Wacker hat im vergangenen Jahr rund 800 Millionen Euro Verlust gemacht. Konzernweit soll deshalb jetzt etwa jede zehnte Stelle wegfallen. In Nünchritz betreibt das Unternehmen das größte Chemiewerk Sachsens.
München/Nünchritz.
Der Chemiekonzern Wacker ist 2025 mit einem Rekordverlust tief in die roten Zahlen gerutscht. Ursache dafür sind laut vorläufigem Geschäftsbericht eine geringere Auslastung in allen Geschäftsbereichen, zum Teil niedrigere Absatzmengen und Preise sowie negative Währungseffekte. Hinzu kommen demnach sehr hohe Wertberichtigungen. So sank allein der Wert der Beteiligung am Waferhersteller Siltronic um mehr als 300 Millionen Euro. Unter dem Strich hat Wacker Chemie nach den vorläufigen Zahlen dadurch rund 800 Millionen Euro Verlust bei einem Umsatz von knapp 5,5 Milliarden Euro eingefahren. Der Konzern will deshalb die Kosten um jährlich 300 Millionen Euro senken, die Hälfte davon durch Personalabbau.
1500 Arbeitsplätze sollen wegfallen
Wacker ist unter anderem ein international führender Produzent von Polysilizium für die Chipindustrie, größter Standort ist das Stammwerk im oberbayerischen Burghausen mit etwa 8000 Mitarbeitern. Weltweit hat der Konzern nach eigenen Angaben Ende 2024 gut 16.600 Menschen beschäftigt, davon etwa 10.700 in Deutschland. Von den insgesamt 1500 Stellen, die nach eigenen Angaben gestrichen werden, soll der größte Teil auf Deutschland entfallen.
Wacker Chemie größter Chemiearbeitgeber Sachsens
Wacker Chemie bezeichnet sich auf seiner Homepage selbst als „Nummer 1 der Chemiearbeitgeber Sachsens“. Im Wacker-Werk in Nünchritz im Landkreis Meißen sind rund 1500 Mitarbeiter beschäftigt. Nach wechselvoller Geschichte hatte Wacker Chemie den Standort 1998 übernommen und die Produktionsanlagen dort modernisiert und erweitert. Hergestellt werden in Nünchritz chemische Stoffe auf Silicium-Basis, zum Beispiel für die Solarindustrie. Zudem wird am Standort eine Kartuschen-Abfüllanlage für Silicon-Kleb- und Dichtmassen betrieben.
Auswirkungen auf Werk in Nünchritz noch offen
Die Auswirkungen des geplanten Abbaus von 1500 Stellen bei Wacker Chemie auf den Standort in Nünchritz sind noch offen. „Angaben dazu, wie viele Stellen an welchen Standorten konkret wegfallen, können wir aktuell noch nicht machen“, sagte eine Sprecherin des Unternehmens auf Anfrage der „Freien Presse“ am Donnerstag. Auch für den Standort Nünchritz könne man keine Zahl nennen.
Chemiebranche im Osten stark unter Druck
2024 hatte Wacker Chemie noch einen Nettogewinn von knapp 261 Millionen Euro ausgewiesen. Die chemische Industrie steckt in Deutschland aber fast flächendeckend in der Krise. Das gilt vor allem auch für den Osten. Derzeit liegt die Produktionsauslastung dem Arbeitgeberverband Nordostchemie nach in der Chemie bei unter 70 Prozent und damit nicht nur auf historischem Tiefstand, sondern auch unter der Rentabilitätsschwelle. Mehr und mehr Unternehmen geraten dadurch in die Bredouille.
So wird derzeit unter anderem für die drei Tochterunternehmen des belgischen Chemieunternehmens Domo Chemicals mit Standorten in Sachsen-Anhalt und Brandenburg ein Investor gesucht. Der Konzern hatte Ende vergangenen Jahres mitgeteilt, seine Produktion in Leuna wegen Insolvenz stoppen zu müssen. Daraufhin hatte das Land Sachsen-Anhalt per Anordnung entschieden, den Weiterbetrieb aufrechtzuerhalten. Grund dafür ist, dass die Anlagen derzeit nicht sicher heruntergefahren werden können. Neben Domo sind auch andere Chemieunternehmen von der Krise betroffen. So hatte der US-Konzern Dow Chemical schon vor einigen Monaten angekündigt, Teile seiner Anlagen in Schkopau (Sachsen-Anhalt) und im sächsischen Böhlen Ende 2027 schließen zu wollen.
Chemieindustrie durch hohe Stromkosten besonders belastet
Ein Grund neben der gesunkenen Nachfrage auf den Weltmärkten: die hohen deutschen Energiepreise, die sich negativ auf die Wettbewerbsfähigkeit auswirken. Wacker Chemie verbraucht nach Firmenangaben knapp ein Prozent des gesamten Stroms in Deutschland. Vorstandschef Christian Hartel appellierte deshalb jetzt nochmals an die Politik. „Wir machen unsere Hausaufgaben“, sagte er. Damit die Chemiebranche am Standort Deutschland weiterhin eine Zukunft habe, müsse aber auch die Politik handeln und die richtigen Rahmenbedingungen schaffen. „Wir brauchen vor allem international wettbewerbsfähige Energiepreise und einen konsequenten Bürokratieabbau“, forderte Hartel. (juerg)