Von Kai Rebmann

„Gegen Abend ist mit zunehmender Dunkelheit zu rechnen!“ So oder so ähnlich soll eine Dienstvorschrift bei der Bundeswehr lauten. In etwa auf diesem Niveau bewegt sich eine Warnung, die jetzt vom Gesundheitsamt der Stadt Köln ausgerufen wurde. Verantwortlich für das Schreiben (liegt reitschuster.de vor) ist die „Abteilung Infektions- und Umwelthygiene“ im Auftrag von Oberbürgermeisterin Henriette Reker (parteilos).

Dem einleitenden Text ist zu entnehmen, dass in der Domstadt dieser Tage offenbar alle Bürger ab 75 Jahren einen Brief mit folgendem Betreff erhalten haben: „Einladung zur Registrierung für das Hitzetelefon des Gesundheitsamtes der Stadt Köln.“ Der Klimawandel führe zu „Wetter- und Umweltveränderungen“ und könne die menschliche Gesundheit „in vielfältiger Weise beeinflussen“, heißt es weiter.

Mit Blick auf den nahenden Sommer scheint das Gesundheitsamt sogar Erkenntnisse gewonnen zu haben, die selbst für gestandene Meteorologen völlig neu sein dürften. Langanhaltende Hitzewellen träten auch in Köln nicht nur immer öfter auf, sondern kämen „oft sehr plötzlich“. Zugegeben, dabei mag es sich um einen sehr dehnbaren Begriff handeln, dennoch klingt eine solche Warnung sehr übertrieben.

Doch die Formulierung scheint bewusst gewählt worden zu sein, denn in eben diesem Stil geht es weiter: „Besonders wenn es mehrere Tage in Folge sehr heiß ist und die nächtliche Abkühlung fehlt, kann Hitze zur Gesundheitsgefahr werden.“

Das, liebes Gesundheitsamt der Stadt Köln, war schon immer so und auch mehrere Tage mit Temperaturen von 30 Grad und mehr hat es in Deutschland immer schon gegeben. Nicht zuletzt die Senioren, an die sich das Schreiben ja richtet, werden davon zu berichten wissen. Dessen ungeachtet bleibt die Alarmstufe auf Rot: „Vorbestehende Gesundheitsprobleme können sich verschlechtern, neue können auftreten. Dies wird verstärkt durch chronische Erkrankungen sowie die Einnahme bestimmter Medikamente.“

Doch Hilfe naht und ausgerechnet den Bürgern, die schon 75 und mehr Sommer erlebt und ganz offensichtlich auch überlebt haben, wird fürsorglich zur Hand gegangen bzw. das Selberdenken abgenommen: „Deshalb möchten wir Sie am Hitzetelefon zum Thema Hitze beraten und Ihnen Verhaltenstipps geben, um Ihre damit verbundenen gesundheitlichen Risiken zu mindern. Gerne beantworten wir Ihre Fragen zu Anpassungsmaßnahmen und machen Sie auf (die) anstehenden Hitzewellen in Köln aufmerksam.“

Wer sich für das Hitzetelefon in Köln anmeldet, kommt in den Genuss gleich mehrerer unschätzbarer Vorzüge. Das Rundum-Sorglos-Paket sieht unter anderem ein „ärztlich geleitetes Beratungsgespräch“ hinsichtlich der Verhaltensweisen bei höheren Temperaturen im Sommer vor. Darüber hinaus erhalten die Teilnehmer gegebenenfalls eine „offizielle Hitzewarnung für Köln“, so dass selbst der eigene Blick auf das Thermometer oder den jeweils aktuellen Wetterbericht entfallen kann – das Hitzetelefon gibt ja Bescheid und verspricht: „Sie erhalten aktuelle Informationen und individuelle Tipps zum Verhalten in Ihrer Wohnung und unterwegs.“

Eine ganz andere Frage stellt sich – wie schon in anderen Zusammenhängen – bezüglich der Kosten, die das sogenannte „Hitzetelefon“ den Steuerzahlern in Köln aufbürdet. Die Domstadt hat rund 1,1 Millionen Einwohner, davon geschätzt knapp 100.000 im Alter ab 75 Jahren. Es erscheint also nicht zu hoch gegriffen, wenn man alleine für Druck und Versand des zweiseitigen Schreibens eine sechsstellige Summe veranschlagt. Hinzu kommen noch ganz erhebliche Kosten in noch unbekannter Höhe für die künftigen „Beratungen“ am Hitzetelefon.

Daran ändert auch dieser irreführende Satz in dem vorliegenden Schreiben nichts: „Melden Sie sich schon jetzt für das kostenfreie Hitzetelefon an.“ Denn irgendjemand bezahlt bekanntlich immer – und wenn es am Ende der Steuerzahler ist.

Hier können Sie das Schreiben des Gesundheitsamtes in voller Länge lesen.

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Kai Rebmann ist Publizist und Verleger. Er leitet einen Verlag und betreibt einen eigenen Blog.

Bild: Shutterstock

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