Seit Monaten steigt die Gewalt in der Küstenregion rund um Santa Marta wegen bewaffneter Auseinandersetzungen illegaler Gruppen und derer mafiöser Strukturen an. Durch die Kämpfe und Aktionen der in den Drogenhandel verwickelten Paramilitärs wurden im Verwaltungsbezirk Magdalena mindestens 100 Menschen vertrieben, mehrere wurden tot aufgefunden, unter anderem mit Folterspuren und Markierungszeichen der bewaffneten Gruppen. Von Sara Meyer.

Die Einwohner sprechen von einer Rückkehr zur paramilitärischen Gewalt der 1990er-Jahre. Laut Quellen des Espectador tauchen neue kriminelle Banden auf, die möglicherweise dem Golf Clan (Clan del Golfo) unterstellt sind. Diese seien auch für die Zerstückelung des Mannes verantwortlich. Der März dieses Jahres wird für Magdalena als der gewalttätigste Monat der letzten vier Jahre in die Geschichte eingehen: In 31 Tagen 88 registrierte Todesfälle, das heißt, alle sieben Stunden starb ein Mensch. Die meisten Fälle sind auf angeheuerte Killer zurückzuführen. Außerdem gab es im Februar ein Massaker im Dorf Fundación, das vier Personen in den Tod riss.

Der paramilitärische Golf Clan und die Paramilitärs der Selbstverteidigungsgruppe Eroberer der Sierra Nevada (Autodefensas Conquistadores de la Sierra Nevada ACSN) befinden sich seit mehreren Wochen in einem Territorialstreit. Der Golf Clan versucht, die Kontrolle über die von der ACSN beherrschte Sierra Nevada Bergkette zu erlangen. Betroffen sind Randbezirke von Santa Marta und stark von Armut betroffene Gemeinden wie Ciénega und Fundación. Bereits vergangenes Jahr befand sich die Stadt erneut unter den 50 gewalttätigsten Städten der Welt und belegte mit 206 Morden den Platz 37.

Die Zuspitzung der Gewalt veranlasste Präsident Gustavo Petro jüngst zu einem Besuch der Karibikstadt Santa Marta. In seiner Rede, die er unter dem Banner „Regierung mit den Arbeitervierteln” (Gobierno con los barrios populares) hielt, sprach Petro über die Sicherheitslage.

Petro zeigte sich besorgt über die schwierige Situation der Kriminalität, die die Gegend aufgrund der territorialen Kontrolle des Paramilitarismus und des Drogenhandels plagt und junge Menschen das Leben kostet:

„In einem einzigen und allumfassenden Wort: Die Gier hat die Bevölkerung unterjocht, die Erpressung des Golf Clans, wo man hinschaut bringen sich junge Menschen überall gegenseitig um, junge Menschen ohne Perspektive und Möglichkeiten, die glauben, dass leben oder töten der einzige Weg ist, obwohl sie wissen, dass man mordend nicht leben kann.“

Das Staatsoberhaupt ordnete die bewaffneten Gruppen als unpolitisch ein und sagte „sie haben in der Sierra einen Friedensprozess vorgeschlagen, was schwierig ist, weil sie keine Politik vertreten und es diese schon lange nicht mehr gibt, die Politik mit Waffen. Was es gibt, sind Geschäfte mit Waffen, blutig, aber wir müssen eine Lösung finden.” Der Kommandant der ACSN César Gustavo Becerra Gómez, der im April von staatlichen Sicherheitskräften festgenommen wurde, hatte Petros Regierung zuvor mehrmals aufgefordert, mit seinen Paramilitärs offizielle Friedensgespräche zu beginnen.

Petro kritisierte das Sicherheitskonzept der Stadt Santa Marta und erklärte, dass die Häfen zu Zwischenstationen für den Drogenhandel geworden seien. Die Situation würde die lokale Politik zerstören. Er versprach, dass seine Regierung weiterhin hart gegen die Mafia kämpfen werde und den Drogenhändlern die Grundlage entziehen würde.

Laut Petro ist die Karibikküste und der kolumbianische Pazifik jahrzehntelang die Route des Paramilitarismus gewesen. Er bekundete seine Absicht, die Sicherheit der Region zu erhöhen.

Eine der Hauptforderungen der Bevölkerung der Region ist, dass die nationale Regierung eine Entscheidung darüber trifft, ob sie mit dem Golf Clan und den ACSN verhandeln will oder nicht. Es herrscht Unsicherheit über die Pläne der Regierung. Im September 2023 wurde zunächst ein Zusammenschluss „Misión de Paz” (Mission des Friedens) ins Leben gerufen, nach kurzer Zeit jedoch wieder eingefroren. Lerber Dimas Vásquez, Forscher für bewaffnete Konflikte und Direktor der Plattform der Menschenrechtsverteidiger der Sierra Nevada de Santa Marta (PDHAL), sagte gegenüber El Espectador, dass die Regierung „kurzsichtig” gegen das Gewaltproblem vorgehe.

Der ersten Linksregierung des Landes verbleiben nur noch zwei Jahre in ihrer Amtszeit, eine Lösung für das vielschichtige Problem, das die Karibikregion schon lange erschüttert, zu finden.

Dieser Artikel erschient zuerst auf Amerika21.

Titelbild: Shutterstock / esfera



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Von Veritatis

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