Über die ebenso skandalöse wie befremdende Sympathie vieler Politiker und Journalisten hierzulande für die radikalen Mullahs im Iran habe ich hier bereits geschrieben – und versucht, Gründe dafür zu finden (siehe meinen Artikel „Iran foltert – und die rot-grünen Moralprediger schauen weg – Wieso unsere Champagner-Linken beim Mullah-Terror still bleiben).

Jetzt hat sich dieses Phänomen wieder einmal mehr als gezeigt – in besonders entlarvender Form. In der mit Zwangsgebühren finanzierten Tagesschau führte ARD-Moderatorin Jessy Wellmer ein Interview mit dem Schah-Sohn und Thronfolger Reza Pahlavi, bei dem sie ihren Skeptizismus kaum verbarg und mehrfach eine auffällig schroffe Distanz zeigte – bis hin zur Übernahme regimetreuer Argumentationsmuster. Zwar handelte es sich nicht um ein regelrechtes Verhör, wie manche Kommentatoren es nennen – doch der Ton war konfrontativ genug, um bei vielen Iranern den Eindruck zu erwecken, die Sympathien der Moderatorin lägen nicht beim Interviewten, sondern eher auf Seiten der Machthaber in Teheran (anzusehen ist das Video hier).

Damit wir uns richtig verstehen: Man muss kein Freund von Pahlavis Vater, dem letzten Schah, sein – an dem es zweifellos viel zu kritisieren gibt –, um zu erkennen, wie schief hier die Maßstäbe sitzen. Wer einen Exilpolitiker, der keine Monarchie, sondern eine Demokratie anstrebt, befragt wie einen Angeklagten, aber gegenüber Folterregimen den Ton senkt, hat seine journalistische Kompassnadel verloren.

Und das ist Teil eines breiteren Musters: Deutsche Medien verleihen manchen Opfern Gesichter und Geschichten – und anderen nicht einmal einen Namen, je nachdem, welche politische Erzählung sie bedienen wollen. Wie ich gerade in einem Tweet schrieb: „In den USA wird ein bewaffneter Aktivist bei Protesten für illegale Migranten erschossen – Medien und Politik trauern. Die Opfer von Migrantengewalt bei uns? Die Opfer der Mullahs im Iran? Eher Schweigen. Ideologie ersetzt Mitgefühl.“

Und genau hier wird es grundsätzlich:  Eine distanzierte Haltung gegenüber Interviewpartnern wäre ausdrücklich begrüßenswert, wenn sie auch gegenüber islamistischen Unterdrückern und ihren Apologeten gepflegt würde (und genauso gegenüber unseren eigenen Regierungen). Doch während die Tagesschau bei den Mächtigen, insbesondere denen aus dem linken Lager, die Samthandschuhe überstreift, zieht sie hier im Gespräch mit einem Oppositionspolitiker wieder einmal den Boxhandschuh an – und zwar nicht für, sondern gegen ihn.

Tröstlich ist nur, was dieser Fehltritt, der eigentlich keiner ist (weil so etwas eher Regel ist als Ausnahme), für einen Sturm der Entrüstung sorgte.

Der X-Nutzer Farshad schrieb dazu einen bitterbösen Kommentar auf dem Netzwerk:

„Das Interview von Jessy Wellmer mit Seiner Majestät

Reza Pahlavi in der Tagesschau stellt einen schwerwiegenden Verstoß gegen journalistische Verantwortung und menschenrechtliche Sorgfaltspflicht dar.

Frau Wellmer, während Sie mit bemerkenswerter Arroganz einen angeblichen „Nachweis der Popularität“ einfordern, blenden Sie systematisch das massive und dokumentierte Blutvergießen aus, das vom eigentlichen Täter, Ali Khamenei, und seinem Unterdrückungsapparat begangen wird. Diese selektive Wahrnehmung widerspricht fundamental den Grundsätzen einer menschenrechtsbasierten Berichterstattung.

Statt die fortlaufenden Verbrechen gegen die Menschlichkeit zu benennen, reproduzieren Sie Narrative politischer Kreise, die einen freien, demokratischen Iran fürchten. Indem Sie die Propaganda des Regimes übernehmen und gleichzeitig die Millionen Iraner ignorieren, die unter Lebensgefahr und im Angesicht tödlicher Gewalt den Namen ihres Königs Reza Pahlavi rufen, haben Sie Ihre Rolle als unabhängige Journalistin aufgegeben.

Diese Form der voreingenommenen und verzerrenden Berichterstattung degradiert Sie zur Sprachrohr-Funktion eines Unterdrückungsregimes und stellt eine schwere Rufschädigung für den öffentlich-rechtlichen Journalismus dar. Sie ist eine Schande für die Tagesschau.

Der Wille des iranischen Volkes, seine Identität, Würde und Selbstbestimmung zurückzuerlangen, ist durch internationales Recht geschützt und ungleich stärker als Ihre unbeholfenen, politisch diktierten Narrative. Die Welt sieht zu – und sie wird dieses Versagen nicht vergessen.“

Auch die Kommentare unter dem Tweet sprechen für sich. Hier nur ein paar Auszüge:

  • Beim Ansehen dieses Interviews habe ich vor Wut gekocht. Sind Sie so heuchlerisch, dass Sie die Videos der Proteste ignorieren? Hören Sie die Rufe „Javid Shah“ nicht? Schande über alle, die das Leid der Menschen verleugnen.
  • Jessy Wellmer, Moderatorin bei ARD, ist eine unhöfliche Person, die nicht einmal die grundlegendsten Regeln des respektvollen Umgangs mit Gästen kennt. Von einer Linken sollte man ohnehin keinen Anstand erwarten.
  • Sehr geehrte Frau Wellmer. Sie waren mir immer sehr sympathisch, aber wie Sie unseren Prinzen behandelt hatten, ist mir überhaupt nicht gut gefallen. Mit freundlichen Grüßen.

Was bleibt? Die bittere Erkenntnis, dass viele deutsche Journalisten und Politiker offenbar nicht empört sind, wenn friedliche Demonstranten gefoltert und niedergeschlachtet werden – wohl aber, wenn der „Falsche“ dagegen protestiert. Noch dazu jemand aus einem ehemaligen Herrscherhaus, das man verachtet. Ein Thronfolger, der sich für Demokratie, Säkularismus und Menschenrechte einsetzt – das passt eben nicht ins rot-grüne Weltbild, das lieber mit Palästinensertuch und betretenem Schweigen auf iranischen Terror reagiert, als mit klarer Position gegen islamistische Gewalt.

Pahlavi hat sich in diesem Interview nicht blamiert – auch wenn manche Linke es so drehen wollen. Im Gegenteil: Er hat mit Würde und Ruhe das offen zur Schau gestellte Missverhältnis westlicher Medien entlarvt. Es war nicht er, der vorgeführt wurde. Sondern die Tagesschau. Die sich selbst vorführte. Und gleichzeitig einen ganzen Apparat, der sich hinter angeblicher Ausgewogenheit verschanzt – und dabei längst derart jegliche moralische Balance verloren hat. Und zwar derart offensichtlich, dass immer weniger (aber leider immer noch zu viele) Menschen seine Zerrbilder der Realität noch ernst nehmen.

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Bild: Screenshot Tagesschau

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