Die wichtigste Nachricht aus ihrem neuen Deutschlandtrend versteckt die „Welt“ im Kleingedruckten. 60 Prozent haben demnach die Sorge, dass man „ausgegrenzt wird, wenn man bei bestimmten Themen seine Meinung sagt“. Dazu schrieb mir ein guter ausländischer Freund, der mich auf die Umfrage aufmerksam gemacht hat: „Wenn zwei Drittel der Deutschen glauben, dass sie nicht sagen dürfen, was sie in Wirklichkeit denken, dann ist der Wert solcher Umfragen bei Null.“

Womit der Freund in meinen Augen recht hat. Und was die „Welt“, die diese Umfrage gemeinsam mit der „Tagesschau“ der ARD bei Infratest Dimap in Auftrag gegeben hat, thematisieren müsste. Und zwar groß. Aber sowohl die Zeitung aus dem Springer-Verlag als auch der gebührenfinanzierte Sender – was für eine Kooperation – ignorieren dieses hochbrisante Paradoxon der Umfrage.

Das musste vorausgeschickt werden, um die restlichen Ergebnisse richtig einzuordnen. Und die Überschrift: „Deutschlandtrend: AfD sackt ab – aber weniger Deutsche halten sie für rechtsextrem.“

Als ich diese Überschrift las, dachte ich an einen Absturz der AfD – also einen Verlust der Hälfe oder zumindest einen Drittel der Wählerstimmen, was bei ihren letzten Werten auf etwa elf Prozentpunkte hinauslaufen würde. Doch siehe da – es sind nur drei Prozentpunkte minus im Vergleich zum Vormonat. Von 22 auf 19 Prozent. Das entspricht genau der Fehlertoleranz der Umfrage. Also ist die Aussagekraft sehr beschränkt.

Wobei man noch dazurechnen muss, dass 60 Prozent sich nicht trauen, zu sagen, was sie denken. Und dass nach der massiven Hetze der vergangenen Wochen sich wohl noch mehr Menschen als zuvor nicht trauen, sich einem Umfrage-Institut gegenüber als AfD-Wähler zu outen. Unter Berücksichtigung all dieser Faktoren wäre die ehrliche Überschrift nicht „Absturz der AfD“, sondern genau die umgekehrte: „Skandalisieren perlt an AfD ab.“

Aber das würde natürlich der Intention der Journalisten diametral widersprechen.

Spannend ist auch ein zweiter Faktor, der bei der Umfrage herauskam. Zitat aus der „Welt“: „Die AfD verliert zwar an Zustimmung. Aber das Bedürfnis nach inhaltlicher Auseinandersetzung mit ihren Themen wächst.“

Das bedeutet: Die Kampagne des polit-medialen Komplexes gegen die Partei war ein massives Eigentor. Denn sie half, ihre Themen bekanntzumachen und in den Fokus zu rücken – wie etwa das Thema Abschiebungen.

Bezeichnend ist, wie in dem „Welt“-Artikel geframt wird. Da ist die Rede von einer „Verstrickung“ der AfD „in rechtsextreme Pläne für eine millionenfache Remigration“, die auch deutsche Staatsbürger mit Migrationshintergrund betreffen soll. Manipulation pur.

Doch zumindest eine Schwerpunktsetzung der Kampagne verfängt. Zumindest, wenn man der Umfrage glauben schenken will. 39 Prozent der Bundesbürger betrachten demnach Rechtsextremismus und Rechtspopulismus aktuell als größte Gefahr für die Demokratie hierzulande – ein Plus von 19 Prozent im Vergleich zum Oktober 2022.

Was für eine Nebelkerze. Und was für eine gelungene Ablenkung von dem faktischen rot-grünen Umsturz, den dieses Land seit Merkel erlebt. Doch immerhin: Auch 39 Prozent, die der Legende auf den Leim gehen, sind keine Mehrheit.

Eine solche – rund drei Viertel – äußern demnach Verständnis für die landesweiten Demonstrationen und werten es als gutes Zeichen, dass so viele gegen Rechtsextremismus auf die Straßen gehen. Wenn man dem Glauben schenken will – ich tue es nicht – durchschaut aber immer noch jeder vierte Bürger die Inszenierung. Oder nach anderer Lesart fast jeder zweite: 44 Prozent glauben, dass die Demonstrationen von den eigentlichen Problemen im Land ablenken.

Merkwürdig ist auch, dass angeblich 39 Prozent Rechtsextremismus und Rechtspopulismus aktuell als größte Gefahr für die Demokratie sehen – zugleich jedoch eine „falsche“ und „abgehobene Politik“ nur elf Prozent. Aber das sind immerhin sieben Prozentpunkte mehr als vor einem Monat. Auch hier spielt die Zeit gegen Rot-Grün.

Ebenfalls interessant: Die Kampagne gegen die AfD führt bei der Kernanhängerschaft zu Solidarisierungseffekten, so die „Welt“: 51 Prozent der AfD-Anhänger können sich demnach nicht vorstellen, „in den nächsten Jahren wieder eine der anderen Bundestagsparteien zu wählen“. Das sind zwölf Prozentpunkte mehr als im September 2023.

66 Prozent der AfD-Anhänger sagen, es sei ihnen egal, „dass die AfD in Teilen als rechtsextrem gilt, solange sie die richtigen Themen anspricht“ – dieser Wert ging allerdings um 14 Prozent zurück, so das Blatt.

Insgesamt halten der Umfrage zufolge 66 Prozent der Bevölkerung die Partei für rechtsextrem – sechs Prozentpunkte weniger als im Vormonat. Auch das ist erstaunlich – hatten sich die Initiatoren der Kampagne doch sicher eine gegenteilige Entwicklung erhofft. 47 Prozent sagen, dass die AfD zwar keine Probleme löse, die Dinge aber wenigstens beim Namen nenne. Was eine Opposition tun soll. Wobei die Union versagt – die als Opposition übrigens ebenso wenig Probleme lösen kann.

43 Prozent finden es gut, „dass die AfD den Zuzug von Ausländern und Flüchtlingen stärker begrenzen will als andere Parteien“, so die „Welt“. Interessant ist auch, dass nur 37 Prozent ein Verbotsverfahren gegen die AfD für „angemessen“ halten. Die ARD-Tagesschau macht daraus die Überschrift „Knappe Mehrheit gegen AfD-Verbotsverfahren“. Klassisches Framing – ich hätte die Überschrift „Nur rund ein Drittel für AfD-Verbotsverfahren“ für ehrlicher gehalten.

Knapp die Hälfte, 48 Prozent, sind für die Streichung der staatlichen Parteienfinanzierung. Fast eine Zweit-Drittel-Mehrheit – 65 Prozent – fände es angemessen, wenn die übrigen Bundestagsparteien „eine stärkere inhaltliche Auseinandersetzung mit der AfD“ suchen würden.

Vereinfachend zusammengefasst könnte man sagen: Die Kampagne gegen die AfD ist insgesamt gescheitert und hat in Teilen das Gegenteil dessen erreicht, was beabsichtigt war.

Auch wenn man der Umfrage skeptisch gegenüber steht wie ich – da eine eventuelle Verzerrung sicherlich nicht zu Gunsten der AfD ausgefallen wäre, kann man diese Erkenntnis als relativ erhärtet annehmen.

Wie realistisch es ist, dass der Klimawandel mit 61 Prozent angeblich an Nummer eins der Sorgenskala liegt, sei dahingestellt. Insbesondere, wenn sich um den Lebensstandard nur 53 Prozent sorgen, nur 52 Prozent Angst haben, dass „zu viele fremde Menschen nach Deutschland kommen“, und ein möglicher Verlust „der deutschen Kultur und Sprache“ nur 50 Prozent umtreibt.

Bei solchen Themen ist entscheidend, wie die Fragen gestellt werden. Hier waren offensichtlich Mehrfach-Antworten erlaubt, und diese verzerren die Relationen, weil sicherheitshalber viele eben auch beim Klimawandel ein Kreuzchen machen, wenn sie ihre Sorgen benennen sollen.

Für den Deutschlandtrend wurden laut „Welt“ vom 29. bis 31. Januar 2024 insgesamt 1303 Wahlberechtigte in Deutschland in 776 Telefoninterviews und 527 Online-Interviews befragt. Die Fehlertoleranz liegt zwischen zwei und drei Prozentpunkten. Also genau die drei Prozentpunkte, die jetzt bei der AfD angeblich fehlen.

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Von Veritatis

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