In der bezaubernden Welt des klassischen chinesischen Tanzes wirkt jede Bewegung wie ein lyrischer Pinselstrich, der Poesie in die Luft zaubert. Mit jedem Sprung, jedem Salto und jeder Drehung auf der Bühne fangen begnadete Tänzerinnen und Tänzer die vergängliche Schönheit des Daseins ein – ein flüchtiger Augenblick, geprägt von intensiver Lebendigkeit.
Acht Solotänzerinnen des weltberühmten New Yorker Ensembles Shen Yun Performing Arts geben Einblicke in ihre wertvollen Erfahrungen und verraten, wie sie diese uralte Tanzkunst perfektionieren. Wie gelingt es ihnen, scheinbar mühelos mit magischen Bewegungen durch die Lüfte zu gleiten?
Solotänzerin I: Angelia Wang
„In meiner Freizeit widme ich mich der Kalligrafie. Ähnlich wie der klassische chinesische Tanz strebt auch die Kalligrafie nach innerer Schönheit. Beide Kunstformen verkörpern die gegensätzlichen Prinzipien von Yin und Yang – zuerst rückwärtsgehen, um vorwärtszukommen, oder nach rechts gehen, um nach links zu gelangen – ein einzigartiges Konzept, das in der traditionellen chinesischen Kultur verwurzelt ist.“ – Angelia Wang

Angelia Wang © Shen Yun Performing Arts
Angelia Wang ist zweifellos eine der erfahrensten Darstellerinnen bei Shen Yun. Bereits seit den Anfängen des Ensembles im Jahr 2007 ist sie dabei. Obwohl inzwischen fast zwei Jahrzehnte vergangen sind, strahlt sie immer noch dieselbe jugendliche Anmut und Leidenschaft für den klassischen chinesischen Tanz aus wie an ihrem ersten Tag.
Was sich jedoch im Laufe der Jahre weiterentwickelt hat, ist ihr tiefes Gespür, sich auszudrücken – ein faszinierender Aspekt, der dem klassischen chinesischen Tanz innewohnt. Ausdrucksstärke ist eine geheimnisvolle Eigenschaft, die über die reine Körpersprache hinausgeht. Sie erfordert eine kontinuierliche Verfeinerung des Inneren, wodurch selbst mit kleinsten Bewegungen die subtilsten Emotionen vermittelt werden können.
Oder mit Wangs Worten gesagt: „Gute Kunst basiert auf Erfahrung – einer soliden Fertigkeit, die man mit der Zeit meistert. Wenn man sie wirklich beherrscht, wird das Publikum das natürlicherweise wahrnehmen, auf der Bühne und auf dem Papier.“
Solotänzerin II: Melody Qin
„Nach der Kulturrevolution sind viele Traditionen verloren gegangen. Ich bin sehr glücklich, dass ich zu Shen Yun gekommen bin, wo mir bewusst wird, wie großartig die 5.000-jährige chinesische Zivilisation tatsächlich ist. Jedes Jahr lernen wir neue Fähigkeiten und Choreografien, entdecken immer wieder Neues und lassen so Stück für Stück die vergessene traditionelle chinesische Kultur wieder aufleben.“ — Melody Qin

Melody Qin © Shen Yun Performing Arts
Im Gegensatz zur weit verbreiteten Meinung, dass Tanzen ausschließlich aus anstrengenden und akrobatischen Bewegungen besteht, vertritt Melody Qin, die seit 2007 mit Shen Yun auf der Bühne steht, eine andere Ansicht. „Der Körper folgt dem Geist. Man muss zunächst die Rolle in ihrer Tiefe erfassen“, erklärt sie.
Was sie damit meint, veranschaulicht sie anhand einer Rolle, die sie bei Shen Yun verkörperte: den „Weißen Knochendämon“, eine bösartige Figur aus dem chinesischen Klassiker „Die Reise nach Westen“. Durch diese Rolle lernte sie, wie man sich wirklich durch Tanz ausdrückt.
„Die Charaktere, die ich zuvor dargestellt hatte, waren alle rein, wie Feen oder edle Damen aus alten Zeiten“, erklärt Qin. „Es war das erste Mal, dass ich die Rolle eines Dämons spielte. Ich war beschämt. Es fiel mir schwer, die Bewegungen auszuführen und den passenden Ausdruck in meinen Augen zu finden.“
Die Schwierigkeiten hielten an, bis eine Tanzlehrerin ihr die Augen öffnete und ihr klar machte, dass man nur durch das Spielen einer bösartigen Rolle wahre Rechtschaffenheit verstehen kann. Anders gesagt: Die Darstellung des Bösen unterstreicht den Gegenpol zum Guten und verleiht der künstlerischen Darbietung des Tänzers zusätzliche Tiefe.
Solotänzerin III: Tiffany Lin
„Bei unseren Proben sagen die Lehrer oft: ‚Wenn Hände und Augen in der richtigen Position sind, sollte es auch das Herz sein. Dann wird es wirklich eine vollständige und anmutige Tanzbewegung.‘“ —Tiffany Lin

Tiffany Lin © Shen Yun Performing Arts
Mehr als 20 Jahre ist es her, dass ein junges Mädchen aus Taiwan einen geheimen Wunsch hatte. Nacht für Nacht träumte Tiffany Lin davon, in den Himmel zu steigen, um mit himmlischen Jungfrauen auf den Wolken zu tanzen. „Ich möchte mit ihnen tanzen“, flüsterte sie beim Einschlafen.
Im Jahr 2008 wurde ihr Traum Wirklichkeit, als sie sich dem renommierten New Yorker Ensemble Shen Yun anschloss. Obwohl sie als jüngstes und unerfahrenstes Mitglied der Kompanie begann, hat sie sich zu einer gestandenen Solotänzerin hochgearbeitet. Im Laufe der Jahre hat sie die Bühnen einiger der renommiertesten Theater der Welt erobert.
Heute tanzt Lin mit jenen wunderschönen, anmutigen Damen, von denen sie so lange geträumt hat. Im Gegenzug beflügelt sie nun die Fantasie einer ganz neuen Generation aufstrebender Tänzerinnen.
Solotänzerin IV: Michelle Lian
„Schönheit ist etwas, das bei anderen Menschen ein positives Gefühl erzeugt.“ — Michelle Lian

Michelle Lian © Shen Yun Performing Arts
„Viele kleine Dinge zusammen prägen mein Schönheitsideal – und Selbstvertrauen ist ein wesentlicher Bestandteil von Schönheit“, sagt Michelle Lian, die seit 2013 Mitglied des Shen-Yun-Ensembles ist. Sie berichtet von einer eindrücklichen Erfahrung, die ihr Selbstvertrauen in der Anfangszeit bei Shen Yun gestärkt hat. Es ging um eine ihrer ersten Solorollen, den Tanz in „Yellow Flowers“. Obwohl sie eine äußerst talentierte Tänzerin war, zweifelte sie daran, ob sie der mit ihrer Rolle verbundenen Aufgabe gewachsen sein würde.
„Es erfordert Mut, sich der Unsicherheit und der Angst zu stellen“, erzählt Lian. Ihre Tanzkolleginnen spürten ihre Selbstzweifel und stärkten Lian mit unausgesprochener Unterstützung, die von Herzen kam. Während einer Probe vor der Tournee taten sich die talentierten Tänzerinnen zusammen und arrangierten etwas ganz Besonderes für Lian.
„Bei jeder Bewegung hielten sie sich bewusst zurück, damit ich innerhalb der Gruppe besser zur Geltung kam“, erinnert sich Lian gerührt. „Ich bemerkte ihre zusätzlichen Anstrengungen, um mich als Solotänzerin glänzen zu lassen. Dieser Moment war ein Wendepunkt und schenkte mir das nötige Selbstvertrauen.“
Solotänzerin V: Evangeline Zhu
„Unser Lehrer für klassisches Chinesisch lehrt uns, dass man drei Voraussetzungen erfüllen muss, um Großes zu erreichen: den Auftrag des Himmels, tugendhaftes Verhalten und Talent.“ — Evangeline Zhu

Evangeline Zhu © Shen Yun Performing Arts
Evangeline Zhu, seit 2013 bei Shen Yun zu sehen, hatte das Glück, in einem kreativen Umfeld aufzuwachsen, in dem die Künste sowohl gefeiert als auch gefördert wurden. Schon im zarten Alter von fünf Jahren erhielt sie Klavierunterricht. Kurze Zeit später nahm sie auch Tanzstunden.
Bei Shen Yun haben Zhu und ihre Kolleginnen die seltene Gelegenheit, eine längst verlorene Technik zu erlernen, die heute einzigartig für das Ensemble ist: Sie ist als Shen-Dai-Shou und Kua-Dai-Tui bekannt, was so viel bedeutet wie „der Körper führt die Hände, die Hüften führen die Beine“. Diese wertvolle Methode ist die Krönung des klassischen chinesischen Tanzes und ermöglicht es den Tänzern, ihre Bewegungen zu vollendeter Schönheit zu entfalten.
„Diese Ausdehnung verleiht nicht nur Anmut und Dynamik, sondern schafft auch mehr Raum für Ausdruck, wodurch die Darbietung kraftvoller wird“, erläutert Zhu.
Solotänzerin VI: Bella Fan
„Als klassische chinesische Tänzerin bin ich selbstbewusster, widerstandsfähiger, geduldiger und ausdauernder geworden.“ — Bella Fan

Bella Fan © Shen Yun Performing Arts
Traditionelle chinesische Künste sind im Wesentlichen darauf ausgerichtet, die Seele zu berühren. Ob es sich dabei um den Schwung eines Pinsels, das Zupfen einer Guzheng oder das Singen eines Liedes handelt – jede flüchtige Nuance birgt eine künstlerische Botschaft.
Für Bella Fan, die seit 2016 Shen Yun angehört, spiegelt sich diese Botschaft im Tanz in jedem Aspekt ihrer Form wider, von der Armhaltung bis zum spezifischen Tempo ihrer Schritte. Der Körper wird zu einem lebendigen Pinsel, mit dem sich das Herz auszudrücken vermag.
„Aus diesem Grund beginnt der klassische chinesische Tanz im Herzen“, erklärt Fan.
Solotänzerin VII: Carol Huang
„Dieselbe Bewegung kann unterschiedliche Dinge ausdrücken, weil das Gefühl hinter der Bewegung ein anderes ist. Das ist eine der einzigartigen Eigenschaften des klassischen chinesischen Tanzes.“ – Carol Huang

Carol Huang © Shen Yun Performing Arts
Carol Huang, seit 2018 bei Shen Yun zu sehen, wurde zum Tanzen geboren. Mit ihrer schlanken Figur und ihrer natürlichen Beweglichkeit begann sie im Alter von vier Jahren mit dem Training – und tanzte sich bis zur Weltklasse. Sie gewann dreimal die Goldmedaille beim internationalen NTD-Wettkampf für klassischen chinesischen Tanz.
Als Nachwuchstalent von Shen Yun erhielt Huang die begehrte Rolle der Lady Diao Chan. Als eine der legendärsten Schönheiten der chinesischen Geschichte erreichte Lady Diao Chan, was kein Krieger vermochte: Sie beendete eine Ära des Terrors durch ihre geschickte Inszenierung einer Dreiecksbeziehung zwischen einem rücksichtslosen Tyrannen und seinem Adoptivsohn.
Auf die Frage, wie es ihr gelungen sei, eine so geschichtsträchtige, geheimnisvolle Figur in nur zehn Minuten zu präsentieren, gab Huang ihre einzigartige Sichtweise preis. Während sich die meisten Tänzerinnen auf Diao Chans außergewöhnliche Schönheit und ihre bemerkenswerten Fähigkeiten für List und Intrigen fokussieren, entschied sich Huang dafür, ihre Darstellung auf die tiefsten Emotionen dieser Heldin zu konzentrieren.
Anfangs glaubte Huang, dass die Szenen mit dem Tyrannen und dessen Sohn – voller schneller Bewegungen und schwieriger Techniken – die größte Herausforderung seien. Als sie sich jedoch mehr mit der Figur beschäftigte, erkannte sie den ausschlaggebenden Wendepunkt in der Geschichte: den Moment, als Diao Chans Vater sie um Hilfe bat. „Ich konnte spüren, wie sie in diesem Moment innerlich mit sich rang – ob sie sich für die Sache opfern und jemandem wie Dong Zhuo dienen sollte, der so verräterisch und skrupellos war, wodurch ihr Leben ständig auf dem Spiel stand“, erklärt Huang. „Schließlich entscheidet sie sich, sich für andere zu opfern. Sie ist sehr mutig.“
Solotänzerin VIII: Lillian Parker
„Es fühlt sich viel geheimnisvoller an, wenn das Gefühl langsam nach außen dringt, anstatt auf der Bühne zu explodieren.“ — Lillian Parker

Lillian Parker © Shen Yun Performing Arts
Lillian Parker, seit 2018 mit Shen Yun auf Tour, wuchs in Toronto auf. Nie hätte sie sich träumen lassen, dass sie eines Tages zu den besten klassischen chinesischen Tänzerinnen der Welt gehören würde. Doch als sich die Gelegenheit bot, stellte sie ihr Können unter Beweis.
Für Parker ist klassischer chinesischer Tanz mehr als nur makellos ausgeführte Saltos und Sprünge. Tatsächlich besteht einer der wichtigsten Aspekte dieser Kunst – innerste Gefühle durch Gesten zu vermitteln – in der Ausdruckskraft.
„Für uns aus dem Westen ist das etwas anders, da wir bereits recht offen sind“, erklärt sie und fährt fort: „Ich stelle mir vor, wie ich das Gefühl in meinem Herzen bündele und es dann von innen nach außen drücke. Das hat eine enorme Kraft.“