Kein Vertreter des Berliner Senats bei der Veranstaltung zum Gedenken an die Befreiung des KZ Sachsenhausen; in Halle steht ein Geschichtslehrer vor Gericht, weil er eine SA-Parole skandiert haben soll; Gedenkstättenleiter protestieren gegen einen Entwurf für ein neues Rahmenkonzept für Erinnerungspolitik aus dem Haus der Bundeskulturbeauftragten Claudia Roth – sie fürchten nichts Geringeres als eine „Verharmlosung der NS-Verbrechen“. Das sind nur drei Meldungen der jüngsten Zeit aus dem Land der vermeintlichen Erinnerungsweltmeister. Die zahlreichen Vorwürfe von linker Seite, die deutsche Gedenkkultur sei autoritär und provinziell – deren Revisionismus die Parole „Free Palestine from German guilt“ präzise auf den

ten nichts Geringeres als eine „Verharmlosung der NS-Verbrechen“. Das sind nur drei Meldungen der jüngsten Zeit aus dem Land der vermeintlichen Erinnerungsweltmeister. Die zahlreichen Vorwürfe von linker Seite, die deutsche Gedenkkultur sei autoritär und provinziell – deren Revisionismus die Parole „Free Palestine from German guilt“ präzise auf den Punkt brachte –, sind da noch gar nicht erwähnt. Klar wird: Mitnichten sitzt das Holocaust-Gedenken so fest im Sattel, wie jene, die von „Vogelschiss“ (Alexander Gauland) oder „Hohepriestern“ (A. Dirk Moses) schwadronierten, glauben machen wollen.Erinnerungspolitik von untenEs gibt keinen geschichtspolitischen Konsens in Deutschland. Und den gab es auch nie. Dass die Erinnerung hierzulande überhaupt wachgehalten wurde, war und ist seit Jahrzehnten das Verdienst zahlloser Menschen, die in lokalen Initiativen an Opfer erinnern, Tatorte als Gedenkorte erhalten und Überlebenden zu Aufmerksamkeit verhelfen. Die Erinnerungspolitik ist maßgeblich eine von unten, nicht von oben. Dass der Staat in dieser Hinsicht mehr Verantwortung übernimmt und darauf gleichzeitig seinen internationalen Machtanspruch gründet, ist eine Entwicklung der vergangenen 25 Jahre.Diese nationale Urbarmachung der Erinnerung ist per definitionem zynisch: Die Opfer sollen den Täternachfahren dienlich sein. Dennoch sehen viele in der Gedenkarbeit ein Mittel zur demokratischen Erziehung, zuletzt die CDU, die verpflichtende Gedenkstättenbesuche für Schüler forderte – was bei den Gedenkstätten ebenfalls auf Ablehnung stieß.Erinnerungspolitik ist Aushandlungssache. Sich dies in Erinnerung zu rufen, ist nicht nur deshalb wichtig, weil sie derzeit stark unter Druck gerät. Dazu kommt, dass sie generational am Scheideweg steht. Aus Erinnern wird endgültig Gedenken. Damit das gelingt und nicht vielmehr Vergessen folgt, gilt weiterhin: Erinnerung bleibt Handarbeit.



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Von Veritatis

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