehmen: telefonisch beim Serviceteam unter 0221 79 700 700, über das Kündigungsformular auf www.congstar.de, über das meincongstar Konto oder auf dem Postweg. Ein Sonderkündigungsrecht gibt es derzeit nicht.“

Eine Nutzerin auf Instagram kommentierte das so: „Sorry congstar, aber wenn es Euch so wichtig wäre, warum dann kein Sonderkündigungsrecht?????? Wäre der schnellste Weg, die von Euch nicht erwünschten Kunden loszuwerden !!! Also steht das wirtschaftliche Interesse doch im Vordergrund?????“

 Auf Nachfrage von RTL erklärte Congstar dazu mit einer Pervertierung der Logik, wie man sie aus autoritären Regimen kennt: „Wir haben im Vorfeld verschiedene Möglichkeiten der Kündigungen ganz offen besprochen und uns ganz bewusst dafür entschieden (auch im Sinne unseres Markenversprechens „Für mehr fair“), kein Sonderkündigungsrecht einzuräumen. Denn wir würden sonst den Kund*innen, die unsere Werte von Freiheit und Demokratie nicht teilen, aus Sicht aller anderen Kund*innen einen Vorteil einräumen.“

Doch Congstar, die Telekom und RTL sind heute nur die Spitze des Eisberges, was den Gesslerhut-Gruß angeht.

Beim inoffiziellen Wettbewerb um den untertänigsten und tiefsten Gruss machen ihnen der „Stern“ und viele Prominente Konkurrenz. Der aktuelle Titel des Hefts, dessen Auflage im freien Fall ist: „Nicht mit uns. „Von Helene Fischer über Udo Lindenberg bis zum Volkswagen-Chef: ein Aufruf zum Kampf gegen die Feinde unserer Demokratie. PLUS: 10 Vorschläge, wie der Aufstieg der AfD gestoppt werden“.“

Ohne etwas gleichsetzen zu wollen, sind doch die Mechanismen erschreckend ähnlich: Wieder lassen sie sich verführen. Wieder marschieren sie im Gleichschritt. Wieder halten sich für die Guten: Wieder halten sie die, die anderer Meinung, gegen Regierung und Zeitgeist oder gegen eine experimentelle „Impfung“ sind, für Ketzer/Volksfeinde/Klassenfeinde.

Ich hätte nie gedacht, dass ich diese Mechanismen eimal selbst in meinem eigenen Land miterleben muss.

Es ist gruselig.

Vor allem, weil man nicht weiß, wie weit sie diesmal gehen werden.

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Habeck dechiffriert: Hass und Hetze vom Vizekanzler in seiner Rede zu den Bauer-Protesten.


Bilder: Screenshot Youtube-Video congstar

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Von Veritatis

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