In diesem Beitrag kommentiert Jens Berger den Eurovision Song Contest. Seit 2022 seien Weißrussland und Russland von diesem Wettbewerb ausgeschlossen. Israel habe jedoch in diesem Jahr teilnehmen dürfen. In Malmö sei der israelische Beitrag lautstark vom Publikum ausgebuht worden. Für deutsche Fernsehzuschauer müsse dies verwirrend gewesen sein, hätten sie doch gelernt, dass Kritiker der israelischen Kriegsführung Antisemiten seien, und die erwarte man ja nicht „im ach so bunten liberalen Publikum“. Am Ende habe der nicht-binäre Schweizer Nemo mit seiner LGBTQ-Hymne „The Code“ gesiegt. Wir haben hierzu interessante Leserbriefe bekommen. Danke dafür. Hier folgt nun eine Auswahl, die Christian Reimann für Sie zusammengestellt hat.

1. Leserbrief

Hallo Herr Berger,

habe Ihren Artikel zum ESC gelesen. Die Veranstaltung selbst ist für mich eher uninteressant, jedoch meine ich, dass es hier ja letztlich auch um ein Beispiel von Cancel-Culture handelt; die mittlerweile sehr verbreitete Ausschließeritis in alle Richtungen in Kultur, Wissenschaft und Sport halte ich für kontraproduktiv, dadurch wird ja letztlich das Denken in Blasen weiter forciert; wäre es nicht etwas differenzierter, Kritik an israelischem oder palästinensischem Vorgehen an die Verantwortlichen zu adressieren statt an Schlagersternchen?

Mit freundlichen Grüßen,
Christoph Wüstenhagen

2. Leserbrief

Lieber Herr Berger,

ein Beispiel, ein Symptom für den kulturellen Niedergang Europas, pardon: EU-Europas. Muss schon sehr lange her sein, da ich mir das mal angeschaut habe. Jetzt kenne ich das nur aus Sekundärquellen. Hysterisch, pervers und ziemlich bekloppt ist das. Ich würde mich schämen, so etwas anzuschauen. Der politische Aspekt kommt noch dazu. Auch wenn da “linksliberal” drauf steht, das ist rechtsradikal von der schlimmsten Sorte.

Es war schon einmal besser, Udo Jürgens, 1966:

https://www.youtube.com/watch?v=QE4IcCql8QA

Zur selben Zeit hat übrigens Adorno vorhergesagt, wenn die Faschisten wiederkommen, kommen sie verkleidet als Liberale und Linke. Da wären wir also.

Viele Grüße,
Rolf Henze

Anmerkung Jens Berger: Nun ja, Udo Jürgens´ Schlager waren aber 1966 auch nicht gerade das Nonplusultra abendländischer Kultur 😉
So ging es dann ja auch weiter. Jede Zeit hat ihre seichte Musik, und mit sehr sehr wenigen Ausnahmen waren es stets seichte, belanglose Stücke, die dort erfolgreich waren. Früher war zwar einiges besser, der Grand Prix bzw. später der ECS gehört aber meines Erachtens nicht dazu. Und wir sollten auch nicht vergessen, dass bereits in den 1970ern Musiker wie David Bowie, Frank Zappa oder Freddy Mercury mit – wie man es heute nennen würde – nicht binären Bühnenpersonas aufgetreten sind und wir das heute retrospektiv zumeist nicht als „pervers“ oder „bekloppt“ bezeichnen würden. Aber das ist natürlich sehr subjektiv.

3. Leserbrief

Moin,

es sollten keine “Risse” durch Kunst-, Kultur- & Sportveranstaltungen gehen. Musik & Sport sollen verbinden, nicht spalten. Daher ist die Ausladung von jedweden Künstlern wie auch Sportlern aus jedwedem Land unfair, unsportlich & verwerflich. Das schließt echte Unparteilichkeit ein. Weder ein politisch gewollter “LBGT-irgendwas”-Quatsch haben dort etwas zu suchen, noch die Instrumentalisierung für andere Zwecke; hier geht es einzig & allein um das Ereignis, um Menschen zusammenzubringen und nicht, sie gegeneinander aufzuhetzen. Olympia, ESC und auch der Fußball machen gehörig etwas verkehrt. Das fängt schon bei dem Friedenszeichen in der Mitte des Ballsportrasens an — das hat dort nichts zu suchen, weil es eine politische und keine rein sportliche Aussage ist, ganz davon abgesehen, daß Frieden selbstverständlich sein sollte (sonst hätte man ein Kriegszeichen hingemalt). Man zieht sich selbst einen neutralen Boden unter den Füßen weg, eine Art letztes Refugium demokratischen Zusammenseins, abseits der Spaltung, Hetze und was weiß ich noch seitens “unserer” “Regierungen”. Es wäre auch mal wohltuend, sich in Muße abseits von politischer Einflußnahme zu üben.

Übrigens sollen laut den Regeln der “European Broadcasting Union” “sämtliche Texte, Ansprachen und Gesten politischer Natur verboten” sein [1]. Die Ahndung scheint inkonsequent zu sein, wenn eine ukrainische Gruppe nach ihrem Auftritt nicht sofort des Geländes verwiesen wird, weil sie dazu aufriefen, der ukrainischen Bevölkerung zu helfen und sogar subtile politische Botschaften in ihr Lied einbauten (ebenda [1]).

Wenn Künstler die Ereignisse für politische Zwecke mißbrauchen, dann sind sie auszuschließen, unabhängig ihrer Nation. Auch die Zur-Schau-Stellung von Geschlecht (sofern man das bei den anderen ~70 noch so benennen kann, ohne von der eigenen Logik gesteinigt zu werden) oder sexuellen Orientierung erinnert eher an eine Selbstdarstellung, ja geradezu Selbstvermarktung denn an die Darbietung anspruchsvoller Musik nicht nur mit hoher geistiger Schöpfungshöhe, sondern auch eines gesanglichen Talentes. Auf der anderen Seite besteht hier gerade die Gefahr, beim ESC jemandem seine Stimme nicht aufgrund seiner herausragenden Musik zu geben, sondern aus unterschiedlichen Gründen wie Nationalität, Hautfarbe, LGBT…-Zugehörigkeit oder ein extremes Auftreten (eine Frau mit Vollbart zum Beispiel) und so weiter, die Liste ließe sich schier endlos fortsetzen. Das verzerrt das Ergebnis und hat mit Musik nur noch wenig zu tun. Zurück zu den Wurzeln: Wann singt mal wieder eine “Nicole” mit einer Gitarre im Anschlag auf der Bühne “Ein bißchen Frieden”? Was ist seit 1982 aus dem ESC geworden? Umgekehrt wäre ein Erfolg à la “ABBA” heute kaum noch möglich, weil der Musikmarkt schlicht übersättigt ist. Klasse statt Masse scheint hier wichtiger zu sein, um den Produzenten die Kassen zu füllen. Beim ESC kann man sich aus einer Vielzahl von Kandidaten die Erfolgversprechendsten herauspicken, gerade so, als stünde ein fremder Trainer am Rasenrand. Man könnte sie auch eine reine Kommerzveranstaltung nennen.

Menschen aus anderen Ländern sind nicht für deren Politik haftbar zu machen; das schließt auch Forderungen nach etwaigen “Distanzierungen” von irgendwas aus (da kann man in Kunst, Kultur & Sport auch gleich “Gesinnungsprüfungen” einführen, damit es ja keine “falsche” Aussage in den öffentlichen Raum schafft). Wenn ich auf ein Konzert gehe, dann will ich die Musik hören und keine Belehrungen. Beim Kabarett sieht die Sache wiederum anders aus: hier wünsche ich mir sogar eine pointierte & sprachlich-künstlerische Kritik an den Zuständen unserer Politik — und keine angepaßte Linie, die vielleicht sogar noch Kritiker diffamiert.

ESC? Prädikat “Volksverdummung”, kann weg. Opium fürs Volk, Musik für die Massen.

Was ist eine “bubble”? Es klingt englisch…gab es da nicht erst vor kurzem eine Aktion von Albrecht Müller hier auf den NDS [2]?

Mit freundlichen Grüßen,
Michael Schauberger

[1] https://www.gehaltsvergleich.com/news/was-verdient-man-beim-eurovision-song-contest

[2] https://www.nachdenkseiten.de/?p=114889



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Von Veritatis

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