Das weit entfernte Australien ist schon als Teilnehmer beim Eurovision Song Contest (ESC) dabei – jetzt kann auch der bisher nicht an dem Musikwettbewerb beteiligte Rest der Welt zumindest bei der Abstimmung mitmachen. Dies ist die größte Veränderung vor dem ESC-Finale am Samstag kommender Woche im schwedischen Malmö. Das aktuelle Regelwerk:

Abstimmung des Publikums

Die größte Veränderung beim diesjährigen ESC gibt es bei der Publikumsabstimmung bei den zwei Halbfinals am Dienstag und Donnerstag sowie dem Finale. Erstmals können auch Zuschauer aus Nichtteilnehmerländern in aller Welt mit abstimmen. Es gibt neuerdings das „ROW Voting“ als Abkürzung für „rest of the world“, Rest der Welt.

Zuschauer aus diesen Ländern können per App oder über eine eigene Votingwebseite abstimmen. Dabei werden die Nichtteilnehmerländer bevorzugt, weil sie jeweils ab 00:00 Uhr der jeweiligen Tage von Halbfinals und Finale abstimmen dürfen und so fast 24 Stunden Zeit haben. Am Ende werden die ROW-Stimmen zusammengerechnet und wie die Abstimmung aus einem einzigen Land gewertet.

Für die Zuschauer aus Teilnehmerländern des ESC wird das Zeitfenster zur Abstimmung auch größer, aber nur geringfügig. So dürfen sie im Finale bereits vor dem ersten Lied abstimmen, bislang war das erst nach dem Auftritt aller Finalisten möglich.

Die Abstimmung für alle Länder endet 25 bis 40 Minuten nach dem letzten Auftritt. Zuschauer aus Teilnehmerländern können außer per App und Votingwebseite auch per Anruf und SMS abstimmen, dies geht bis zu 20 Mal pro Anrufer.

Punktevergabe

Die Jurys jedes der 37 Teilnehmerländer und das Publikum tragen jeweils zur Hälfte zur Gesamtpunktzahl bei. Nur jeweils zehn Länder bekommen Punkte. Es werden zwölf, zehn, acht und dann herabzählend bis zur Eins Punkte vergeben.

Am Ende werden Jury- und Publikumswertung addiert, und das Ergebnis steht fest. Sind zwei Länder punktgleich, gewinnt das Land mit den meisten Publikumsstimmen.

Punktepräsentation

Seit dem ESC in Tel Aviv 2019 ist die Präsentation der Punkte bis zum Schluss spannend. Zuerst werden wie früher die Jurypunkte verteilt. Bei den Publikumspunkten fängt die Vergabe dann bei dem Land mit den wenigsten Punkten an, erst am Ende wird der Publikumsliebling benannt und dessen Punktzahl veröffentlicht. Damit steht auch erst am Ende der ESC-Gewinner fest.

Dauer der Lieder

Drei Minuten ist die Obergrenze für einen Auftritt. Diese Vorgabe gilt schon seit mehr als 50 Jahren. Kürzer dürfen die Lieder allerdings sein, 2015 war der Auftritt der finnischen Band Pertti Kurikan Nimipäivät schon nach nicht einmal anderthalb Minuten vorbei.

Inhalt der Auftritte

Texte, Ansprachen und Gesten mit einer politischen Natur sind ebenso wie Werbung verboten. Das Politikverbot ist ein heikles Thema.

In diesem Jahr musste Israel zweimal den eingereichten Titel überarbeiten, weil das Lied nach Auffassung der Organisatoren der Europäischen Rundfunkunion EBU zu politisch war. Ursprünglich wollte Israel mit „October Rain“ den Hamas-Angriff auf Israel vom 7. Oktober thematisieren, wofür eine Disqualifikation gedroht hätte.

Vorgaben für Künstler

Sänger müssen mindestens 16 Jahre alt sein, auf der Bühne dürfen nicht mehr als sechs Bandmitglieder stehen. Tiere sind auf der Bühne nicht erlaubt.

Der Startertitel darf erst nach dem 1. September des Vorjahres erstmals kommerziell verwertet worden sein. Und während die Musik vom Band kommt, müssen zumindest die Leadsänger live singen. Die Wahl der Sprache ist seit langer Zeit frei – zu Beginn der ESC-Geschichte sang jedes Starterland noch in der jeweiligen Landessprache.

Finalteilnehmer

Insgesamt gibt es in diesem Jahr 37 Starter, im Finale treten 26 Länder an. In zwei Halbfinals am Dienstag und Donnerstag qualifizieren sich jeweils zehn Länder.

Gesetzt sind immer die großen Geldgeberländer Deutschland, Frankreich, Großbritannien, Italien und Spanien. Neuerdings dürfen deren Starter auch in den Halbfinals auftreten, um sich zu präsentieren – Isaak singt am Dienstag im ersten Halbfinale zwischen den Künstlern aus Island und Slowenien.

Straßenmusiker für Deutschland

Der aus Ostwestfalen stammende deutsche Starter ist Straßenmusiker. Im Moment wächst die Hoffnung, dass Isaak den deutschen Fluch beim weltweit am meisten beachteten Musikwettbewerb beenden kann. Isaak Guderian kam am 31. Januar 1995 zur Welt, er wuchs im kleinen ostwestfälischen Costedt auf und lebt heute gut 30 Kilometer von dort entfernt mit seiner Frau Loreen in Espelkamp.

Er sei in eine musikalische Familie geboren worden, sagte Isaak einmal seiner Lokalzeitung, dem „Mindener Tageblatt“. Schon als Teenager stellte sich Isaak in die Mindener Innenstadt und machte Musik. Er sang und begleitete sich dabei selbst, das Rüstzeug holte er sich aus dem Internet. „Angefangen habe ich ganz klassisch mit Kirchenliederbüchern, und dann habe ich Youtube-Videos für mich entdeckt, in denen alles erklärt wird.“

Das Internet sollte fortan das Vehikel für seine Ambitionen werden. 2017 veröffentlichte er Pinks Hit „Who Knew“. Als der US-Superstar von einem Magazin seine Coverversion vorgespielt bekam, erhielt Isaak ein überragendes Lob. „Ich mag seine Stimme – der Junge kann singen“, sagte Pink. „Er ist besser als Ed Sheeran.“

Den großen Durchbruch erreichte er noch nicht, womöglich auch deshalb klingt die erste Strophe seines ESC-Lieds „Always on the Run“ so pessimistisch: „Ich bin nicht mehr als durchschnittlich – auch wenn ich für manche besonders sein mag“, singt Isaak in dem Lied, das nach seinen Worten sehr persönlich gedacht ist und „sehr grob mein ganzes Leben“ beschreibt.

Seine Plattenfirma überredete ihn, „Always on the Run“ beim deutschen ESC-Vorentscheid einzureichen. Nach dem Erfolg dort wird Isaak vor voraussichtlich mehr als 160 Millionen Fernsehzuschauern weltweit auf der Bühne stehen. Der einstige Straßensänger von Minden rückt also ins Scheinwerferlicht von Malmö – holt Isaak mehr als einen letzten Platz, darf er sich des Applauses nicht nur in Ostwestfalen sicher sein. (afp/red)




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Von Veritatis

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