Julien Benda ist einer der Autoren, die Karl Raimund Popper sehr geschätzt hat, in Bendas Fall bezieht sich die Poppersche Wertschätzung vor allem auf das 1917 veröffentlichte Buch Bendas „Trahision de Clercs“, als „Verrat der Intellektuellen“ übersetzt, wobei „clerc“ eigentlich „Geistliche“ meint. also Leute, die den Glauben und die damit verbundene Suche nach Wahrheit zu ihrem Geschäft gemacht haben.
Der „Verrat der Intellektuellen“, den Benda in seinem Buch beschreibt, er bezieht sich auf Intellektuelle, die sich anstatt sich neutral zu verhalten und universellen Werten wie Wahrheit, Freiheit und Vernunft treu zu bleiben, von politischen, nationalen oder sozialen „Leidenschaften“ infizieren ließen und damit ihre Rolle als unabhängige Beobachter aufgegeben haben. Ein Verweis auf Benda findet sich in Poppers zweitem Band der Offenen Gesellschaft auf Seite 489. Popper stellt den Niedergang der Intellektuellen, der nach seiner Ansicht in Deutschland vornehmlich mit Hegel seinen Anfang genommen hat, dar:
„… daß seine Philosophie [es geht um Poppers „Haupteinwand“ gegen Hegel] im Vergleich zu derjenigen Kants (ich empfinde es immer noch als ein Sakrileg, diese beiden Namen Seite an Seite zu stellen) ein Beispiel für einen schrecklichen Niedergang an intellektueller Ernsthaftigkeit und intellektueller Redlichkeit darstellt; daß seine Argumente nicht ernst zu nehmen sind, und daß seine Philosophie ein Hauptfaktor bei der Hervorbringung dessen war, was Konrad Heiden das ‚Zeitalter intellektueller Unredlichkeit‘ genannt hat, sowie bei der Vorbereitung für jene zeitgenössische Trahision des Clercs (ich spiele auf Julien Bendas bedeutendes Werk an) die dazu beigetragen hat, zwei Weltkriege hervorzubringen.“
Man kann den Verrat der Intellektuellen mittlerweile als Faktum sehen, schon weil er mit den beiden Weltkriegen kein Ende genommen, sondern nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs noch an Fahrt aufgenommen hat.
Intellektuelle, die sich „Erkenntnis“ und „Wissen“ verpflichtet sehen, sind heute fast so selten wie ein Sechser im Lotto, die meisten dieser Leute sind heute damit beschäftigt, sich mit Dünngeistigem an den politische Zeitgeist anzuschleimen oder ihre Polit-Karriere damit zu beginnen, dass sie Ideologen nach dem Maul schreiben. Philosophie und Intellektuelle im eigentlichen Sinn der Worte, gibt es kaum noch. Beides sind gefallene Güter, übernommen von einer Horde Pseudo-Intellektueller, die ihre dünngeistige Ideologie als „tiefgreifende Gedanken“ ausgeben.
Gleichzeitig hat der darin zum Ausdruck kommende Niedergang von Wissenschaft und Redlichkeit zu einer Verslummung von Hochschulen geführt.
Weil es vor allem eine unter Linken gepflegte und überragend wichtige Lebenslüge ist, sich als „Intellektuell“ und damit „Normalbürgern“ überlegen zu inszenieren, ist dieser Niedergang eindeutig mit einer linken Ideologie verbunden.
Weil Intellektuelle, die Ideologie zu ihrem Wirkungsfeld erkohren haben, zumeist durch zwei Eigenschaften, nämlich Phantasielosigkeit und Dummheit ausgezeichnet sind und mit beidem Erfolglosigkeit und Versinken im Meer der Gleichen, gleich Erfolglosen verbunden ist, deshalb wird die Inszenierung für Linke immer wichtiger, der Abstand zwischen Realität und Ideologie immer größer und die Notwendigkeit, aufgrund fehlender Qualifikation an der Arbeit derjenigen, über die man sich „intellektuell“ erhoben zu haben glaubt, zu schmarotzen immer größer.
Und das begründet einen neuen gesellschaftlichen Cleavage, eine neue gesellschaftliche Konfliktlinie im Sinne von Stein Rokkan und Martin S. Lipset, also als Basis, auf der politische Auseinandersetzungen, hier zwischen produktiven und konsumptiven Teilen der Gesellschaft, zwischen denen, die den Mehrwert erwirtschaften und denen, die ihn verprassen, stehen.
Das Ergebnis der Landtagswahl sieht AfD und CDU als Gewinner der Wahl, denn beide haben ihren Stimmenanteil erhöhen können. Die AfD hat ihre StimmenZAHL bei Zweitstimmen verdoppelt, von 473.485 (2021) auf 1,010.449 (+113,3%), die CDU hat einen Zugewinnv on 428.869 Stimmen zu verzeichnen (+ 36,8%). Relativ gehalten haben die Grünen ihren Stimmenanteil mit einem geringen Zugewinn von 36.964 Stimmen im Vergleich der beiden Wahlen von 2021 und 2026 (1.586.192 zu 1.623.156 Stimmen), ein Zugewinn von 2,3%. Geht es nach dem Wählerwillen, dann ist eindeutig, was die Baden-Württemberger nach Jahrzehnten Grün-Schwarzer Regierung gewählt haben: einen konservativen Wandel.
Dass die CDU lieber mit den Grünen paktiert, ist eine Form von Verrat am Wähler und eine antidemokratische Haltung, die jede Wahl zu einer Travestie verkümmern lässt. Am Rande sei darauf hingewiesen, dass SPD und FDP die ersten Opfer der Neuordnung des Parteiensystems sind. Die FDP ist in ihrem Stammland aus dem Parlament gefallen und damit dürfte es keinen Weg zurück für die einstigen Liberalen geben, zumal sich ihre Stimmenzahl bei steigender Wahlbeteiligung mehr als halbiert hat, von 508.429 (2021) auf 235.598 eingetrocknet ist. Dasselbe gilt für die SPD, eine Partei ohne Inhalt, Vision und Zweck, der in Baden-Württemberg rund ein viertel Million ihrer Wähler davongelaufen sind. Anstelle von 535.489 Baden-Württembergern, die die SPD (aus welchem Grund auch immer) noch 2021 gewählt haben, firmiert nun ein Häuflein von 298.278 Wählern.
Indes, das eigentlich interessante an dieser Wahl ist die Bestätigung dessen, was Dr. habil. Heike Diefenbach schon am 19. Mai 2019 in Klassenkampf 2.0 beschrieben hat: einen neuen Antagonismus zwischen denen, die Mehrwert produzieren und denen, die ihn konusmieren, denen die Wertschöpfung betreiben und denen, die Wert abschöpfen, denen, die arbeiten und denen, die ein Auskommen mit Schwätzen oder Dienstleistungen erzielen, die niemand braucht, etwa im Rahmen von „NGOs“ und anderen Formen des Arbeit vortäuschenden Aktivismus.
Die erste Auswertung der Wahlergebnisse durch das Statistische Landesamt von Baden-Württemberg, als Wahlnachtbericht veröffentlicht, macht diese sehr deutlich. Die beiden folgenden Abbildungen, die wir diesem Bericht entnommen haben, zeigen auf Basis von Aggregatdaten durchweg ein Bild, das die neue Konfliktlinie zwischen Produktivkräften und Konsumptivkräften bestätigt:
Die AfD etabliert sich Partei der Produktivkräfte und wird über kurz oder lang die CDU, die im selben Wählersegment unterwegs ist, beerben, einfach deshalb, weil dei CDU Verrat am Wähler betreibt und unter Vortäuschung eines eigenen Wahlprogramms Stimmen für die Grünen sammelt. Hochburgen beider, von AfD und CDU finden sich in Wahlkreisen mit niedriger Bevölkerungsdichte, mit geringer Arbeitslosigkeit, einem höheren Anteil Älterer und einem großen Anteil von Produktivkräften, Arbeitern und Angestellten in produzierenden Betrieben der Privatindustrie.
Die Hochburgen der Grünen könnten kaum unterschiedlicher sein. Grüne und mehr noch LINKE (anteilig betrachtet) sind von denen abhängig, die zusammengepfercht in Städten wohnen, je mehr, desto besser, profitieren von studentischen Milieus aus den oben beschriebenen Gründen des intellektuellen Verrats, sie sammeln andere Konsumptivkräfte, deren Lebensstil auf staatliche Leistungen wie Kinder- und Bürgergeld gebaut ist, ein und haben einen Schwerpunkt im Dienstleistungsgewerbe also unter dem anschwellenden staatlichen Bereich von Mausschubsern und Vorschriftsfetischisten und unter privaten Dienstleistungsunternehmen, deren Angestellte Schwierigkeiten hätten, den produktiven Beitrag, den sie zur Gesellschaft leisten, zu benennen.
Das im Klassenkampf 2.0 beschriebene Cleavage in nahezu Reinkultur und eines, das von einem uralten Cleavage, nämlich dem zwischen Stadt und Land, zwischen, wenn man kurz die Weimarer Republik in Erinnerung bringt „Sodom und Gomorra“ (=Berlin bzw. Großstädte) und ländlicher Normalität überlagert wird:
Was wir seit Jahren auf ScienceFiles beschreiben, das ist eine gesellschaftliche Polarisierung zwischen denen, die beitragen und denen, die sich aushalten lassen, zwischen denen, die ein normales Leben führen und denen, die Perversionen aller Art zur Normalität erheben wollen, zwischen Maulhelden und Männern der Tat, zwischen Moral und „Progressivität“. Bei der CDU ist man der Ansicht, man könne sich auf Basis dieser Polarisierung wählen lassen, um anschließend diejenigen, die so naiv waren zu denken, die CDU habe ein eigenständiges Angebot, vor den Kopf zu stoßen. In dieser Auseinandersetung haben sich die meisten, die von sich denken, sie seien „Intellektuelle“ einmal mehr auf der Seite derjenigen positioniert, die nicht nach Wissen und Erkenntnis streben, sondern nach einem Leben auf Kosten von anderen, eine Form des sykophantischen Daseins, die mittlerweile über unzählige Netzwerke, die zwischen Parteien, Verbänden und NGOs geknüpft wurden, auf Kosten von Steuerzahlern abgesichert ist.
Der nächste Verrat …
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