Der iranische Angriff auf Israel ist nach Angaben der israelischen Armee „vereitelt“ worden. Die Raketen und Drohnen gegen Israel seien zu „99 Prozent“ abgefangen worden, sagte der israelische Armeesprecher Daniel Hagari am Sonntag im Fernsehen.

Keine der Drohnen und Marschflugkörper habe israelisches Gebiet erreicht. Nur „wenige“ ballistische Raketen seien bis nach Israel durchgedrungen, eine habe die Nevatim-Militärbasis im Süden des Landes „leicht“ getroffen. Der Militärstützpunkt sei aber immer noch intakt.

In der arabischen Welt fragen sich zunehmend Menschen auf X/Twitter, wie es sein konnte, das nicht einmal eine streunende Katze oder ein Hühnerstall getroffen wurde. Journalisten und viele Kommentatoren in den Golfstaaten behaupten, dass der Angriff vereinbart worden wäre.

Vor allem fragen sie, wieso bei den Hunderten Drohnen und Raketen kaum etwas getroffen wurde. Das Ausmaß des Angriffes sei groß gewesen – und verursachte minimale Schäden? The Middle East Media Research Institute Memri, gegründet vom ehemaligen israelischen Offizier Yigal Carmon und der amerikanischen Politikwissenschaftlerin Meyrav Wurmser, hat einige der Kommentare gesammelt. 

„Eine im Voraus vereinbarte Farce“

Yigal Carmon, dem Präsidenten des Memri zufolge hätte die USA den Angriff mit dem Iran koordiniert, damit niemand verletzt oder getötet würde. Demnach hätten die USA bereits am 13. April damit begonnen, Druck auf Israel auszuüben, damit jede Aktion Israels mit den USA abgesprochen würde. Joe Biden hätte Israels Regierungschef Benjamin Netanjahu auch telefonisch aufgefordert, nicht zu eskalieren und „vorsichtig und strategisch“ zu agieren.

Es sei darum gegangen, dem Iran zu erlauben, symbolisch mit Vergeltung zu reagieren, damit der Iran sein Gesicht wahren könne. Damit sollte letztlich der Krieg mit Israel vermieden werden.

Der saudische Forscher und Sicherheitsberater Mohamad Al-Hadla, der auch Kolumnist der saudischen Tageszeitung „Al-Jazeera“ ist, postete auf X/Twitter: Die Show habe geendet, als der Iran sagte, dass seine Reaktion vorbei war – nach dem Start „dieser dummen Drohnen und Raketen, die Israel nie erreichten und nichts als eine im Voraus vereinbarte Farce“ waren.

Die „Farce“ hätte darauf abgezielt, die „persische Ehre zu bewahren, die Israel jeden Tag mit Füßen tritt“. Der Iran sei nicht in der Lage, Israel direkt zu konfrontieren. Der Iran sei „viel zu feige“ ohne eine vorherige Vereinbarung gegen Israel zu operieren.

„Ein Sturm in einer Teetasse“

Andere Kommentare sprachen von „einem Sturm in einer Teetasse“, einer „iranischen Show, mit Amerikas Wissen“.

Ahmad Al-Fifi, pensionierter hochrangiger Offizier im saudischen Militär, verwies auf die Fehlerrate solcher Manöver. Diese würden bei etwa 5 Prozent liegen. „Der gestrige zerstörerische Krieg, an dem eine große Anzahl von Raketen und UAVs (unbemannte Luftfahrzeuge) beteiligt war, war jedoch beispiellos. Die Verluste und Sachschäden betrugen 0 Prozent – [während] in Gaza ein Kind durch aus der Luft abgeworfene Hilfe getötet wurde.“

Die Uhrzeiten stimmen nicht

Der kuwaitische Online-Influencer Meshal Al-Nami verglich die Uhrzeiten der Meldungen. Einige Stunden (23:30 Uhr), bevor die Raketen und Drohnen Israel erreichten, twitterte er: „Der iranische Angriff auf Israel ist lächerlich. Der Iran startete Drohnen und kündigte dann [sofort] an, dass er dies getan hatte, um es Israel zu ermöglichen, sie abzufangen, da sie acht Stunden benötigen würden, um Israel zu erreichen.“

In einem späteren Beitrag, etwa eine Stunde bevor die UAVs Israel erreichten, ergänzte Al-Nami: „Israel kündigte an, dass es sich darauf vorbereitet, etwa eine Stunde vor seinem Beginn auf den iranischen Angriff zu reagieren, und sagte, es würde seinen Luftraum um 1:00 Uhr schließen. Das bedeutet, dass Israel weiß, wann die Show des iranischen Angriffes begann [und] wann die Raketen und Drohnen sein Territorium erreichen werden.“

Ein abgekartetes Spiel?

Der palästinensische Journalist Ayman Khaled twitterte: „Der Deal wurde abgeschlossen […] Der Iran wurde im Rahmen eines Deals in die Reaktion auf den Luftangriff auf sein Konsulat hineingezogen: Angriff zuerst mit Drohnen, um der israelischen Öffentlichkeit zu ermöglichen, alle Vorsichtsmaßnahmen zu treffen, [und dann] leere Gebiete im Negev anzugreifen.“

Ähnlich sieht es der algerische Journalist Anwar Malek, der in Frankreich lebt. Er schreibt: „Was zwischen Tel Aviv und Teheran stattfand, war nichts anderes als eine Schlägerei zwischen zwei Verbündeten unter der Schirmherrschaft eines größeren Verbündeten, nämlich der USA, mit dem Ziel, die leichtgläubigen alten Araber zu verspotten, deren Brüder in Palästina, Syrien, im Irak und im Libanon wegen des zerstörerischen Plans der [Irans] Ayatollen ausgelöscht werden …“

Malek fragt: Warum habe der Iran denn nicht die ballistischen Langstreckenraketen verwendet, die die islamischen Revolutionsgarden angeblich besitzen? Während Israel „das iranische Konsulat im Herzen von Damaskus zerstört und den wichtigsten General der Al Qods Force ermordet habe?“

Über 300 Angriffe – und kaum etwas getroffen

Am Abend des 13. April 2024 griff der Iran mit 170 Angriffsdrohnen, 30 Marschflugkörpern und 120 ballistischen Raketen Israel an. Die USA und Israel fingen 99 Prozent der Geschosse ab.

Der iranische Außenminister sagte, dass die Länder 72 Stunden vor dem Angriff über die Aktion informiert wurden. Er betonte zudem, dass der Angriff absichtlich begrenzt war.

Eine Gegenreaktion Israels blieb aus – vermutlich „weil Israel, die USA und Deutschland genau wussten, wie, wo und wann Irans Regierung zuschlagen würde“, wie es der „Business Insider“ formulierte. Sie kannten demnach wohl „selbst die Abschussrampen, von wo aus die Angriffswelle gestartet wurde“. Israel zog kurz zuvor Truppen aus dem Süden ab und versetzte die Luftwaffe in Bereitschaft.

Wer ist Memri?

Memri übersetzt Inhalte aus arabischen, iranischen, türkischen, urdu- und russischsprachigen Medien ins Englische und analysiert sie. Kritisiert wird die Organisation dafür, israelfreundlich zu sein und sich auf krasse Stimmen zu konzentrieren und gemäßigte, liberale Positionen zu ignorieren. Es werden auch Artikel übersetzt, die sich mit Reformen und dem Ruf nach Freiheit in der arabischen Welt auseinandersetzen.

Memri „wurde in der Vergangenheit kritisiert, durch seine Auswahl ein schlechtes Licht auf die arabische Welt zu werfen“, wie der „Deutschlandfunk“ 2005 schrieb. Das Institut wird durch Fundraising und hauptsächlich von jüdischen Einzelpersonen und Organisationen in den USA finanziert. 






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Von Veritatis

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