Brigade PironOwn work, CC BY-SA 4.0, Link

“ data-medium-file=“https://i0.wp.com/sciencefiles.org/wp-content/uploads/2026/01/Portrait_of_Aristotle_after_original_by_Lysippus_2.jpg?fit=225%2C300&ssl=1″ data-large-file=“https://i0.wp.com/sciencefiles.org/wp-content/uploads/2026/01/Portrait_of_Aristotle_after_original_by_Lysippus_2.jpg?fit=640%2C853&ssl=1″ class=“size-medium wp-image-283768″ src=“https://i0.wp.com/sciencefiles.org/wp-content/uploads/2026/01/Portrait_of_Aristotle_after_original_by_Lysippus_2.jpg?resize=225%2C300&ssl=1″ alt=““ width=“225″ height=“300″ srcset=“https://i0.wp.com/sciencefiles.org/wp-content/uploads/2026/01/Portrait_of_Aristotle_after_original_by_Lysippus_2.jpg?resize=225%2C300&ssl=1 225w, https://i0.wp.com/sciencefiles.org/wp-content/uploads/2026/01/Portrait_of_Aristotle_after_original_by_Lysippus_2.jpg?resize=768%2C1024&ssl=1 768w, https://i0.wp.com/sciencefiles.org/wp-content/uploads/2026/01/Portrait_of_Aristotle_after_original_by_Lysippus_2.jpg?resize=1152%2C1536&ssl=1 1152w, https://i0.wp.com/sciencefiles.org/wp-content/uploads/2026/01/Portrait_of_Aristotle_after_original_by_Lysippus_2.jpg?resize=1536%2C2048&ssl=1 1536w, https://i0.wp.com/sciencefiles.org/wp-content/uploads/2026/01/Portrait_of_Aristotle_after_original_by_Lysippus_2.jpg?resize=665%2C887&ssl=1 665w, https://i0.wp.com/sciencefiles.org/wp-content/uploads/2026/01/Portrait_of_Aristotle_after_original_by_Lysippus_2.jpg?w=1280&ssl=1 1280w, https://i0.wp.com/sciencefiles.org/wp-content/uploads/2026/01/Portrait_of_Aristotle_after_original_by_Lysippus_2.jpg?w=1920&ssl=1 1920w“ sizes=“(max-width: 225px) 100vw, 225px“/>

Aristoteles; By Brigade PironOwn work, CC BY-SA 4.0, Link

„Tyrannische Regierungen werden auf zwei Arten erhalten, die einander völlig entgegengesetzt sind. Eine ist die traditionelle Form, nach der auch die meisten Tyrannen regieren. Die meisten dieser Maßnahmen soll Periander von Korinth eingeführt haben; man kann aber auch vieles dieser Art der Persischen Regierungsweise entnehmen. Es sind dies die früher beschriebenen Maßnahmen, die Tyrannen zum Erhalt ihrer Herrschaft anwenden, soweit das möglich ist, nämlich die überragenden Männer zu erniedrigen und die selbstbewußten zu beseitigen, gemeinsame Mahlzeiten, Zusammenschluß zu einem Klub, Erziehung oder Ähnliches nicht zu gestatten, sondern alles genau zu überwachen, [1313 b] was gewöhnlich zwei Auswirkungen hat: Selbstbewußtsein und gegenseitiges Vertrauen; (zu tyrannischen Maßnahmen gehört auch, den Untertanen) Treffen, die der Bildung gewidmet sind, oder andere Zusammenkünfte zu geselligem Zeitvertreib nicht zu erlauben und alles in ihrer Kraft zu tun, sodaß die Untertanen, soweit es möglich ist, sich nicht näher kennen lernen; denn Bekanntschaft bewirkt, daß sie eher Zutrauen zueinander fassen.

(Zum Erhalt der Tyrannis trägt auch bei), daß alle, die sich im Lande aufhalten, immer in der Öffentlichkeit sichtbar sind und ihre Zeit vor den Türen verbringen; so können sie ihr Treiben am wenigsten verheimlichen und dürften die Gewohnheit annehmen, gering von sich selber zu denken, da sie sich ständig servil aufführen müssen.

(Dem gleichen Zweck dienen) auch die anderen tyrannischen Maßnahmen, die bei den Persern oder Barbaren im Brauch sind; denn sie haben alle die gleiche Wirkung. Dazu gehört auch zu versuchen, daß nichts geheim bleiben kann, was ein Untertan sagt oder spricht, sondern daß es Spitzel gibt, so wie in Syrakus die sogenannten »Zuträgerinnen‘ und die Lauscher, die Hieron überall hinschickte, wo immer es ein Treffen oder eine Versammlung gab; denn aus Angst vor ihnen reden die Untertanen weniger offen, und wenn sie sich frei aussprechen, ist die Wahrscheinlichkeit geringer, daß sie unentdeckt bleiben.

Weiter gehört dazu, Leute gegeneinander aufzubringen und Zwietracht unter Freunden, zwischen dem Demos und den Angesehenen und zwischen den Reichen untereinander zu säen.

Zu den tyrannischen Maßnahmen gehört auch, daß man die Untertanen in Armut stürzt, damit man (von ihren Abgaben) die Leibwache unterhalten kann und damit die Untertanen, die ihren täglichen Verpflichtungen nachgehen müssen, keine freie Zeit haben, um einen Anschlag (gegen den Tyrannen) zu unternehmen – ein Beispiel für ein solches Vorgehen bieten die Pyramiden in Ägypten, die Weihgeschenke der Kypseliden, der Bau des Olympieion durch die Peisistratiden und die Bauten des Polykrates auf Samos; denn sie haben alle die gleiche Wirkung: sie rauben den Untertanen die freie Zeit und machen sie arm. Auch das Eintreiben von Steuern (verfolgte diesen Zweck), wie z.B. in Syrakus: unter der Tyrannis des Dionysios wurde im Laufe von fünf Jahren das ganze Vermögen als Steuer abgeführt.

Ein Tyrann bricht aber auch gewohnheitsmäßig Kriege vom Zaun, damit seine Untertanen durch Tätigkeiten angespannt bleiben und dauernd auf einen Führer angewiesen sind. Und während eine Königsherrschaft durch die Freunde des Königs geschützt wird, ist es bei Tyrannen üblich, gerade ihren Freunden zu mißtrauen, wohlwissend daß alle (einen Anschlag gegen sie) unternehmen wollen, die Freunde aber am ehesten die Möglichkeit dazu haben.

Alle Erscheinungen der extremen Demokratie sind auch der Tyrannis eigentümlich, nämlich die dominierende Stellung der Frauen in den Haushalten, damit sie gegen ihre Männer Aussagen machen, und aus dem gleichen Grunde die Lockerung der Kontrolle über die Sklaven; denn Sklaven und Frauen zetteln keinen Anschlag gegen Tyrannen an; und weil es ihnen (unter diesen Verfassungen) gut geht, mögen sie zwangsläufig tyrannische und demokratische Regime; denn der Demos wünscht, Alleinherrscher zu sein. Deswegen erfreuen sich bei beiden Schmeichler einer hohen Wertschätzung, beim Volk der Demagoge denn der Demagoge ist der Schmeichler des Volkes -, bei den Tyrannen dagegen diejenigen, die als Kriecher mit ihnen Umgang pflegen – denn das ist, was Schmeichler tun. Aus diesem Grunde umgeben sich [1314 a] Tyrannen auch typischwerweise mit schlechten Freunden; denn sie haben es gern, daß man ihnen schmeichelt; dazu könnte sich aber niemand, der einen freien Sinn hat, bereitfinden. Männer von Wert pflegen dagegen Freundschaften oder treten wenigstens nicht als Schmeichler auf. Und schlechte Leute (wie die, mit denen sich der Tyrann umgibt) sind nützlich für schlechte Vorhaben, wie nach dem Sprichwort ein Keil den anderen (treibt).

Es ist aber auch typisch für einen Tyrannen, daß er kein Gefallen an io Männern finden kann, die Würde und Freiheit bewahren; denn der Tyrann beansprucht diese Qualität allein für sich; wer aber ihm gegenüber Würde und Freiheit zeigt, der mindert seinen überlegenen Rang und den absoluten Anspruch der Tyrannis; solche Leute werden von Tyrannen mit Haß verfolgt, als würden sie ihr Regime stürzen.

Ein Tyrann pflegt auch Tischgenossen und Gefährten für den täglichen Umgang eher aus der Fremde als aus den Bürgern seines Staates zu wählen, da er in diesen persönliche Gegner vermutet, während jene ihm seine Herrschaft nicht streitig machten. Alle diese Maßnahmen gehören zur Tyrannis, sie verleihen dem Regime Dauer, es gibt aber keine Ruchlosigkeit, die nicht benutzt würde. Die aufgezählten Maßnahmen werden alle sozusagen unter drei Hauptbegriffen erfaßt, denn die Tyrannis verfolgt drei Ziele: erstens das Selbstvertrauen der Untertanen zu brechen – denn ein Mann, der gering von sich selber denkt, wird keinen Anschlag gegen irgendjemand verüben; zweitens zu erreichen, daß sie einander mißtrauen – denn eine Tyrannis wird nicht eher gestürzt, als bis einige zueinander Vertrauen fassen; deswegen verfolgen Tyrannen auch rechtschaffene Männer mit Feindseligkeit, da sie in ihnen eine Bedrohung ihres Regimes fürchten, nicht nur weil diese es ablehnen, sich despotisch regieren zu lassen, sondern weil sie untereinander und bei den anderen Untertanen Vertrauen genießen und weder gegen Männer aus den eigenen Reihen noch gegen andere Anklagen erheben; drittens (ist ihr Ziel) die Ohnmacht (der Untertanen), effektiv zu handeln – denn niemand versucht Unmögliches, daher auch nicht den Sturz einer Tyrannis, wenn 35 die Machtmittel dazu fehlen.

[…]

Aristoteles, Politik, Band V





Source link