Von Daniel Weinmann

Sie ist die erste Frau, die aus dem inneren Kreis eines Clans berichtet. 1980 in einem Dorf in Anatolien geboren, kam Latife Arab mit fünf Jahren nach Deutschland, wo sich ihre Familie zu einem der größten Clans in Deutschland entwickelte. Schutzgelderpressung, Drogengeschäfte, Raub, Geldwäsche und Menschenhandel waren und sind bis heute an der Tagesordnung. Die Einstellung der Großfamilie beschreibt sie so: „Vor der Polizei haben sie keinen Respekt, die Ehre der Familie steht über allem.“

Vor fünf Jahren ist es Arab gelungen, sich zu befreien. Heute führt sie ein selbstbestimmtes Leben mit ihren Kindern und ihrem deutschen Partner in der Nähe von Berlin. Ihren genauen Wohnort hält sie ebenso geheim wie ihren wirklichen Namen. Zu groß ist die Gefahr, von ihrer Familie aufgespürt und umgebracht zu werden.

Mitte März ist im Heyne-Verlag ihr Buch „Ein Leben zählt nichts – als Frau im arabischen Clan: Eine Insiderin erzählt“ erschienen (reitschuster.de berichtete). Die Aussteigerin schreibt darin ebenso schonungslos wie offen über ihre Kindheit, die im Zeichen von Gewalt und Unterdrückung stand.

»Es fühlte sich an, als hätte man mir alle Organe aus dem Körper gerissen«

Sie berichtet von ihrer Zwangsverheiratung und auch darüber, wie verachtend und abwertend der Clan auf Deutschland herabschaut. Latife Arab gibt Innenansichten in ein kriminelles System, das sich „ungehindert ausbreiten konnte in Deutschland“ – begünstigt durch Strukturen, die parallel zur Gesellschaft existieren.

Um die Schatten ihrer Vergangenheit loszuwerden, ging die 43-Jährige nun nochmals an die Öffentlichkeit. Mit 17 Jahren wird sie mit einem Verwandten zwangsverheiratet. Die Hochzeitsnacht ist der Beginn eines langen Martyriums: „Ich weiß, dass ich mir in dieser Nacht das Leben nehmen wollte“, sagte die Clan-Aussteigerin der „FAZ“. „Ich fühlte mich nicht nur durch ihn vergewaltigt, sondern auch durch meine Familie. Es fühlte sich an, als hätte man mir alle Organe aus dem Körper gerissen.“

In einem E-Mail-Interview mit der „Welt“ beleuchtet sie das kriminelle Treiben einiger ihrer Familienmitglieder und deren Widerwillen gegen die Integration. Deutsche sind Ungläubige, Schweinefresser kommen in die Hölle, befanden einige Clanmitglieder laut Arab bereits vor Jahrzehnten. Daran habe sich bis heute nichts geändert, im Gegenteil: „Man könnte sogar sagen, dass die Verachtung gegenüber dem deutschen Staat bzw. Andersgläubigen noch zugenommen hat.“

„Meine Familie schafft sich in Deutschland ihre eigene Parallelwelt“, so die Aussteigerin. „Sie leben also streng genommen nicht unter den Ungläubigen. Ihr Hass richtet sich nicht per se nur gegen die Deutschen, sondern gegen alles und jeden, der einem anderen Glauben nachgeht.“

»Mir selbst war lange Zeit nicht klar, welche Möglichkeiten ich da draußen habe«

„Jedes Mal, wenn die Beamten das Haus wieder verlassen hatten, saßen alle zusammen und lachten die ‚dummen Deutschen‘ aus“, schreibt Arab in ihrem Buch. „Die Sozialleistungen am Ende des Monats kamen zuverlässig, drohte eine Behörde mit Kürzungen, schaltete die Familie sofort einen Anwalt ein.“

Arab ist überzeugt, dass es eine ganze Reihe junger Menschen gibt, die so leiden wie sie damals. Doch sie kennt „keine Frau, die es lebend rausgeschafft hat“. Chancen auf eine nachhaltige Besserung der Lage sieht sie nicht. Die Konfrontation mit dem Umfeld würde mit Sicherheit helfen“, sagt sie der „Welt“. Würde man den Kindern den Zugang zur deutschen Kultur, zur Sprache und zu den Menschen nicht verwehren, wäre schon einiges getan, glaubt sie.

Doch dafür bräuchte es nach Ansicht Arabs geschultes Personal in den Behörden und ein härteres Durchgreifen der Justiz bei Straftaten, die von Familienmitgliedern verübt werden. Parallel müsse den Jugendlichen klar kommuniziert werden, dass es Anlaufstellen oder Menschen gibt, an die sie sich im Zweifel wenden könnten. „Mir selbst war lange Zeit nicht klar, welche Möglichkeiten ich da draußen habe. Das geht leider vielen Frauen und Mädchen so.“

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Namentlich gekennzeichnete Beiträge geben immer die Meinung des Autors wieder, nicht meine. Ich schätze meine Leser als erwachsene Menschen und will ihnen unterschiedliche Blickwinkel bieten, damit sie sich selbst eine Meinung bilden können.

Daniel Weinmann arbeitete viele Jahre als Redakteur bei einem der bekanntesten deutschen Medien. Er schreibt hier unter Pseudonym.

Bild: Screenshot Youtube-Video RTL-News

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