Ein Gastbeitrag von Iris Zukowski

Kleider machen Leute: Unsere Kleidung erschafft im Auge des Betrachters – bewusst und unbewusst – ein Bild unserer Person. Was wir tragen, kann unsere Persönlichkeit unterstreichen oder sie aber abwerten und einen falschen Eindruck erzeugen. Auch der Anlass bestimmt, was eine passende oder eine unpassende Bekleidung ist.

Nike hat ein äußerst unpassendes Bekleidungsstück für die US-Leichtathletinnen präsentiert, die bei den Olympischen Spielen 2024 gemeinsam mit den Paralympics Athleten antreten werden. Das Damen-Outfit ist nicht nur nicht funktionell für die Wettkämpfe, es lenkt zudem den Blick des Zuschauers auf den Intimbereich der Sportlerinnen.

Das Frauen-Trikot in pink ist ein hoch geschnittener Bodysuit, der knapp bis zum Hüftknochen reicht und die Leistengegend unnötigerweise freigibt. Es erinnert an die extrem hoch geschnittenen Badeanzüge der Achtziger und Neunziger – die mehr zur Schau stellten, als bedeckten. Das Material ist dünn und schmiegt sich an die Haut an, wodurch die Körperkonturen der Athletin in Erscheinung treten und betont werden. Die Ausstattung der Männer hingegen besteht aus einer blauen Hose, die bis zur Mitte der Oberschenkel reicht, und einem Rot-blauen Tanktop.

Die New York Times kommentierte das Nike Damen-Trikot mit den Worten, dass der Bodysuit eine aufwendige Intimpflege erfordern würde. Die Olympia-Outfit sorgt in Amerika für Aufsehen, viele Sportlerinnen sind empört.

Die Paralympics-Athletin Femita Ayanbeku äußert sich fassungslos: „Das muss ein Scherz sein. Ich bin eine Mutter, ich kann mich nicht auf diese Art und Weise entblößen.“

Die ehemalige US-Athletin Lauren Fleshman schrieb auf ihrem Instagram-Profil: „Wenn dieses Outfit wirklich der physischen Leistung zugute kommen würde, würden es auch Männer tragen. Dies ist kein elitäres Sportkit für die Leichtathletik. Dies ist ein Kostüm, das aus patriarchalischen Kräften geboren wurde.“

Die Damen haben zwar die Möglichkeit, in der Herrenhose bei den Wettkämpfen anzutreten, aber Fleshman erwidert: „Es geht um Respekt. Dieses Outfit sollte nicht einmal eine Option sein.“

Die US-Weitspringerin Tara Davis-Woodhall empört sich ebenfalls: „Mein Intimbereich wird entblößt!“ Die extrem freizügigen Nike-Outfits stoßen nicht nur bei den Athletinnen, sondern in ganz Amerika auf Kritik.

Ob Nike das Frauen-Outfit bis zum Beginn der Spiele im Sommer noch ändern würde, wollte das Unternehmen bislang nicht bestätigen.

Sensible Menschen nehmen (unbewusst) sofort wahr, wenn etwas unpassend oder regelrecht falsch ist. Lauren Fleshmann scheint, zu den sensiblen Menschen zu gehören und sagt zu recht, dass es respektlos ist, wenn durch ein Trikot die intimste Körperregion einer Sportlerin der Öffentlichkeit präsentiert wird – was einem Angriff auf die Würde der Frau gleichkommt.

Beim Versuch, im Wettkampf Höchstleistungen zu erbringen, muss die Athletin in einem solchen Trikot in Kauf nehmen, dass Millionen Menschen am Fernseher ihr geradezu in den Schritt schauen können. Es mag narzisstische oder abgestumpfte Frauen geben, die das nicht stört oder denen es vielleicht sogar gefällt. Bei der Mehrzahl von Frauen, die über natürliche Schamgrenzen verfügen, kann ein solches Trikot den Abruf von Bestleistungen jedoch hemmen.

Ohne eine gewisse Empathie oder Feinfühligkeit, kann man der Ansicht sein, dass ein solches Outfit für Frauen heutzutage doch gar kein Problem und die Aufregung übertrieben sei. Wenn man jedoch etwas weiterdenkt, stellt sich automatisch die Frage, warum ein Design entworfen wurde, dass den Intimbereich der Sportlerinnen bei den Wettkämpfen einem Millionenpublikum präsentiert?

Wenn ein Mega-Konzern wie Nike ein Produkt für die Olympiade entwirft, geschieht das nicht ohne reifliche Überlegungen und klare Vorgaben. Geld wird verdient, wenn man es den Wünschen und Vorstellungen des Auftraggebers recht macht. Bei der Ausstattung des Olympia-Teams geht es um sehr viel Geld und demgemäß wird sicher nichts dem Zufall überlassen. Der Auftraggeber, als auch das ausführende Unternehmen Nike waren sich bewusst, dass Schnitt und Stoff den weiblichen Körper zur Schau stellen werden.

Warum wird eine solches Trikot für die Sportlerinnen entworfen?

Ist Lauren Fleshmann auf der richtigen Spur, dass das Trikot aus patriarchalischen Kräften geboren wurde? Welchen Bestrebungen dient es – einem Millionenpublikum rund um die Welt – den Unterleib der Läuferinnen, Hoch- oder Weitspringerinnen in diesen Höschen sexistisch zu präsentieren? 

Der Begriff Misogynie (altgriechisch misos „Hass“, und gyne „Frau“) hat in den letzten Jahren eine Neubelebung erlebt. Madonna beschwerte sich, ein Opfer von Misogynie zu sein, weil ihr durch Schönheits-Operationen komplett verändertes Gesicht, kritisiert wurde – was sicher kein Fall von Frauenfeindlichkeit ist – sondern schlichtweg die Reaktionen von Menschen, die die Verwandlung des Mega-Stars befremden. Über vermeintliche Misogynie klären auch zahlreiche Ratgeber-Seiten im Internet auf. Die Inhalte sind eher belanglos und beschreiben die möglichen Beziehungsmuster von Narzissten und Psychopathen. Als Nebeneffekt lenken sie von der tatsächlichen Frauenfeindlichkeit des woken Zeitgeistes ab.

Das neue Patriarchat im woken Gewandt maßt sich nicht nur an, jederzeit selbst eine Frau sein zu können, es reduziert Frauen auf ihren Körper und ein sexuelles Objekt, wie auch mit dem US-Sport-Trikot – während es die Weiblichkeit durch Begriffe wie „Bonusloch“ und „Gebärende“ degradiert.

Die Herabsetzung der (natürlichen) Frau ist unübersehbar geworden

In TV-Formaten werden täglich leicht bekleidete, junge Frauen gezeigt, die sich als glückliche und erfolgreiche Sexarbeiterin präsentieren. Getarnt unter dem harmlosen Begriff „Sexarbeit“ wird Prostitution heute als Freiheit und Selbstermächtigung angepriesen. Frauen werden von Feministinnen ermutigt, als „Content-Creator“ auf Only Fans oder als Pornodarstellerin tätig zu werden.

Die Wahrheit wird wieder einmal umgekehrt, denn Sexarbeit bedeutet, dass sich die Frau auf ein Körper-Objekt reduziert, das dem (meist männlichen) Kunden sexuell zu Diensten steht. Wenn eine Frau clever ist – so die Logik der absurden, Frauen verachtenden Agenda – zieht sie aus dieser für sie offiziell zugedachten und legitimierten Rolle, finanziellen Gewinn und steht selbstbewusst dazu, sich von Männern sexuell benutzen und bezahlen zu lassen.

Auch für den gebildeteren weiblichen Nachwuchs der Mittelschicht wird ein fragwürdiges neues Frauen-Ideal in die Welt gesetzt: Mit Mega-Stars wie Kristen Stewart wird es zum coolen Trend erklärt, sich als Mädchen oder Frau nicht mit der Natur der Frau und ihrer weiblichen Rolle zu identifizieren, sondern stattdessen non-binär, genderfluid oder „gay“ zu sein. Die 33-jährige Schauspielerin posierte auf dem Cover des Rolling Stone in Männerunterwäsche und betont im Interview, dass sie das „schwulste F*Ding“ sein wolle, das man je gesehen habe.

Das Nike-Trikot für die US-Athletinnen reiht sich nahtlos ein in die offensichtliche Misogynie dieser Agenda, die ein entwürdigtes Frauenbild auf Pornoseiten, im TV-Entertainment oder auf Social-Media schon kleinen Mädchen als weibliches Rollenvorbild präsentiert.

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Ohne Wäsche in Berlin – aber dafür mit Sauna-Badehosen-Kontrolle

Gastbeiträge geben immer die Meinung des Autors wieder, nicht meine. Und ich bin der Ansicht, dass gerade Beiträge von streitbaren Autoren für die Diskussion und die Demokratie besonders wertvoll sind. Ich schätze meine Leser als erwachsene Menschen und will ihnen unterschiedliche Blickwinkel bieten, damit sie sich selbst eine Meinung bilden können.

Iris Zukowski – Diplom-Psychologin, Hypnotherapeutin und Sachbuchautorin: „Jugendgewalt und Medien-Effekt“, Ruhland Verlag 2023, „Was uns heute unterhält, kann uns morgen töten.“ Ruhland Verlag 2017. Sie war einige Jahre Dozentin für Neuromarketing und ist seit 2018 SOS-Initiatorin zur Aufklärung über die weitreichenden Effekte von frei verfügbarer Pornografie.

Bild: Screenshot Youtube-Video sportschau.de

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Von Veritatis

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