Mitte der 1990er-Jahre war er noch der Shooting-Star unter den Antrieben: Der Dieselmotor konnte durch Turbotechnik und Direkteinspritzung sein Image als lahmer Antrieb endgültig abstreifen. Langsam verschwindet er aber wieder von den Straßen.
Chemnitz.
Autokäufer finden immer weniger Angebote für Dieselfahrzeuge. Kleinwagen mit Selbstzünder gehören inzwischen schon der Vergangenheit an. Zehn Jahre nach dem Dieselskandal hat der Marktanteil der Fahrzeuge mit dieser Antriebsart extrem nachgelassen: Während Anfang der 2000er noch jedes zweite Auto mit Dieselmotor verkauft wurde, sind es heute nur noch gut 20 Prozent. Das geht aus einer Marktstudie des ADAC für die den Zeitraum zwischen 2015 und 2025 hervor.
So sieht es in Sachsen aus
So sind nach Recherchen der „Freien Presse“ zum Beispiel in Sachsen 2024 nur noch rund 16.500 reine Diesel neu zugelassen worden. Mit Benzin-Motor waren es rund 35.000, mit Hybrid-Antrieb rund 31.000 und mit reinem Elektro-Antrieb etwa 7800. Zum Vergleich: 2020 waren es noch rund 27.000 Selbstzünder gewesen – bei etwa 53.000 Benzinern, 16.500 Hybriden und 5100 Elektro-Pkw. Auch bundesweit brach der Absatz der reinen Diesel ein: Wurden 2020 bundesweit noch rund 820.000 Neuwagen mit Selbstzünder verkauft, waren es 2024 laut Kraftfahrt-Bundesamt nur noch 483.000.
Modellpalette beim Diesel zusammengestrichen:
Ein Grund für den Rückgang: Das Angebot an Dieselfahrzeugen nahm in Deutschland in den vergangenen zehn Jahren um mehr als 50 Prozent ab. „Besonders prekär ist die Entwicklung bei den Kleinst- und Kleinwagen“, konstatiert der ADAC. „Gab es vor zehn Jahren noch 47 Fahrzeugmodelle mit Dieselmotor, so ist dieses Segment heute ausgestorben – kein einziges Auto wird mehr angeboten.“ Das Problem: Die strengen Abgasvorschriften haben die Produktion des Selbstzünders deutlich verteuert. Ohne Partikelfilter, Abgas-Rückführungsventil und SCR-Katalysatoren, die mit Hilfe von AdBlue den NOx-Ausstoß bändigen, ist kein Diesel mehr zulassungsfähig. „Für Kleinwagen lohnt sich der technische Aufwand nicht mehr, den Mehrpreis würden die Kunden nicht akzeptieren“, so der ADAC-Experte Fabian Fährmann.
Selbst in der Mittelklasse Angebot mehr als halbiert
Selbst in der Mittelklasse, in der ein Selbstzünder früher quasi Standard war, hat sich laut ADAC-Studie das Portfolio inzwischen mehr als halbiert. „Besonders bei den Kombis ist das Angebot merklich geschrumpft – ganze fünf Modelle stehen heute noch zur Auswahl.“ In der Oberen Mittelklasse und Oberklasse ist die Entwicklung demnach zwar noch nicht ganz so ausgeprägt. Dennoch gibt es auch hier immer weniger Dieselmodelle, die auf dem Markt angeboten werden. Selbst ein VW T-Roc ist in seiner neuen Modellgeneration nicht mehr als Diesel zu haben. „Eine Ausnahme ist das Segment der Kleinbusse“, so der ADAC. Dort erfreue sich der Diesel seit einigen Jahren steigender Beliebtheit. „Hier gibt es einen leichten Zuwachs, denn der Diesel ist für die tendenziell schweren Fahrzeuge oft der passende Antrieb.“

Der VW-Abgasskandal hat die Selbstzünder in Verruf gebracht.
Bild: IMAGO/Michael Kristen

Der VW-Abgasskandal hat die Selbstzünder in Verruf gebracht. Bild: IMAGO/Michael Kristen
Dieselskandal einer der Hauptgründe
Als Hauptursache für den Niedergang des Diesels auf deutschen Straßen macht der ADAC vor allem den Dieselskandal im Jahr 2015 aus. Der habe dazu beigetragen, dass die Kunden das Vertrauen in den Selbstzünder als sauberen Antrieb verloren und sich nach Alternativen umgesehen hätten, so die Autoexperten. „Das ist umso bitterer, da heutige Dieselmodelle wegen schärferer Abgasvorschriften nicht nur auf dem Prüfstand, sondern auch auf der Straße nachweislich sauber sind, wie die aktuellen ADAC-Autotests zeigen.“
ADAC: Alte Faustformel gilt nicht mehr
Dabei nimmt der Diesel nach Einschätzung des ADAC heute eine andere Rolle als noch vor einigen Jahren ein. „Die pauschale Aussage, dass sich ein Selbstzünder ab mehr als 15.000 Kilometern Fahrleistung im Jahr finanziell rechnet, kann so nicht mehr getroffen werden“, erklärt ADAC-Experte Fabian Fährmann. „Vielmehr kommt es nun auf das jeweilige Fahrzeugmodell und die Fahrleistung im Jahr an.“ Der ADAC bietet hierzu entsprechende Vergleiche zu den Kosten bei Benzinern und Diesel-Modellen an.
ADAC: Moderne Diesel nicht umweltschädlicher als Benziner
Aus Umweltgesichtspunkten, so Fährmann, gebe es übrigens überhaupt keinen Grund mehr, den Diesel schlechter als einen anderen Verbrenner zu bewerten. Fährmann: „Durch aufwändige Abgasnachbehandlung fallen entstehende Schadstoffe inzwischen so gering aus, dass oft sie kaum mehr messbar sind.“ (juerg)