Von Kai Rebmann

Mit Preisverleihungen ist das seit einigen Jahren so eine Sache. Früher hatten diese noch mit echter Leistung zu tun und die jeweiligen Gewinner waren für die breite Masse zumindest noch halbwegs nachvollziehbar. Doch diese Zeiten scheinen längst vorbei, ganz gleich ob es um Film, Literatur oder Sport geht, reitschuster.de hat immer mal wieder über besonders krasse Auswüchse berichtet.

Und spätestens jetzt scheinen auch die sogenannten „Politik-Awards“, die seit dem Jahr 2003 vom Magazin „politik & kommunikation“ und der Quadriga Hochschule vergeben werden, ihre diesbezügliche Unschuld endgültig verloren zu haben. Eigentlich, so betonen es die Macher, sollen damit „außergewöhnliche Leistungen“ in der Politik gewürdigt werden.

Umso größer dürfte die Überraschung bei nicht wenigen gewesen sein, als die Liste mit den Namen der diesjährigen Gewinner veröffentlicht wurde. Bei der „Aufsteigerin des Jahres“ fiel die Wahl der Jury ausgerechnet auf – Ricarda Lang (Grüne).

Ja, richtig gelesen! Die Co-Chefin jener Partei, die just am vergangenen Sonntag bei der EU-Wahl einen kapitalen, ja fast schon historischen Absturz von 20,5 auf 11,9 Prozent (minus 42 Prozent) hinlegte. Man muss wohl kein notorischer Unkenrufer sein, um auch hinter diesem Urteil ganz viel ideologisches Wohlwollen und eher weniger inhaltliche Sachlichkeit zu vermuten.

Krise der Grünen mehr als nur eine Momentaufnahme

Denn: Der Zeitpunkt der Preisverleihung ist bei weitem nicht „nur“ ein sehr unglückliches Timing. Die Umfragewerte der Grünen befinden sich seit Monaten im Keller und die Kurve zeigte auch zuletzt weiter nach unten anstatt dass sich irgendwo auch nur der Ansatz einer Trendwende gezeigt hätte.

Schwer bis gar nicht nachvollziehbar ist es da, ausgerechnet die Co-Vorsitzende der schwächelnden Grünen so ganz aus der Verantwortung zu nehmen. Denn eben dieses Spitzenamt bekleidet Ricarda Lang bekanntlich schon seit Februar 2022, zusammen mit Omid Nouripour. Die Auszeichnung „Aufsteigerin des Jahres“, sofern dafür belastbare Kriterien angelegt werden sollen, kommt also mindestens ein, eher zwei Jahre zu spät.

Über „außergewöhnliche Leistungen“ von Ricarda Lang ist in der jüngsten Vergangenheit nichts bekannt. Diese müssten sich bei einem „Politik-Award“, so jedenfalls das mutmaßliche Verständnis einer Mehrheit objektiver Dritter, auch in „außergewöhnlichen Wahlerfolgen“ niederschlagen – oder alternativ in entsprechenden Beliebtheitswerten.

Doch auch da taucht der Name von Ricarda Lang einer aktuellen INSA-Umfrage nicht unter den Top 10 auf. Ganz anders etwa als jener von Boris Pistorius (SPD), der das Ranking auch jetzt wieder mit 52 Prozent Zustimmung anführt. Der Bundesverteidigungsminister liegt seit Monaten an der Spitze der Erhebungen, gilt inzwischen als ernsthafter Kanzlerkandidat der Sozialdemokraten – und wurde bei den Awards zum „Politiker des Jahres“ gekürt.

Eine Wahl also, die womöglich zwar trotzdem nicht jeder so treffen würde, die sich nach außen aber durchaus verargumentieren und darstellen lässt. Die weiteren diesjährigen Gewinner des „Politik-Awards“ sind Edmund Stoiber (CSU) in der Kategorie „Lebenswerk“ sowie die 102 Jahre alte Holocaust-Überlebende Margot Friedländer, die den „Ehrenpreis“ erhielt.

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Kai Rebmann ist Publizist und Verleger. Er leitet einen Verlag und betreibt einen eigenen Blog.

Bild: Heide Pinkall/Shutterstock

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