Von Kai Rebmann

Die Zahl der Neugeborenen befindet sich in Deutschland seit rund vier Jahren im freien Fall. Jetzt wurde nicht nur ein neuer Tiefpunkt erreicht – so wenig Geburten wie seit 2013 nicht mehr – die Kurve zeigt auch so steil und konstant nach unten wie noch nie seit der Jahrtausendwende. Über diese Tatsache und vor allem die möglichen Gründe dafür, hat reitschuster.de bereits mehrfach berichtet, siehe hier oder hier.

Jetzt hat sich auch Prof. Dr. Jochem Marotzke mit dieser Fragestellung auseinandergesetzt. Notgedrungen sozusagen, denn eigentlich ist der Mann als Klimaforscher und Direktor am Max-Planck-Institut für Meteorologie in Hamburg tätig. Die „Bild“ konfrontierte Marotzke in einem Interview mit den Ergebnissen einer Umfrage des Marktforschungsinstituts Appinio. Demnach will eine knappe Mehrheit der 16- bis 24-Jährigen überhaupt keine Kinder mehr (26,4 Prozent) oder gab einen zumindest abgeschwächten Kinderwunsch (24,5 Prozent) an. Grund: Angst vor dem Klimawandel!

Solche Aussagen sind zwar erschreckend und zeigen, wozu die andauernde Panikmache in Politik, Medien und Gesellschaft inzwischen geführt hat. Eine Erklärung für den Geburtenrückgang in Deutschland und vielen anderen Ländern dieser Welt können diese Ergebnisse aber nicht wirklich liefern – auch wenn die Kollegen genau dies ihren Lesern suggerieren wollen.

In der Einleitung zum Interview heißt es: „Vergangenes Jahr kamen so wenig Babys zur Welt wie seit 2013 nicht mehr. Die Gründe sind vielfältig. Doch bei den 16- bis 24-Jährigen sticht einer hervor.“ Gemeint sind die Angst vor dem Klimawandel und die oben erwähnte Umfrage. Der Zusammenhang zwischen dem Einsetzen des Geburtenrückgangs und einer bestimmten Maßnahme während der Corona-Jahre wird aber weiterhin ausgeblendet.

Aber: Die genannte Altersgruppe spielt beim Kinderkriegen in Deutschland ohnehin eine nur sehr untergeordnete Rolle. Laut dem Statistischen Bundesamt ist das Durchschnittsalter von Eltern zum Zeitpunkt ihres ersten Kindes zwischen 2012 und 2022 von 29,1 auf 29,9 Jahre gestiegen. Ein Zusammenhang zwischen Geburtenrückgang und den Früchten der sogenannten Birthstrike-Bewegung lässt sich damit also nicht oder nur sehr bedingt herstellen.

Und Jochem Marotzke selbst versucht das auch gar nicht. Der Professor konzentriert sich auf das, worin er seinem Berufsbild und Forschungsgebiet nach zu urteilen eine echte Expertise hat. Er spricht von einem sich ausbreitenden „Klima-Determinismus“, den er so definiert: „Die Annahme, das Klima bestimme alles und es sei nichts mehr zu retten, könnte Angst erzeugen.“

Der Experte stellt klar: „Wir bewegen uns nicht in eine Hölle auf Erden.“ Auch apokalyptische Visionen vom angeblich drohenden Weltuntergang infolge des Klimawandels hält Marotzke für „maßlos übertrieben“, auch wenn er zu erkennen gibt, dass er an den „menschengemachten Klimawandel“ glaubt.

Die Aussage „Ich möchte den Klimawandel eindämmen und bekomme deshalb keine Kinder“ hält der Forscher nicht nur für problematisch, sondern geradezu „primitiv“, da dies komplexe Sachverhalte ausblende: „Klimaschutz ist eine extrem politische Sache und ich wehre mich dagegen, dass das ins rein Persönliche gezogen wird.“ So habe etwa die Umstellung der Heizung einen viel größeren Einfluss als die Entscheidung für oder gegen ein Kind.

Man dürfe es mit der Bedeutung des Klimawandels „nicht übertreiben“, warnt Marotzke und spricht in eben diesem Atemzug andere Probleme an, die sich vergrößern, wenn Menschen sich deshalb gegen das Kinderkriegen entscheiden: „Wir diskutieren Fachkräftemangel, Rentensystem, … zu sagen ‚möglichst wenig Menschen für möglichst wenig Emissionen‘ – da stößt man auf einen Zielkonflikt.“

Die Diskussionen über den Klimawandel einerseits und den starken Geburtenrückgang andererseits sollten, ja müssen, streng getrennt voneinander geführt werden. Die hier angesprochene Gruppe der 16- bis 24-Jährigen ist aufgrund ihres jungen Alters durch extreme Bewegungen wie jene des „Birthstrike“ deutlich leichter zu beeinflussen als ältere und damit auch lebenserfahrenere Menschen – spielen beim Kinderkriegen dafür aber eine umso kleinere Rolle.

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Kai Rebmann ist Publizist und Verleger. Er leitet einen Verlag und betreibt einen eigenen Blog.

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