Die Sachsen zahlen nach wie vor gern in bar. „Cash only“ war aber gestern. Da überrascht es, dass viele Händler, Gastronomen, Handwerker und Dienstleister einige inzwischen auch im Freistaat sehr populäre Bezahlmethoden kaum anbieten.

Chemnitz.

Die Verbraucher lieben nach wie vor ihr Bargeld. 69 Prozent der Deutschen zahlen häufig oder sehr häufig cash. Bares allein war aber gestern. Denn PayPal, Klarna, Apple Pay & Co. werden inzwischen genauso oft von Kunden wie Bargeld genutzt, um Rechnungen zu begleichen. Noch immer akzeptieren viele Mittelständler, Gastronomen, Handwerker, Händler und Dienstleister in Sachsen diese Bezahlmethode aber nicht. Dies geht aus einer Studie der Commerzbank hervor, für die das Meinungsforschungsinstitut Ipsos bundesweit 1750 Unternehmen mit einem Jahresumsatz von bis zu 15 Millionen Euro befragt hat, darunter gut 100 in Sachsen.

Die Überweisung ist ein Evergreen

Demnach wickelt die Mehrheit der in Sachsen befragten Unternehmen Zahlungen weiterhin vor allem per Überweisung (84 Prozent) und Bargeld (63 Prozent) ab. Zwei von fünf Unternehmen und damit mehr als im bundesweiten Vergleich akzeptieren inzwischen aber immerhin auch Zahlungen mit Girocard oder Kreditkarte. Erst bei gut jedem fünften Unternehmen kann die Rechnung jedoch per PayPal, Apple Pay oder Klarna beglichen werden – obwohl diese Online- und Handy-Bezahlmethoden, mit denen auch kontaktlos vor Ort gezahlt werden kann, viele Kunden schon genauso oft nutzen wie Bargeld.

Auch bundesweit ist die PayPal- oder Klarna-Akzeptanzquote unter den befragten Betrieben aber kaum höher. Experten führen das allerdings hauptsächlich auf die höheren Gebühren für Händler im Vergleich zu anderen Bezahlmethoden zurück. Zusätzlich gebe es Bedenken wegen Synergien zwischen Online- und Offline-Kanälen sowie wegen technischer Störungen und Betrugsrisiken, wie es heißt.

Weniger Barzahlungen

Insgesamt attestiert die Commerzbank den sächsischen Unternehmen aber durchaus Innovationsbereitschaft. So sagt die Mehrheit der Befragten, dass heute weniger in bar bezahlt wird als noch vor zwei Jahren. Jeder Zweite gibt an, dass das kontaktlose Bezahlen – insbesondere auch per Smartphone – indes zugenommen hat. „Die Ergebnisse der Studie zeigen, dass digitale Bezahlverfahren eine wachsende Bedeutung erhalten und Verbraucher ein innovatives Angebot erwarten“, fasst Dirk Wetzig, Gebietsleiter Unternehmerkunden Sachsen der Commerzbank, die Ergebnisse der Studie zusammen. Er prognostiziert: „Wer als Unternehmer weiter nur auf Bargeld setzt, wird vom Verbraucher irgendwann abgestraft und verliert Kunden.“

Lahmes und störanfälliges Internet ein Hemmnis

Als Hemmnis für den Einsatz digitaler Bezahlsysteme nennt mehr als jeder zweite in Sachsen befragte Betrieb aber technische Probleme wie ein zu instabiles oder langsames Internet. Viele fürchten zudem den Aufwand für die Gewährleistung der Sicherheit und des Datenschutzes, hohe Kosten für die Einrichtung der Systeme oder sie haben schlichtweg keine Zeit, sich im Alltagsgeschäft darum zu kümmern. Dabei liegen die Vorteile der digitalen Bezahlverfahren gegenüber dem Bargeld für die große Mehrheit der in Sachsen befragten Betriebe auf der Hand: Sie schätzt den vergleichsweise sichereren Zahlungsverkehr, die schnelle und einfache Abwicklung und die hohe Akzeptanz bei den Kunden . „Zugleich reduzieren die digitalen Systeme den Aufwand für Bargeld wie Kassenabrechnung und Transport, wie gut die Hälfte der befragten Unternehmen bestätigt“, sagt Wetzig. Er weiß aber auch um die Unübersichtlichkeit bei den Bezahlangeboten. Zudem seien vielen Betrieben die nützlichen Zusatzfunktionen der Systeme gar nicht bekannt, sagt Wetzig. Er rät zögernden Betrieben, die Erfahrungen anderer damit aus dem eigenen Umfeld zu nutzen und sich informieren. „Auch wir beraten dazu gern.“ (juerg)



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