Deutschlands Zukunft als entvölkerter Staat nach der großen Remigration: Wie sich Filmemacher eine „Machtergreifung“ der Blauen, also der AfD, vorstellen.

Berlin im Jahr 2060 wirkt in dem gut dreieinhalbminütigen KI-generierten Film noch vermüllter und heruntergekommener als es ohnehin schon in einigen Stadtteilen des Jahres 2024 aussieht. Überall wuchert das Gras, der Reichstag verlassen, die Boulevards leergefegt. Auch in Hamburg sieht es düster aus: Die milliardenteure Elbphilharmonie verrottet vor sich hin, und beim Schwenk nach Köln sieht der Zuschauer einen versandeten Rhein mit gestrandeten Schiffen.

Garniert werden die dystopischen Szenen noch mit geplünderten Supermärkten, riesigen Müllbergen und Chaos auf den Straßen. Was bezwecken die Produzenten um den Autor Micky Beisenherz, die Comedians Luke Mockridge und Atze Schröder mit dem Dramolette „Oma, was war nochmal dieses Deutschland?“ Um Comedy geht es ihnen nicht, maximal unfreiwillig.

Ohne Migranten kein Deutschland

Es geht um nichts Geringeres als um den Wahlsieg der AfD, der zu einer Alleinregierung und direkt in die Diktatur führt. Im Film „die Blauen“ genannt, setzt die Partei ihre Remigrations-Pläne gnadenlos um, was die Verarmung und Verelendung Deutschlands auslöst. Rien ne va plus – nichts geht mehr ohne Migranten. Wie es dazu kommen konnte, das erzählt eine Oma ihrer Enkelin: „Oma, was war nochmal dieses Deutschland?“

In einer futuristischen Landschaft in der Wüste sitzen Oma und Enkelin auf der Veranda zusammen. Die Behausungen sehen aus wie zu groß geratene Walnussschalen umgeben von Sand, ein paar Palmen und einem gift-grünlich schimmernden See. Die Sonne brennt, es muss der Klimawandel sein. Denn den haben die Blauen ihn ja nicht bekämpft! Und sie haben Millionen Migranten, auch die schon länger hier lebten, abgeschoben.

In einer Krankenhaus-Szene sitzen alte weiße Deutsche, die auf Behandlung warten, doch die blonde Krankenschwester muss die Senioren enttäuschen: „Es tut mir leid, Dr. Jamil wurde heute remigriert.“ Schockschwerenot allenthalben. Die Oma, die aussieht wie eine keltische Aborigini mit einer Haut, die an Donald Trump erinnert, erzählt ihrer Enkelin wie alles kam: Nach der Remigration sind Millionen verzweifelte Deutsche in Schlauchbooten übers Meer geflohen. Es gab keine Wahlen mehr, die Blauen haben eine finstere Diktatur errichtet.

Das Mädchen wirkt mit seiner scheeweißen Haut und den roten Haaren ein wenig albinohaft und ist überrascht, dass es in Deutschland einst Wahlen gab. Das Interessante ist nicht, dass es (natürlich) eine AfD-Diktatur geben wird, sondern wie sich die Macher die alternative Welt vorstellen.

Nur eine Frage der Zeit

Wollen sie suggerieren, dass es in der Zukunft nur noch solche fantastischen Mischwesen gibt? Aber ist das nicht rassistisch? Sozusagen ein neo-rassistischer Film mit Mitteln der KI?! Die Produzenten um den iranisch-stämmigen Behzad Karim Khani haben einen „Achtung, AfD-Warnfilm“ gedreht, der erneut die hysterische Angst vor weiteren Wahlerfolgen der Blauen zeigt.

Khani ist seit Jahren bekannt für seine Kritik am dem Land, in das er im Alter von zehn Jahren mit seinen Eltern migrierte. In seinem Essay im Januar 2023 „Integriert euch doch selber“ rechnet der Autor mit den „Biodeutschen“ ab:

„Ich denke, wir sind jetzt an einem Punkt angelangt, wo wir den Dingen in die Augen schauen sollten. Gerne gemeinsam. Gerne nüchtern. Fangen wir dafür doch mit der einfachen Feststellung an, dass wir – Migranten, Ausländer, Menschen mit …, nennen Sie uns, wie Sie wollen – so einfach nicht weggehen werden. Und Sie, liebe Biodeutsche, auch nicht. Wobei, demografisch gesehen, gehen Sie durchaus weg. Sie sterben weg, und Ihr Land braucht für die kommenden 15 Jahre circa 400.000 neue Arbeitskräfte, das heißt ungefähr eine Million Einwanderer pro Jahr. Wir Migranten werden dieses Land wohl erben. Wir könnten hier also auf Zeit spielen. Auf eine Zeit, die Sie nicht haben.“

Kostenlose PR für die Blauen

Zusammengefasst heißt das in Verbindung mit dem Film oder besser gesagt Werbespot gegen die AfD: Wenn die Blauen Deutschland nicht regieren, dann übernehmen die Migranten früher oder später im Land das Ruder. Khani lässt in seiner Vision offen, wie dann mit den restlichen Ur-Deutschen verfahren werden soll. Vielleicht doch in Schlauchbooten sitzend, wie im Film, weil die Not in Deutschland mit einer migrantischen Regierung so groß geworden ist? Und die Blauen wären womöglich verboten?

Für die AfD sind solche bemüht pädagogischen Filmchen im Katastrophen-Design eines Roland Emmerich ein Geschenk. Denn ihre Wähler sind immun dagegen und sehen sich bestätigt, dass die Feinde zu jeder Verleumdung bereit sind. Die Wechselwähler könnten sich, wenn sie das Werk überhaupt sehen, an den Klischees stören: Durch und durch gute und fleißige Migranten gegen von ihnen abhängige, faule und überalterte Deutsche, die einfach nur schon länger hier leben.

Der Film dürfte ein Rohrkrepierer werden, und die militante Kritikerszene gegen die AfD lernt es anscheinend nicht. In der ständigen Warnung und Anfeindung gegen diese Partei und ihre Protagonisten wie Björn Höcke stumpft das Publikum ab und geht in den inneren Widerstand gegen die andauernde Belehrung. Das Ziel der Macher, vor einer Diktatur der AfD zu warnen, ist verfehlt. Die Rechnung wird nicht aufgehen.

Ach ja, die Autobahnen. Die funktionieren unter den Blauen fabelhaft. Darauf fahren in abgedunkelten Limousinen mit großer Polizei-Eskorte nur noch deren Politiker. Der Wink mit dem Zaunpfahl dürfte selbst dem historisch unterbelichtesten Zuschauer klar sein. Da war doch was! Mit dem Film war es das allerdings auch.



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Von Veritatis

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