Sean Merk arbeitet in Peine in einer Werkstatt für Menschen mit Behinderungen. Für 1,50 Euro pro Stunde. Er findet das unmenschlich. Wir treffen uns in einem Café in der Innenstadt von Peine, das in Niedersachsen liegt, zwischen Hannover und Braunschweig. Direkt neben dem Café war der Weihnachtsmarkt, auf dem auch Produkte verkauft werden, die Sean Merk gefertigt hat.

der Freitag: Sean, wie bist du heute hergekommen?

Sean Merk: Zu Fuß. Das Busticket ist zu teuer.

Seit wann arbeitest du in der Werkstatt?

Seit 2020. Vorher habe ich eine Ausbildung als Metallfeinarbeiter auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt gemacht. Dazwischen war ich ein Jahr arbeitslos.

Wolltest du weiter als Metallfeinarbeiter arbeiten?

Nein. In der Metallindustrie gibt es ja drei Schichten. Dafür bräuchte ich ein Auto und einen Führerschein. Ich habe probiert, einen Führerschein zu machen. Aber das wurde mir dann alles zu viel.

Wie sind deine Arbeitszeiten in der Werkstatt?

Jetzt arbeite ich von 8 bis 16 Uhr.

Was machst du in der Werkstatt?

Unterschiedlich. Bei uns in der Eigenproduktion stelle ich Sachen her. Ich mache Holz-Zuschnitt oder schleife.

Macht dir das Spaß?

Och. (seufzt) Wir arbeiten für 1,50 Euro die Stunde. Das finde ich nicht gut. Nur weil wir in einem geschützten Bereich sind, deshalb müssen wir für diesen niedrigen Lohn arbeiten.

Wie findest du das?

Scheiße. Wir werden nicht gewürdigt. Unsere Produkte gibt es in größeren Ketten, bei größeren Herstellern. Aber von deren Gewinnen kommt nichts bei uns an. Und andere Menschen verdienen damit Geld. Das macht mich wütend. Deshalb gehe ich viel zu Veranstaltungen und spreche dort mit Politikern. Das System muss sich verändern.

Was meinst du, warum verändert es sich nicht?

Menschen mit Handicap sind unsichtbar. Man geht immer von den Leuten aus, die gesund sind. Nicht von Menschen mit Einschränkungen.

Du lebst mit Einschränkungen?

Ja, ich habe motorische Schwierigkeiten. Ich habe handwerkliches Geschick wie Pinguine beim Fliegen. (lacht) Ich habe auch eine Lese- und Rechtschreibschwäche. Bessere Noten hatte ich in Naturwissenschaften, Mathe, Physik, Biologie. Das interessiert mich.

Es sitzt in den Köpfen fest, dass Menschen mit Einschränkungen nichts können. Das stimmt natürlich nicht

Hast du einen Traumjob?

Ja, mit Computern zu arbeiten. Ich plane da gerade was in der Einrichtung. Ich möchte Lerneinheiten erstellen in Form von Videoformaten. Ich erkläre die Maschinen in Videos. Wie etwa die Kreissäge oder die Standbohrmaschine funktioniert, was man beachten muss.

Und ein Traumjob außerhalb der Werkstatt?

Mit Computern arbeiten, zum Beispiel als Verkäufer in einer technischen Abteilung.

Warum geht das nicht?

Es sitzt in den Köpfen fest, dass Menschen mit Einschränkungen nichts können. Das stimmt natürlich nicht, aber das ist ein hartnäckiges Vorurteil.

Was bräuchtest du, um so einen Job zu machen?

Ich bin sehr selbstständig, ich lerne gerne was dazu. Das ist nicht das große Problem. Aber Kolleginnen und Kollegen von mir haben größere Einschränkungen, können zum Beispiel nicht so gut laufen oder sprechen. Sie bräuchten mehr Unterstützung.

Obwohl du nicht so viel Unterstützung brauchst, klappt es bei dir nicht auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt.

Ja, mich will niemand haben. Durch meine Einschränkungen gibt mir niemand eine Chance. Wir bekommen keine Chance, uns zu beweisen. Man sieht zwar hier auf dem Weihnachtsmarkt unsere Produkte, aber uns einstellen möchte niemand auf dem ersten Arbeitsmarkt.

Wie viel Geld hast du im Monat zur Verfügung?

Von der Werkstatt bekomme ich nur ein sehr geringes Gehalt, wir arbeiten dort für 1,50 Euro pro Stunde. Deswegen muss ich Grundsicherung beziehen, davon muss ich Miete und Strom bezahlen. Vom Rest muss ich noch Lebensmittel kaufen und am Ende bleibt nichts mehr übrig für eine Bus- oder eine Zugfahrt. Der Werkstattlohn muss unbedingt angepasst werden.

Du bist nicht mit dem Bus gekommen, weil du dafür kein Geld übrig hast. Worauf musst du noch verzichten?

Zum Beispiel eine Fahrt nach Hannover. Bevor ich die mache, muss ich sehr gut überlegen und planen. Hin- und Rückfahrt 11 Euro. Ich probiere jeden Monat kleine Beträge zu sparen, aber es klappt nicht immer. Und ich versuche, Drogerie-Märkte zu vermeiden, die sind teuer. Und Reisen? Vergiss es. Dafür müsste ich zehn Jahre hungern.

Wann bist du das letzte Mal verreist?

Mit der Lebenshilfe nach Magdeburg. Für zwei Tage.

Wohin würdest du gerne?

Ich war mal ein Reisemensch, bin ich aber nicht mehr. Kann ich mir nicht leisten. Und ich brauche das Geld für andere Großprojekte. Zum Beispiel einen Computer. Dafür spare ich, wenn es geht.

Wir treffen uns jetzt in deinem Urlaub. Ich hatte dich gefragt, ob wir uns auch mal nach deiner Arbeit treffen können, aber das wolltest du nicht, weil du dann zu müde bist.

Ja, ich bin dann fix und fertig. Mein Wecker klingelt morgens um sechs Uhr. Um halb acht werde ich abgeholt. Zu Hause bin ich um 17 Uhr. Ich arbeite im Handwerksbereich, das ist körperlich anstrengend. Psychisch auch. Ich kann zwar einiges filtern, aber nicht alles. Mein Kopf ist dann echt voll und es ist auch sehr laut. Die Maschinen machen Lärm von über 80 Dezibel.

Generell sind kaum Leute bereit dazu, Menschen mit Beeinträchtigungen einzustellen. Man gibt uns keine Chance. Man kauft sich lieber frei

Siehst du eine Alternative zur Werkstatt?

Leider nein. Wir können ja noch nicht einmal einen Nebenjob haben, der würde uns ja von der Grundsicherung abgezogen werden. Aber Politiker dürfen trotz ihres Gehalts noch nebenbei arbeiten. Was für eine Ungerechtigkeit.

Wenn ich hier auf dem Weihnachtsmarkt etwas von eurer Werkstatt gekauft hätte, käme davon etwas bei dir an?

Jein. Es kommt bei uns in der Lebenshilfe an, aber in einem anderen Topf. Ich persönlich habe nichts davon. Das Geld aus dem Topf kann dann für neue Gerätschaften eingesetzt werden.

Wäre es besser, keine Produkte aus Behindertenwerkstätten zu kaufen?

Puh, das ist nicht so einfach zu sagen. Alles hängt ja noch mit an der großen Industrie dran. Man erwirtschaftet was, aber weiß gar nicht, in welche Tasche.

Die UN-Behindertenrechtskonvention sagt, dass Werkstätten abgeschafft werden sollen. Auch das Schulsystem, das Kinder trennt. Es soll inklusive Schulen geben.

Ab wann ist man inklusiv? Das ist die Frage. Im Moment kann man Werkstätten nicht abschaffen. Manche brauchen das geschützte Umfeld. Und manche wollen da raus.

Brauchst du das geschützte Umfeld?

Jein. Man kann uns nicht so einfach kündigen. Wenn wir Fehler machen, geht das nicht an uns, sondern an die Gruppenleiter. Wenn wir Fehler machen, haftet dafür der Gruppenleiter. In einer wirtschaftlichen Kette bist du der Buhmann, wenn du den Fehler machst.

Und wenn solche Strukturen auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt geschaffen würden?

Nein, das wird nicht passieren. Ich war ja schon auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt. Da war ich in einer kleinen Firma, die gesagt haben: Wir probieren es mit dir aus. Sie konnten mich dann aber nicht übernehmen, weil ich Höhenangst habe. Ich konnte also nicht auf Bau-Höhen arbeiten. Es war ein Metallbaubetrieb. Ich musste da also auch mal ganz nach oben. Der Chef hat gesagt: Wenn ich mehr Leute hätte, könnte ich dich auch behalten. Aber so ging es nicht. Generell sind kaum Leute bereit dazu, Menschen mit Beeinträchtigungen einzustellen. Man gibt uns keine Chance. Man kauft sich lieber frei. Ich glaub, das juckt die Leute mit viel Geld gar nicht, die sich davon freikaufen. Oder man lässt von uns produzieren und schreibt sich dann auf die Fahne, was Gutes zu tun. Ob das was Gutes ist, ist die Frage.

Du gehst viel zu Veranstaltungen, bei denen es um Inklusion geht, und sprichst mit Politikern.

Ja, ich möchte Sichtbarkeit für uns schaffen. Viele denken, Menschen mit Einschränkungen wären ein Schandfleck. Aber es gibt Arbeitskräftemangel. Okay, wir kriegen zwar nicht so viel hin, aber ein paar kompetente Menschen gibt es bei uns schon. Interessiert das die da oben? Nö. Wir arbeiten 36 Stunden die Woche, für knappe 60 Euro. Das ist unmenschlich. Darauf mache ich aufmerksam. Wir müssen uns zeigen. Die kommen ja nicht von sich aus auf uns zu. Menschen müssen uns fragen, wie wir die Dinge sehen. Und uns nicht abstempeln, als hätten wir keine Ahnung von nichts. Uns einfach mal zuhören, das wäre gut.

Was sagen die Politiker?

Ich habe mal einem Politiker eine Liste gegeben mit Verbesserungsvorschlägen. Wir dachten, nach der Podiumsdiskussion würde es Fragen aus dem Publikum geben, aber die gab es nicht. Also habe ich eine Liste aufgeschrieben mit Verbesserungen und Forderungen. Er sagte, er würde sich melden und uns nach Hannover einladen.

Hat er das bis jetzt gemacht?

Nein.

Sean Merk wohnt in Peine, Niedersachsen. Er hat eine Ausbildung als Metallfeinarbeiter und arbeitet derzeit in einer Werkstatt für Menschen mit Behinderung. Dort wird kein Mindestlohn gezahlt, sondern ein „Werkstatt-Entgelt“ von weniger als 240 Euro pro Monat.

Das Gespräch ist Teil der Serie „Neue Maloche: Darin führt die Journalistin Mareice Kaiser für den Freitag Gespräche mit Menschen, die malochen – und meist nicht in medialen Diskursen zu Arbeitsthemen zu Wort kommen

war ich ein Jahr arbeitslos.Wolltest du weiter als Metallfeinarbeiter arbeiten?Nein. In der Metallindustrie gibt es ja drei Schichten. Dafür bräuchte ich ein Auto und einen Führerschein. Ich habe probiert, einen Führerschein zu machen. Aber das wurde mir dann alles zu viel.Wie sind deine Arbeitszeiten in der Werkstatt?Jetzt arbeite ich von 8 bis 16 Uhr.Was machst du in der Werkstatt?Unterschiedlich. Bei uns in der Eigenproduktion stelle ich Sachen her. Ich mache Holz-Zuschnitt oder schleife.Macht dir das Spaß?Och. (seufzt) Wir arbeiten für 1,50 Euro die Stunde. Das finde ich nicht gut. Nur weil wir in einem geschützten Bereich sind, deshalb müssen wir für diesen niedrigen Lohn arbeiten.Wie findest du das?Scheiße. Wir werden nicht gewürdigt. Unsere Produkte gibt es in größeren Ketten, bei größeren Herstellern. Aber von deren Gewinnen kommt nichts bei uns an. Und andere Menschen verdienen damit Geld. Das macht mich wütend. Deshalb gehe ich viel zu Veranstaltungen und spreche dort mit Politikern. Das System muss sich verändern.Was meinst du, warum verändert es sich nicht?Menschen mit Handicap sind unsichtbar. Man geht immer von den Leuten aus, die gesund sind. Nicht von Menschen mit Einschränkungen.Du lebst mit Einschränkungen?Ja, ich habe motorische Schwierigkeiten. Ich habe handwerkliches Geschick wie Pinguine beim Fliegen. (lacht) Ich habe auch eine Lese- und Rechtschreibschwäche. Bessere Noten hatte ich in Naturwissenschaften, Mathe, Physik, Biologie. Das interessiert mich.Es sitzt in den Köpfen fest, dass Menschen mit Einschränkungen nichts können. Das stimmt natürlich nichtHast du einen Traumjob?Ja, mit Computern zu arbeiten. Ich plane da gerade was in der Einrichtung. Ich möchte Lerneinheiten erstellen in Form von Videoformaten. Ich erkläre die Maschinen in Videos. Wie etwa die Kreissäge oder die Standbohrmaschine funktioniert, was man beachten muss.Und ein Traumjob außerhalb der Werkstatt?Mit Computern arbeiten, zum Beispiel als Verkäufer in einer technischen Abteilung.Warum geht das nicht?Es sitzt in den Köpfen fest, dass Menschen mit Einschränkungen nichts können. Das stimmt natürlich nicht, aber das ist ein hartnäckiges Vorurteil.Was bräuchtest du, um so einen Job zu machen?Ich bin sehr selbstständig, ich lerne gerne was dazu. Das ist nicht das große Problem. Aber Kolleginnen und Kollegen von mir haben größere Einschränkungen, können zum Beispiel nicht so gut laufen oder sprechen. Sie bräuchten mehr Unterstützung.Obwohl du nicht so viel Unterstützung brauchst, klappt es bei dir nicht auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt.Ja, mich will niemand haben. Durch meine Einschränkungen gibt mir niemand eine Chance. Wir bekommen keine Chance, uns zu beweisen. Man sieht zwar hier auf dem Weihnachtsmarkt unsere Produkte, aber uns einstellen möchte niemand auf dem ersten Arbeitsmarkt.Wie viel Geld hast du im Monat zur Verfügung?Von der Werkstatt bekomme ich nur ein sehr geringes Gehalt, wir arbeiten dort für 1,50 Euro pro Stunde. Deswegen muss ich Grundsicherung beziehen, davon muss ich Miete und Strom bezahlen. Vom Rest muss ich noch Lebensmittel kaufen und am Ende bleibt nichts mehr übrig für eine Bus- oder eine Zugfahrt. Der Werkstattlohn muss unbedingt angepasst werden.Du bist nicht mit dem Bus gekommen, weil du dafür kein Geld übrig hast. Worauf musst du noch verzichten?Zum Beispiel eine Fahrt nach Hannover. Bevor ich die mache, muss ich sehr gut überlegen und planen. Hin- und Rückfahrt 11 Euro. Ich probiere jeden Monat kleine Beträge zu sparen, aber es klappt nicht immer. Und ich versuche, Drogerie-Märkte zu vermeiden, die sind teuer. Und Reisen? Vergiss es. Dafür müsste ich zehn Jahre hungern.Wann bist du das letzte Mal verreist?Mit der Lebenshilfe nach Magdeburg. Für zwei Tage.Wohin würdest du gerne?Ich war mal ein Reisemensch, bin ich aber nicht mehr. Kann ich mir nicht leisten. Und ich brauche das Geld für andere Großprojekte. Zum Beispiel einen Computer. Dafür spare ich, wenn es geht.Wir treffen uns jetzt in deinem Urlaub. Ich hatte dich gefragt, ob wir uns auch mal nach deiner Arbeit treffen können, aber das wolltest du nicht, weil du dann zu müde bist.Ja, ich bin dann fix und fertig. Mein Wecker klingelt morgens um sechs Uhr. Um halb acht werde ich abgeholt. Zu Hause bin ich um 17 Uhr. Ich arbeite im Handwerksbereich, das ist körperlich anstrengend. Psychisch auch. Ich kann zwar einiges filtern, aber nicht alles. Mein Kopf ist dann echt voll und es ist auch sehr laut. Die Maschinen machen Lärm von über 80 Dezibel.Generell sind kaum Leute bereit dazu, Menschen mit Beeinträchtigungen einzustellen. Man gibt uns keine Chance. Man kauft sich lieber freiSiehst du eine Alternative zur Werkstatt?Leider nein. Wir können ja noch nicht einmal einen Nebenjob haben, der würde uns ja von der Grundsicherung abgezogen werden. Aber Politiker dürfen trotz ihres Gehalts noch nebenbei arbeiten. Was für eine Ungerechtigkeit.Wenn ich hier auf dem Weihnachtsmarkt etwas von eurer Werkstatt gekauft hätte, käme davon etwas bei dir an?Jein. Es kommt bei uns in der Lebenshilfe an, aber in einem anderen Topf. Ich persönlich habe nichts davon. Das Geld aus dem Topf kann dann für neue Gerätschaften eingesetzt werden.Wäre es besser, keine Produkte aus Behindertenwerkstätten zu kaufen?Puh, das ist nicht so einfach zu sagen. Alles hängt ja noch mit an der großen Industrie dran. Man erwirtschaftet was, aber weiß gar nicht, in welche Tasche.Die UN-Behindertenrechtskonvention sagt, dass Werkstätten abgeschafft werden sollen. Auch das Schulsystem, das Kinder trennt. Es soll inklusive Schulen geben.Ab wann ist man inklusiv? Das ist die Frage. Im Moment kann man Werkstätten nicht abschaffen. Manche brauchen das geschützte Umfeld. Und manche wollen da raus.Brauchst du das geschützte Umfeld?Jein. Man kann uns nicht so einfach kündigen. Wenn wir Fehler machen, geht das nicht an uns, sondern an die Gruppenleiter. Wenn wir Fehler machen, haftet dafür der Gruppenleiter. In einer wirtschaftlichen Kette bist du der Buhmann, wenn du den Fehler machst.Und wenn solche Strukturen auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt geschaffen würden?Nein, das wird nicht passieren. Ich war ja schon auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt. Da war ich in einer kleinen Firma, die gesagt haben: Wir probieren es mit dir aus. Sie konnten mich dann aber nicht übernehmen, weil ich Höhenangst habe. Ich konnte also nicht auf Bau-Höhen arbeiten. Es war ein Metallbaubetrieb. Ich musste da also auch mal ganz nach oben. Der Chef hat gesagt: Wenn ich mehr Leute hätte, könnte ich dich auch behalten. Aber so ging es nicht. Generell sind kaum Leute bereit dazu, Menschen mit Beeinträchtigungen einzustellen. Man gibt uns keine Chance. Man kauft sich lieber frei. Ich glaub, das juckt die Leute mit viel Geld gar nicht, die sich davon freikaufen. Oder man lässt von uns produzieren und schreibt sich dann auf die Fahne, was Gutes zu tun. Ob das was Gutes ist, ist die Frage.Du gehst viel zu Veranstaltungen, bei denen es um Inklusion geht, und sprichst mit Politikern.Ja, ich möchte Sichtbarkeit für uns schaffen. Viele denken, Menschen mit Einschränkungen wären ein Schandfleck. Aber es gibt Arbeitskräftemangel. Okay, wir kriegen zwar nicht so viel hin, aber ein paar kompetente Menschen gibt es bei uns schon. Interessiert das die da oben? Nö. Wir arbeiten 36 Stunden die Woche, für knappe 60 Euro. Das ist unmenschlich. Darauf mache ich aufmerksam. Wir müssen uns zeigen. Die kommen ja nicht von sich aus auf uns zu. Menschen müssen uns fragen, wie wir die Dinge sehen. Und uns nicht abstempeln, als hätten wir keine Ahnung von nichts. Uns einfach mal zuhören, das wäre gut.Was sagen die Politiker?Ich habe mal einem Politiker eine Liste gegeben mit Verbesserungsvorschlägen. Wir dachten, nach der Podiumsdiskussion würde es Fragen aus dem Publikum geben, aber die gab es nicht. Also habe ich eine Liste aufgeschrieben mit Verbesserungen und Forderungen. Er sagte, er würde sich melden und uns nach Hannover einladen.Hat er das bis jetzt gemacht?Nein.



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