Die Geschichte zwischen Wolf und Mensch ist eine voller Konflikte. Für mehr als 150 Jahre galt der Jäger als ausgerottet. Erst um die Jahrtausendwende zog er wieder in die Wälder ein. Und wieder gibt es Streit.
Vor allem Bäuer*innen, die Weidetiere halten, sind nicht angetan vom Comeback des Jägers. Tierschützer*innen wiederum sind nicht erfreut über die Einführung der Bejagung der Tiere. Die gute Nachricht: Das ist ein lösbarer Konflikt. Es ist nur wichtig, wie er angegangen wird. Und da lohnt es sich, genauer hinzuschauen.
Die Bundesregierung verspricht also Abhilfe mit der Bejagung des Tieres. Es geht ihr dabei allerdings nicht um schnellere Abschüsse derjenigen Wölfe, die trotz Herdenschutz Weidetiere reißen. Die wären aber dringend nötig. Stattdessen folgt das neue Gesetz der ebenso einfachen wie leider falschen Hypothese, weniger Wölfe würden automatisch weniger Probleme für die Weidetierhaltung bedeuten. Aber trägt diese Annahme?
Ein derart weitreichender Gesetzeseingriff darf sich nicht auf vage Hoffnungen stützen. Auch das Tierschutzgesetz verlangt einen vernünftigen Grund für einen Abschuss, eine „Annahme“ reicht dafür nicht aus. Der Stand der Wissenschaft ist bei dieser Frage eindeutig: Die allgemeine Bejagung oder Bestandsreduktion führt nicht automatisch zu weniger Rissen. Zahlreiche Studien belegen das.
In Frankreich wurden 2023 bei vergleichbarem Wolfsbestand wie in Deutschland dreimal so viele Risse registriert – obwohl dort jährlich 20 Prozent der Population geschossen werden! Auch Weidetierhalterinnen und -halter haben bei einer Anhörung im Bundestag deutlich gemacht, dass ihnen eine anlasslose Bejagung nicht hilft. Ungeschützte Herden bleiben auch dann gefährdet, wenn nur wenige Wölfe da sind. Zudem warnen Praktiker davor, dass der Abschuss unauffälliger Rudel am Ende sogar zu mehr Rissen führen kann, weil bestehende rudelinterne Sozialstrukturen zerstört werden.
Die Gelder für den Herdenschutz werden nicht abgerufen
Leider trügt auch die auf den ersten Blick so charmante Idee „wolfsfreier Weidegebiete“, in denen Herdenschutz pauschal einfach als „unzumutbar“ definiert wird. Die erhoffte Sicherheit kann dort aber nicht erreicht werden, denn Jungwölfe können jederzeit neu einwandern – es sei denn, man rottet den Wolf in Mitteleuropa wieder komplett aus. Das hatten wir schon mal.
Auch von zielgerichteter Bejagung kann beim Gesetz kaum die Rede sein. Der vorgesehene Radius von 20 Kilometern nach Rissen an geschützten Herden kann gleich mehrere Wolfsterritorien betreffen, sodass auch Wolfsrudel, die mit einem Riss gar nichts zu tun haben, zum Abschuss freigegeben werden.
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Um Risszahlen zu minimieren, gibt es keine „silver bullet“, also keine eindeutige Lösung für alles. Für tragfähige Lösungen sind vielmehr zwei Säulen entscheidend. Erstens: Guter Herdenschutz und umfassende, unbürokratische Unterstützung der Betriebe. Zweitens: Eine schnelle und rechtssichere Entnahme tatsächlich problematischer Tiere, die Herdenschutzmaßnahmen überwinden.
Zu beiden Säulen trägt dieses Gesetz aber leider wenig bei. Er vergibt damit eine große Chance und setzt gleichzeitig viel aufs Spiel. Zwar hat Umweltminister Carsten Schneider von der SPD im Bundestag betont, der Weidetierschutz verdiene „absolute Priorität“, aber zu mehr als einem unverbindlichen Prüfauftrag hierzu konnte sich die Bundesregierung nicht durchringen.
Auch muss die Frage beantwortet werden, warum viele der Unionsagrarminister in den Ländern die bereitstehenden Fördermittel für den Herdenschutz aus der Gemeinschaftsaufgabe Agrar- und Küstenschutz (GAK) im letzten Jahr nicht abgerufen haben. Die Betriebe dort werden also mit der Belastung offenbar allein gelassen und deren Leidensdruck (absichtlich?) erhöht. Dass die dann nach Abschuss rufen, ist kaum verwunderlich.
Die Öffnung zur anlasslosen Bejagung könnte den Herdenschutz sogar noch schwächen. Wenn Weidetierbetriebe sich in trügerischer Sicherheit wiegen oder Fördergelder für Herdenschutz infrage gestellt werden, untergräbt das wichtige Präventionsmaßnahmen. In ausgewiesenen „wolfsfreien Weidegebieten“ wird Herdenschutz dann pauschal als „unzumutbar“ gelten, dürfte also gar nicht mehr über öffentliche Gelder unterstützt werden. Ist die neue Regelung also nur ein Mittel, die Gelder für den kostenintensiven Herdenschutz streichen zu können?
Der Wolf als unser Verbündeter im Wald
Genau das wäre fatal! Denn die Praxis zeigt: Gerade in den Bundesländern, in denen Wölfe und guter Herdenschutz schon länger etabliert sind, gehen die Risszahlen deutlich zurück. Und die Mehrheit aller Risse findet bei nicht oder nur mangelhaft geschützten Herden statt. Hier zeigt sich die Schieflage einer Debatte, die sich fast ausschließlich um Abschüsse dreht, statt die Betriebe bei Herdenschutzmaßnahmen systematisch zu stärken.
Auch für unsere Natur ist die anlasslose Bejagung des Wolfes eine vertane Chance: Denn der Wolf erfüllt wichtige Funktionen im ökologischen Netz: Er reguliert überhöhte Schalenwildbestände, durch deren intensiven Verbiss Laubbäume nicht aufwachsen können. Damit unterstützt der Wolf den dringend notwendigen Waldumbau hin zu klimastabilen Mischwäldern. Gerade in Zeiten von Dürre und Borkenkäfer ist jeder Verbündete für resilientere Wälder wichtig. Wer den Wald schützen möchte, kann das nicht ausblenden.
Zudem wirft das Gesetz rechtliche Fragen auf: So ist unklar, ob es wenigstens die Entnahme von Schadwölfen erleichtert, weil mit ihm zahlreiche Konflikte mit EU-Recht und weitere Rechtsunsicherheiten verbunden sind. Durch die Aufnahme des Wolfes ins Jagdrecht und die Vermengung zweier Rechtskreise entstehen Unklarheiten bei Zuständigkeiten, zwischen Jagd- und Naturschutzbehörden. Dies könnte notwendige Abschüsse von Schadwölfen komplizierter statt einfacher machen. Davor haben zwanzig Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus Baden-Württemberg jüngst in einem „Offenen Brief“ gewarnt.
Ja, Herdenschutz ist aufwendig und kostet Geld. Und viele Weidetierhalter stehen bereits unter enormem wirtschaftlichen Druck – auch wegen einer verfehlten Agrarförderung, die ihre wichtigen Leistungen nicht fair honoriert. Aber Symbolpolitik mit pauschaler Bejagung zu betreiben, löst diese strukturellen Probleme nicht, sondern verschleppt sie. Das verstärkt am Ende Frust und Politikverdrossenheit. Und bringt uns keinen Schritt voran für eine funktionierende Koexistenz. Gerade in Berggebieten und auf Deichen ist ein wirksamer Herdenschutz besonders anspruchsvoll. Hier muss deutlich mehr in Beratung und Förderung investiert werden. Und auch in Forschung, um mit innovativen Methoden den Herdenschutz zu erleichtern.
Dafür gibt es Vorbilder: Deutsche Wissenschaftler konnten in Namibia nachweisen, dass an Markierungsplätzen von Geparden gehäuft Risse vorkommen. Durch gezielte Meidung dieser Orte bei Herden mit Kälbern konnten die Viehzüchter die Risszahlen deutlich reduzieren. Wildtierforschung, die Nutzung von KI und Digitalisierung bieten viel Potenzial, auch beim Wolf gute neue Lösungen zu finden. In Italien helfen beispielsweise Interventionsteams, Schutzkompetenzen in betroffenen Betrieben und Regionen aufzubauen und Problemlagen zu meistern.
Rationalität statt Dämonisierung oder Romantisierung
Unser Umgang mit dem Wolf ist ein Lackmustest für die Reife einer Gesellschaft, mit ihren natürlichen Lebensgrundlagen verantwortungsvoll umzugehen. Und auch, ob wir als wohlhabendes Land eine dauerhafte Koexistenz mit Wildtieren erreichen wollen, die eben auch Probleme verursachen können – ob Wolf, Biber oder Fischotter.
Nicht nur, aber insbesondere in Afrika leiden viele Menschen, die am Existenzminimum leben, darunter, dass Raubtiere ihre Herden angreifen oder Elefanten ihre Felder zerstören. Deutschlands Glaubwürdigkeit im globalen Artenschutz wird auch daran gemessen werden, wie wir selbst Wildtierkonflikte lösen.
Mit dem Wolf zu leben, erfordert Kompetenzerweiterung. Neu denken und handeln. Weder Dämonisierung noch Romantisierung helfen weiter. Entscheidend sind Sachlichkeit, Augenmaß und die Bereitschaft, differenziert zu handeln. Das gilt auch für den Fall des Hornisgrinde-Wolfs im Schwarzwald. Die vom Verwaltungsgericht Stuttgart bestätigte Abschussgenehmigung dieses Wolfes ist sachgerecht. Wenn Vergrämung bei einem Wolf nachweislich gescheitert ist, der offensichtlich wiederholt die direkte Nähe von Menschen mit Hündinnen sucht, dann muss gehandelt werden, zumal unbedachter Wolfstourismus dieses Verhalten nur noch verstärkt. Durch diese Fehlprägung besteht ein hohes Risiko, dass das Tier irgendwann Menschen angreift, wie bei einem ähnlichen Fall in den Niederlanden geschehen. Dennoch empört die Genehmigung viele Menschen.
Damit das Zusammenleben mit dem Wolf gelingt, braucht es also klare Regeln und die Bereitschaft, wissenschaftliche Erkenntnisse über emotionale Reflexe zu stellen. Genau darum sollte es in der aktuellen Debatte gehen: gute, faktenbasierte Lösungen voranzubringen, die Weidetierhaltende stärken und zugleich Artenschutz und die gesellschaftliche Akzeptanz des Wolfes sichern.
Dieser Text zuerst am 6. März 2026 erschienen
. Die wären aber dringend nötig. Stattdessen folgt das neue Gesetz der ebenso einfachen wie leider falschen Hypothese, weniger Wölfe würden automatisch weniger Probleme für die Weidetierhaltung bedeuten. Aber trägt diese Annahme?Ein derart weitreichender Gesetzeseingriff darf sich nicht auf vage Hoffnungen stützen. Auch das Tierschutzgesetz verlangt einen vernünftigen Grund für einen Abschuss, eine „Annahme“ reicht dafür nicht aus. Der Stand der Wissenschaft ist bei dieser Frage eindeutig: Die allgemeine Bejagung oder Bestandsreduktion führt nicht automatisch zu weniger Rissen. Zahlreiche Studien belegen das.In Frankreich wurden 2023 bei vergleichbarem Wolfsbestand wie in Deutschland dreimal so viele Risse registriert – obwohl dort jährlich 20 Prozent der Population geschossen werden! Auch Weidetierhalterinnen und -halter haben bei einer Anhörung im Bundestag deutlich gemacht, dass ihnen eine anlasslose Bejagung nicht hilft. Ungeschützte Herden bleiben auch dann gefährdet, wenn nur wenige Wölfe da sind. Zudem warnen Praktiker davor, dass der Abschuss unauffälliger Rudel am Ende sogar zu mehr Rissen führen kann, weil bestehende rudelinterne Sozialstrukturen zerstört werden.Die Gelder für den Herdenschutz werden nicht abgerufenLeider trügt auch die auf den ersten Blick so charmante Idee „wolfsfreier Weidegebiete“, in denen Herdenschutz pauschal einfach als „unzumutbar“ definiert wird. Die erhoffte Sicherheit kann dort aber nicht erreicht werden, denn Jungwölfe können jederzeit neu einwandern – es sei denn, man rottet den Wolf in Mitteleuropa wieder komplett aus. Das hatten wir schon mal.Auch von zielgerichteter Bejagung kann beim Gesetz kaum die Rede sein. Der vorgesehene Radius von 20 Kilometern nach Rissen an geschützten Herden kann gleich mehrere Wolfsterritorien betreffen, sodass auch Wolfsrudel, die mit einem Riss gar nichts zu tun haben, zum Abschuss freigegeben werden.Placeholder image-1Um Risszahlen zu minimieren, gibt es keine „silver bullet“, also keine eindeutige Lösung für alles. Für tragfähige Lösungen sind vielmehr zwei Säulen entscheidend. Erstens: Guter Herdenschutz und umfassende, unbürokratische Unterstützung der Betriebe. Zweitens: Eine schnelle und rechtssichere Entnahme tatsächlich problematischer Tiere, die Herdenschutzmaßnahmen überwinden.Zu beiden Säulen trägt dieses Gesetz aber leider wenig bei. Er vergibt damit eine große Chance und setzt gleichzeitig viel aufs Spiel. Zwar hat Umweltminister Carsten Schneider von der SPD im Bundestag betont, der Weidetierschutz verdiene „absolute Priorität“, aber zu mehr als einem unverbindlichen Prüfauftrag hierzu konnte sich die Bundesregierung nicht durchringen.Auch muss die Frage beantwortet werden, warum viele der Unionsagrarminister in den Ländern die bereitstehenden Fördermittel für den Herdenschutz aus der Gemeinschaftsaufgabe Agrar- und Küstenschutz (GAK) im letzten Jahr nicht abgerufen haben. Die Betriebe dort werden also mit der Belastung offenbar allein gelassen und deren Leidensdruck (absichtlich?) erhöht. Dass die dann nach Abschuss rufen, ist kaum verwunderlich.Die Öffnung zur anlasslosen Bejagung könnte den Herdenschutz sogar noch schwächen. Wenn Weidetierbetriebe sich in trügerischer Sicherheit wiegen oder Fördergelder für Herdenschutz infrage gestellt werden, untergräbt das wichtige Präventionsmaßnahmen. In ausgewiesenen „wolfsfreien Weidegebieten“ wird Herdenschutz dann pauschal als „unzumutbar“ gelten, dürfte also gar nicht mehr über öffentliche Gelder unterstützt werden. Ist die neue Regelung also nur ein Mittel, die Gelder für den kostenintensiven Herdenschutz streichen zu können?Der Wolf als unser Verbündeter im WaldGenau das wäre fatal! Denn die Praxis zeigt: Gerade in den Bundesländern, in denen Wölfe und guter Herdenschutz schon länger etabliert sind, gehen die Risszahlen deutlich zurück. Und die Mehrheit aller Risse findet bei nicht oder nur mangelhaft geschützten Herden statt. Hier zeigt sich die Schieflage einer Debatte, die sich fast ausschließlich um Abschüsse dreht, statt die Betriebe bei Herdenschutzmaßnahmen systematisch zu stärken. Auch für unsere Natur ist die anlasslose Bejagung des Wolfes eine vertane Chance: Denn der Wolf erfüllt wichtige Funktionen im ökologischen Netz: Er reguliert überhöhte Schalenwildbestände, durch deren intensiven Verbiss Laubbäume nicht aufwachsen können. Damit unterstützt der Wolf den dringend notwendigen Waldumbau hin zu klimastabilen Mischwäldern. Gerade in Zeiten von Dürre und Borkenkäfer ist jeder Verbündete für resilientere Wälder wichtig. Wer den Wald schützen möchte, kann das nicht ausblenden.Zudem wirft das Gesetz rechtliche Fragen auf: So ist unklar, ob es wenigstens die Entnahme von Schadwölfen erleichtert, weil mit ihm zahlreiche Konflikte mit EU-Recht und weitere Rechtsunsicherheiten verbunden sind. Durch die Aufnahme des Wolfes ins Jagdrecht und die Vermengung zweier Rechtskreise entstehen Unklarheiten bei Zuständigkeiten, zwischen Jagd- und Naturschutzbehörden. Dies könnte notwendige Abschüsse von Schadwölfen komplizierter statt einfacher machen. Davor haben zwanzig Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus Baden-Württemberg jüngst in einem „Offenen Brief“ gewarnt.Ja, Herdenschutz ist aufwendig und kostet Geld. Und viele Weidetierhalter stehen bereits unter enormem wirtschaftlichen Druck – auch wegen einer verfehlten Agrarförderung, die ihre wichtigen Leistungen nicht fair honoriert. Aber Symbolpolitik mit pauschaler Bejagung zu betreiben, löst diese strukturellen Probleme nicht, sondern verschleppt sie. Das verstärkt am Ende Frust und Politikverdrossenheit. Und bringt uns keinen Schritt voran für eine funktionierende Koexistenz. Gerade in Berggebieten und auf Deichen ist ein wirksamer Herdenschutz besonders anspruchsvoll. Hier muss deutlich mehr in Beratung und Förderung investiert werden. Und auch in Forschung, um mit innovativen Methoden den Herdenschutz zu erleichtern.Dafür gibt es Vorbilder: Deutsche Wissenschaftler konnten in Namibia nachweisen, dass an Markierungsplätzen von Geparden gehäuft Risse vorkommen. Durch gezielte Meidung dieser Orte bei Herden mit Kälbern konnten die Viehzüchter die Risszahlen deutlich reduzieren. Wildtierforschung, die Nutzung von KI und Digitalisierung bieten viel Potenzial, auch beim Wolf gute neue Lösungen zu finden. In Italien helfen beispielsweise Interventionsteams, Schutzkompetenzen in betroffenen Betrieben und Regionen aufzubauen und Problemlagen zu meistern.Rationalität statt Dämonisierung oder RomantisierungUnser Umgang mit dem Wolf ist ein Lackmustest für die Reife einer Gesellschaft, mit ihren natürlichen Lebensgrundlagen verantwortungsvoll umzugehen. Und auch, ob wir als wohlhabendes Land eine dauerhafte Koexistenz mit Wildtieren erreichen wollen, die eben auch Probleme verursachen können – ob Wolf, Biber oder Fischotter.Nicht nur, aber insbesondere in Afrika leiden viele Menschen, die am Existenzminimum leben, darunter, dass Raubtiere ihre Herden angreifen oder Elefanten ihre Felder zerstören. Deutschlands Glaubwürdigkeit im globalen Artenschutz wird auch daran gemessen werden, wie wir selbst Wildtierkonflikte lösen.Mit dem Wolf zu leben, erfordert Kompetenzerweiterung. Neu denken und handeln. Weder Dämonisierung noch Romantisierung helfen weiter. Entscheidend sind Sachlichkeit, Augenmaß und die Bereitschaft, differenziert zu handeln. Das gilt auch für den Fall des Hornisgrinde-Wolfs im Schwarzwald. Die vom Verwaltungsgericht Stuttgart bestätigte Abschussgenehmigung dieses Wolfes ist sachgerecht. Wenn Vergrämung bei einem Wolf nachweislich gescheitert ist, der offensichtlich wiederholt die direkte Nähe von Menschen mit Hündinnen sucht, dann muss gehandelt werden, zumal unbedachter Wolfstourismus dieses Verhalten nur noch verstärkt. Durch diese Fehlprägung besteht ein hohes Risiko, dass das Tier irgendwann Menschen angreift, wie bei einem ähnlichen Fall in den Niederlanden geschehen. Dennoch empört die Genehmigung viele Menschen.Damit das Zusammenleben mit dem Wolf gelingt, braucht es also klare Regeln und die Bereitschaft, wissenschaftliche Erkenntnisse über emotionale Reflexe zu stellen. Genau darum sollte es in der aktuellen Debatte gehen: gute, faktenbasierte Lösungen voranzubringen, die Weidetierhaltende stärken und zugleich Artenschutz und die gesellschaftliche Akzeptanz des Wolfes sichern. Dieser Text zuerst am 6. März 2026 erschienen