Es waren erschütternde Bilder, die im April 1975 von Saigon aus um die Welt gingen. Hubschrauber starteten vom Dach der US-Botschaft, Menschen drängten auf die Dächer, um noch einen der rettenden Plätze zu erwischen. Die Helikopter folgen im Pendelverkehr zu den vor der Küste wartenden Kriegsschiffen, um möglichst viele Zivilisten zu retten, denn der Fall Saigons und damit der endgültige Untergang Südvietnams stand unmittelbar bevor.

Am Ende der Aktion, als klar war, dass es keine weiteren Flüge mehr nach Saigon geben würde, wurden die Hubschrauber von den Decks der Flugzeugträger und Schiffe, auf denen sie gerade erst gelandet waren, ins Meer geworfen, um Platz zu machen für jene Maschinen, die noch in der Luft waren.

Für Europäer waren die Bilder schockierend, für Amerikaner waren sie ein Trauma, von dem sich die Nation vielleicht bis heute nicht vollständig erholt hat. Vorangegangen waren mehr als zehn Jahre Krieg, in dem die US-Armee nicht eine einzige Schlacht verloren hatte. Dennoch stand an seinem Ende eine demütigende Niederlage, die nicht nur in den Vereinigten Staaten selbst, sondern auch in anderen Teilen der Welt immer noch nachwirkt.

Amerikas Eintritt in den Vietnamkrieg zeigt Muster, die auch heute wieder zu sehen sind

Den Vereinigten Staaten ist der Vietnamkrieg nicht aufgezwungen worden. Man hat sich in den 1960er Jahren vielmehr Schritt für Schritt immer tiefer in ihn hineinziehen lassen. Mit jedem Schritt, der vollzogen wurde, wurden allerdings auch das amerikanische Engagement und der Blutzoll, den das Land für sein Eingreifen zu bezahlen hatte, immer größer. Es begann mit Marineschiffen, die vor den Küsten Nordvietnams operierten und die angeblich von den Nordvietnamesen angegriffen wurden.

Dieser sogenannte Tonking-Zwischenfall, war die von der CIA selbst inszenierte Eintrittskarte in den Krieg. Es folgte eine der gewaltigsten Luftoffensiven, die die Welt bis dahin gesehen hatte. Doch schon damals galt, was sich auch heute wieder bewahrheitet: Man kann viele Menschen töten, man kann Städte und Produktionsstätten in Schutt und Asche legen, aber man kann keinen Sieg herbei bomben.

Dann begann die Entsendung von Bodentruppen. Zunächst gingen Spezialeinheiten an Land. Ihnen folgte zunächst ein Heer von Beratern und anschließend eine in der Spitze 500.000 Mann starke Armee, in der auch sehr viele Wehrpflichtige dienten und starben. All das reichte aus, um jede Schlacht, die in diesem Krieg geschlagen wurde, zu gewinnen. Den Krieg als ganzes verlor Amerika trotzdem, denn die Vietnamesen weigerten sich einfach, den Kampf aufzugeben.

Die Bühne für die Wiederholung der Fehler von damals ist bereitet

Die Parallelen zur heutigen Lage im Krieg mit dem Iran sind beängstigend. Wieder wurde versucht, einen Gegner mit einer gewaltigen Luftmacht in die Knie zu zwingen oder ihn wenigstens an den Verhandlungstisch zu bomben. Die Erfolge sind dürftig. Zwar wurden wichtige Führer des Landes ausgeschaltet, doch gebrochen ist derzeit weder das Regime der Mullahs noch die iranische Armee.

Donald Trump hat auf diese Zwickmühle mit der Verlegung von Bodentruppen in die Golfregion reagiert. Sollten sie im Iran an Land gehen, droht ihnen ein ähnliches Schicksal wie den Veteranen, die in Vietnam gekämpft haben. Sie werden sich ständigen Angriffen aus dem Hinterhalt gegenübersehen. Sie werden über die überlegene Waffentechnik verfügen, doch dies wird vermutlich nicht ausreichen, um ein Land zur Kapitulation zu zwingen, das einfach nicht kapitulieren will und das weiß, dass es den Krieg gewinnen wird, wenn es einfach nur länger durchhält als Israel und die USA.





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