Warum die Show große Lust auf die Sächsischen Landesmeisterschaften im Poetry Slam, aber auch auf das Kulturhauptstadtjahr 2025 machte

Poetry Slam.

Julius Fischer “slammt” nicht mehr. Er fühlt sich mit über 30 Jahren und als Vater von zwei Kindern dafür zu alt. Stattdessen singt er nun Zeilen wie diese: “Wenn ich eine Aktie wäre, würde ich mich verkaufen.” Über seine kompositorischen und sängerischen Qualitäten ließe sich möglicherweise streiten, nicht aber über seine lyrischen. Und so ist er letztlich doch ganz richtig bei einem Poetry-Slam der besonderen Art und wurde am Dienstagabend auch als “Sänger” von einem Publikum gefeiert, das sich durchweg gut unterhalten fühlte.

Alles anders

Eigentlich brauchen die Wortkünstler nicht viel: In der Regel reicht eine kleine Bühne, ein Mikrofon und ein Text auf dem Tablet-PC oder dem Smartphone, selten noch auf Papier. Doch bei der Eröffnungsgala des 9. Grand Slam of Saxony, auch Sächsische Landesmeisterschaft im Poetry-Slam genannt, war am Dienstag alles anders. Die Show fand auf der großen Bühne des Chemnitzer Spinnbaus vor etwa 200 Besucherinnen und Besuchern statt.
Selbst ein aufwendig gestaltetes Bühnenbild, dessen Sinn sich freilich nicht so recht erschließen wollte, gab es. Ein heruntergekommener Freizeitpark diente als Kulisse für insgesamt acht Wortkünstlerinnen und Wortkünstler, inklusive Friedrich Herrmann, der als Gastgeber fungierte und dabei echte Entertainerqualitäten offenbarte. Er gab die eine oder andere Anekdote preis. So habe 2004 ein Chemnitzer die erste Sächsische Landesmeisterschaft gewonnen, doch als er seinen Titel als Champ im darauffolgenden Jahr verteidigen wollte, sei er bekifft von der Bühne gefallen. Auf ein solches Spektakel, so auch der Name des Chemnitzer Poetry-Slam-Vereins, musste das Publikum verzichten. Als Defizit werden sie dies aber nicht empfunden haben. Denn es bekam die “Beiträge” von ehemaligen Siegern der Meisterschaften zu Gehör.

Lustig, aber auch nachdenklich

Das waren teilweise sehr lustige, unterhaltsame, aber auch sehr nachdenkliche, emotionale und politische Texte von Akteuren, die in einem Dramatiker, Regisseure und Schauspieler sind. In ihren Satz- und Wortgebilden, die sich manchmal reimten und manchmal nicht, zeigten sie sich mitunter dabei höchst authentisch und selbstreflexiv. So, wenn sich Boris Flekler (“ein empörter Intellektueller im Körper eines Comedians”) sich als nonbinäre Person von seinem Kreditinstitut des Vertrauens mit Frau oder Herr Flekler nicht richtig angesprochen fühlt. Gut wäre dann ein Doktortitel, den hat er aber leider nicht. Anna Schöne als junge Mutter hinterfragte das deutsche Kinderlied. Inke Sommerlang überzeugte mit einem Text über die Gefährlichkeit von Demokratiemüdigkeit und Lina Klopper lebte in einem ihrer Texte gewisse Gewaltfantasien aus. Denn sie würde Erfindern von Damenhosen gern mal ins Gesicht treten.

Auftakt für mehr

Die Galashow war der Auftakt für die Sächsischen Landesmeisterschaften, die vom 23. Mai bis 25. Mai im Chemnitzer Kino “Metropol” und im Kulturzentrum “Weltecho” stattfinden. Doch auch diese Landesmeisterschaften sind quasi “nur” eine Probe für das Kulturhauptstadtjahr 2025. Denn dann werden hier die 19. Internationalen Deutschsprachigen Meisterschaften im Poetry-Slam stattfinden.
 » www.spektakel-kollektiv.de

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Von Veritatis

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