Von Ekaterina Quehl

Berlin schreibt sich manchmal wirklich selbst.

Es ist die Stadt, in der Bürger noch vor wenigen Wochen wegen Glätte ihre Häuser nicht verlassen konnten, weil die Benutzung von Streusalz verboten war und erlaubte Mittel nichts brachten. Als der Bürgermeister den Senat um dessen Freigabe bat, was per se ein seltsamer Akt ist, dauerte das glättefreie Glück der Berliner nicht lange: NABU hat das Verbot wieder eingeklagt. Klimaschutz ist letztlich viel wichtiger als die Knochen der Bürger, die in diesen Wochen in Dauerschleife gebrochen wurden.

Es ist die Stadt, in der vor kurzem Straßenbahnen leer hin- und herfuhren, weil die Stadt nicht in der Lage war, die Stromleitungen mit herkömmlichen Mitteln eisfrei zu halten. Passagiere durften die fahrenden Straßenbahnen nur von außen betrachten, weil in dieser Zeit die BVG streikte.

Es ist die Stadt, in der neue U-Bahnen ohne Klimaanlagen gebaut werden, weil sie nur so angebracht werden können, dass die Züge dann nicht mehr in die Tunnel hineinpassen würden – und das in Zeiten des globalen Klimaschutzes!

Und es ist schließlich die Stadt, in der für Ihre Steuergelder „Digitale Schattenkarten“ gegen Hitze entwickelt werden, weil offenbar den Bürgern nicht zu trauen ist, selbst einen schattigen Platz zu finden.

Es scheint daher fast keinen mehr zu wundern, dass Berlin ein extra Amt zum Pflanzen von Bäumen gründen will. Es ist nicht so, dass es dafür schon kein Amt gäbe – das wäre wirklich seltsam. Für die Pflanzung von Bäumen ist in Berlin das Straßen- und Grünflächenamt zuständig. Doch bei diesen Bäumen handelt es sich nicht um irgendwelche Bäume, für die nur ein einfaches Straßen- und Grünflächenamt zuständig sein kann. Diese Bäume haben eine besondere Mission: Sie müssen gepflanzt werden, weil seit dem sogenannten Baumentscheid vom November 2025 Hitzeschutz in Berlin gesetzlich verankert geworden ist:

„Mit Beschluss vom 3. November 2025 hat das Berliner Abgeordnetenhaus das deutschlandweit erste Klimaanpassungsgesetz in Gestalt des „BäumePlus-Gesetzes“ des Baumentscheids parteiübergreifend ohne Gegenstimmen in einem beispiellosen Miteinander von Volksentscheid, Parteien und Politik angenommen.“

Wenn schon ein neues Gesetz für Klimaanpassung beschlossen wurde, dann ist es nur eine logische Konsequenz, dass dafür ein Amt gegründet werden soll. Klimaanpassung ist letztendlich eine höchstkomplexe Aufgabe, die ohne die dafür zuständigen Fachkräfte nicht umzusetzen wäre. Konkret geht es um die Pflanzung von rund 240.000 Klimaschutz-Missions-Bäumen. Die Hauptstadt verpflichtete sich mit dem Gesetz dazu, dass auf Berliner Straßen bis 2040 alle 15 Meter ein Baum stehen soll. Dafür werden 500 Fachkräfte zusätzlich benötigt, ein extra Landesamt und eine Milliarde Euro, die aus dem Sondervermögen des Bundes genommen werden.

Allein schon die Milliardenschwere dieser Aufgabe deutet darauf hin, dass diese Bäume eine ganz besondere Verantwortung tragen müssen. Vielleicht verfügen sie über besondere Fähigkeiten, die in Zeiten der Klimaanpassung unabdingbar sind. Zumindest deuten darauf die fast schon geheimnisvollen Worte des Umweltstaatssekretärs Andreas Kraus hin, die während des Pressegesprächs am 25.02.2026 dazu gefallen sind: „Thermische Belastung überschneidet sich oft mit sozialer Belastung“.

Sollte man diese Behauptung ernst nehmen, sollten die Klimaschutz-Missions-Bäume mindestens über eine Ausbildung im psychosozialen Bereich verfügen. Vielleicht werden sie unter der Zuständigkeit kompetenter Klimaamt-Sachbearbeiter Beratung für Familien anbieten, deren soziale Probleme aus thermischer Belastung resultieren. Vielleicht werden sie auch zu Berliner Hitze-Flüsterern, die mit ihren Baum-Mantras Hitze von den Bürgern abwenden werden.

Fragen über Fragen. Aber eines scheint fast sicher: Wenn dieses Vorhaben auf die Art und Weise umgesetzt wird, wie der Berliner Flughafen BER gebaut wurde, dann brauchen wir uns keine Sorgen zu machen, dass in der absehbaren Zukunft überhaupt irgendwas passieren wird. Und diejenigen, die ernsthaft Angst vor Hitze haben, können sich so lange in einem der wunderschönen Berliner Parks entspannen. Denn eines muss man Berlin trotz all ihrer Absurditäten und Probleme lassen: Es ist eine sehr grüne Stadt.

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Ekaterina Quehl ist gebürtige St. Petersburgerin, russische Jüdin und lebt seit über 20 Jahren in Deutschland. Pioniergruß, Schuluniform und Samisdat-Bücher gehörten zu ihrem Leben wie Perestroika und Lebensmittelmarken. Ihre Affinität zur deutschen Sprache hat sie bereits als Schulkind entwickelt. Aus dieser heraus weigert sie sich hartnäckig, zu gendern. Sie arbeitet für reitschuster.de.

Bild: Mehaniq/Shutterstock

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