Wer kennt ihn nicht: Diesen Moment, wenn man den Kühlschrank öffnet und entweder kaum etwas oder nicht „das Richtige“ darin ist. Es folgt Ernüchterung. Während Menschen in den nächsten Supermarkt gehen und Nachschub kaufen können, müssen unsere einheimischen Wintervögel ihre Runden durch die Natur drehen.

Gerade im Winter kann die Futtersuche leicht zu einer Odyssee werden: Kein Käfer brummt, keine Fliege summt und Gräser sind auch nur die vom Vorjahr da. Wie schön ist es jedoch dann, wenn man zum „Fly-In“ hilfsbereiter Tierfreunde kommen kann und dort etwas zu fressen findet. Aber auch da können die gefiederten Freunde manchmal in die Röhre schauen: Nämlich, wenn nicht das passende Futter im Häuschen liegt.

Die größte Ernüchterung herrscht regelmäßig bereits gegen Mittag, wenn die Meisen feststellen müssen, dass sie die am Morgen aufgefüllten Erdnüsse schon wieder aufgefuttert haben. Ein trauriger Blick durch das Fenster reicht, um mein Herz zu erweichen.

Ohne Blaulicht und Sirene, aber dafür mit einer Schale voller Erdnüsse kommt der Lieferservice auf zwei Beinen und füllt wieder nach – das reicht schätzungsweise für weitere drei Stunden. Dabei mangelt es ihnen an nichts, denn Vogelknödel und die „Badewanne“ mit dem Winterfutter sind auch noch da.

Wintervögel: Von A(msel) bis Z(aunkönig)

Prinzipiell sollte eine Vielfalt von Vogelfutter für die gefiederten Tiere vorbereitet werden, denn die Liste der Wintervögel in Deutschland ist lang. So zählten im Rahmen der „Stunde der Wintervögel 2024“ des NABU Anfang des Jahres 130.454 Vogelfreunde in 90.301 Gärten 3.162.064 Vögel von 161 Arten. Absoluter Spitzenreiter der Zählung ist – erneut – der Haussperling, dicht gefolgt von Kohlmeise und Blaumeise.

Ebenfalls zu den Top Ten der deutschen Wintervögel zählen mit absteigender Platzierung: Amsel, Feldsperling, Elster, Buchfink, Grünfink, Rotkehlchen und Ringeltaube.

Deutlich seltener ließen sich dagegen Altbekannte wie Star, Buntspecht, Erlenzeisig, Eichelhäher, Kleiber, Gimpel, Schwanzmeise, Goldammer, Tannenmeise, Kernbeißer, Grünspecht oder Haubenmeise zählen. Auch Greifvögel wie Mäusebussard, Turmfalke oder Sperber sind auf den Plätzen 41, 44 und 45 nicht die häufigsten Gäste. Eulen (Platz 91) und Adler (Platz 104) lassen sich noch seltener blicken.

Zippammer, Schwarzstorch, Schneesperling, Weißrückenspecht und Wiedehopf wurden jeweils nur einmal gezählt. Wer sich noch besser versteckt hat, taucht in der Zählung gar nicht auf. Stellt sich noch eine Frage: Wer frisst jetzt wen – oder was?

Von A(llesfresser) …

Als besonders anspruchslos gelten Sperlinge und werden deshalb gern als „Allesfresser“ bezeichnet. Weder Nüsse noch Samen, Beeren oder Insekten werden von diesen wohlgeformten Raumwundern verschmäht. Da diese dann zusätzlich noch in Scharren auftreten, liegt das Esstempo bei einem Körnchen pro Sekunde – mindestens.

Den zahlreich vorhandenen Meisenarten – Blau-, Kohl-, Tannen-, Hauben-, Sumpf- oder Schwanzmeise – schmecken dagegen Samen und zerkleinerte Nüsse am besten. Auch diese kommen mehr oder minder mit ihrer ganzen Familie vorbei und bedienen sich nacheinander am dargebotenen Futter.

Für Finken und Kleiber dürfen es gern Bucheckern, Sonnenblumenkerne und ebenfalls gehackte Nüsse sein. Während beispielsweise Buchfinken vor allem den Boden nach Essbarem absuchen, kommen Grünfinken und Kleiber gezielt zum Futterhäuschen. Letztere haben sich den Spitznamen „Flughamster“ verdient, da sie gut und gern zwei bis drei Körnchen auf einmal in den Schnabel nehmen und sich dann mit ihrer Beute davonmachen.

Sie ist das Schwarze Loch der Wintervögel: die Amsel. Wenn diese Vögel einmal all ihren Mut zusammen genommen haben und sie das Futterhäuschen entern, dann öffnet sich der Schnabel wie ein dreiflügeliges Scheunentor und nach und nach verschwindet das Futter im Eiltempo. Äpfel, Rosinen, getrocknete Beeren, Haferflocken, Sonnenblumenkerne, andere Sämereien oder gehackte Nüsse. Nichts ist vor ihnen sicher.

Erstaunlich häufig ist auch diese Berühmtheit am Futterplatz zu sehen: der Star. Bereits Mitte Januar können die ersten Tiere aus dem Urlaub in den Südstaaten zurück sein und sich in ihrem schillernden Prachtkleid zeigen. Auch Stare sind relativ anspruchslos in der Futterwahl, allerdings bereiten ihnen Insekten wie Mehlwürmer oder Samen die größte Freude.

… bis Z(imperling)

Ein wahres Versteckspiel beim Essen betreibt gern der Buntspecht, denn er ist eher ein scheuer Besucher des Futterhäuschens. Doch ein großer Vogelknödel mit Insekten und kleineren Nüssen oder ein Haufen halber Erdnüsse lockt auch ihn aus den Wäldern hervor. Bei seiner Größe – rund 23 Zentimeter lang und bis zu 40 Zentimeter Flügelspannweite – machen fast alle anderen Vögel freiwillig Platz.

Noch schüchterner ist die Goldammer in ihrem fröhlichen, sonnengelben Federkleid. Sie beäugt die Futterstelle häufig eine längere Zeit aus sicherer Entfernung und sucht schließlich den Boden um das Futterhäuschen nach Samen ab.

Der nächste Liebhaber von Sämereien ist die Heckenbraunelle. Auch wenn diese auf dem ersten flüchtigen Blick einem Sperling ähnelt, ist sie deutlich wählerischer als ein Spatz. Außerdem tritt sie häufig allein oder in kleineren Gruppen auf und sucht ihre Nahrung bevorzugt ebenfalls auf dem Boden. Gelegentlich ergänzen sie ihren Speiseplan aus Sämereien um getrocknete Beeren.

Ein Genießer, der bevorzugt den Boden nach Nahrung absucht, ist das Rotkehlchen. Dieses hat einen vielfältigen Speiseplan und frisst gern kleingehackte Nüsse, Getreideflocken, Sämereien, Mehlwürmer oder Rosinen.

Ausdauer am Futterhäuschen

Sollten Sie gröberes Vogelfutter besitzen, dann ist der Kernbeißer ihr Kandidat für die Futtervertilgung. Aufgrund seines imposanten Äußeren wird er häufig zum König der Finken geadelt – wobei unser hiesiges Exemplar vermutlich eher den Titel Kaiser verdient hat. Weder Sonnenblumenkerne noch andere Sämereien oder Bucheckern waren vor ihm sicher.

Mit einer tiefen inneren Ruhe besetzte er wortwörtlich stundenlang die Futterschüssel – zum Entsetzen der Meisen und Spatzen. Waren einige Vögel aber so mutig und haben sich während seines Futterbades an den Körnchen bedient, interessierte dies den Kernbeißer nicht. Ganz ohne Streit oder Futterneid ließ er auch andere Vogelarten am Futter teilhaben.

Neben den genannten Wintervögeln sind außerdem Eichelhäher zu dieser Jahreszeit anzutreffen. Er frisst am liebsten ganze Erdnüsse, Eicheln oder Maiskörner. Der Gimpel oder Dompfaff verspeist gern Sämereien und Beeren, während Zaunkönig, Grünspecht, Waldbaumläufer und Wintergoldhähnchen bevorzugt Insekten vertilgen.




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Von Veritatis

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