In diesem besonderen Fall muss ich eines vorausschicken – ich bin sehr tierlieb, und meine Leser wissen das. Weil ich sie immer wieder mal mit Katzengeschichten behellige, insbesondere mit Rettungsaktionen für Straßenkatzen (zwei gingen soweit, dass die Tiere seit Jahren bei mir leben). Insofern habe ich sehr großes Mitgefühl mit dem Wal, der in der Ostsee gestrandet ist, und wünsche ihm von ganzem Herzen, dass er seine Odyssee überlebt.

Was ich dagegen gruselig finde, ist der mediale Totentanz der Prioritäten. Wenn ich im Rahmen meines Pflichtprogramms, der Nachrichtenlektüre, auf Portale wie das von „Bild“ oder dem „Focus“ gehe, erdrückt mich rund um die Uhr die Inszenierung, dieses arme Tier sei wichtiger als alles andere auf der Welt. Es herrscht eine Art kollektiver Wal-Wahnsinn, während die Realität im Lande längst im Koma liegt.

Da wird zeitgleich ein 13-Jähriger in Hamburg am helllichten Tage vor einer Schule niedergestochen und muss um sein Leben kämpfen – aber das ist nur eine lästige Randnotiz. Da werden immer mehr Frauen in diesem Land Opfer von immer mehr Gewalt – aber es interessiert keinen. Zumindest nicht, wenn das Opfer nicht ein Liebling der rot-grünen Szene ist und sich die mutmaßliche Tat trefflich instrumentalisieren lässt für noch mehr staatliche Internet-Überwachung. Sie wissen, wen ich meine.