Der im Februar zum neuen Vorsitzenden der katholischen Deutschen Bischofskonferenz gewählte Heiner Wilmer wird neuer Bischof von Münster. Er danke Papst Leo IVX. für sein Zutrauen, sagte Wilmer bei seiner Vorstellung am Donnerstag im Dom zu Münster. Der Einfluss des 64-Jährigen wuchs nun schlagartig – er steht künftig an der Spitze des von der Mitgliederzahl her größten deutschen Bistums.

Vatikan bestimmt Kandidatenliste

Der seit 2018 als Bischof im niedersächsischen Hildesheim tätige Ordensmann wird Ende Juni offiziell in sein Amt eingeführt. Der Bischofssitz war vakant, seit der ehemalige Münsteraner Bischof Felix Genn vor einem Jahr aus Altersgründen ausschied.

Nach dem sogenannten Preußenkonkordat bestimmte das Domkapitel aus einer Liste mit drei Namen den künftigen Bischof. In einem ersten Schritt war eine Vorschlagsliste aus Münster in den Vatikan geschickt worden, der Vatikan schickte dann eine Liste mit drei Namen zurück.

Der Münsteraner Domprobst Hans-Bernd Köppen dankte dem Papst dafür, die Möglichkeit geschaffen zu haben, Wilmer wählen zu können – offensichtlich wurde der neue Bischof also in Rom auf die Liste gesetzt.

Bischof Wilmer kämpft gegen Missbrauch

Das Bistum Münster löste mit rund 1,6 Millionen Katholiken das Erzbistum Köln als das mitgliederstärkste Bistum ab. In seiner Antrittsansprache im Dom kündigte Wilmer an, sich besonders im Kampf gegen den Missbrauchsskandal stark zu machen.

„Viele Verantwortungsträger haben viel zu lange weggeschaut – das alles darf es nie wieder geben“, sagte er. Er werde sich „mit aller mir zur Verfügung stehenden Kraft dafür einsetzen, dass unsere Kirche ein sicherer Raum ist“.

Wilmer ist 64 Jahre alt und Ordensmann. 2018 ernannte ihn der verstorbene Papst Franziskus zum Bischof von Hildesheim. In seinen Begrüßungsworten beschrieb er die Aufgabe der Kirche darin, zunächst den Menschen zuzuhören.

Weg der Kirche: Zuhören und Vorangehen

„Vielleicht ist das der Weg der Kirche heute – aufsuchen, zuhören, verstehen und dann vorangehen.“ Es gehe darum, nicht alles zu wissen, nicht alles erklären zu können – aber unterwegs sein.

Wilmer bekam innerkirchlich zahlreiche Gratulationen. Sein Stellvertreter an der Spitze der Bischofskonferenz, Michael Gerber aus Fulda, erklärte, er sei sicher, dass Wilmer „mit Positionierung und klaren Worten, mit dem mutigen Blick nach vorn und dem gleichzeitigen Blick für das Ganze“ die vor ihm liegenden Aufgaben gut bewältigen werde.

Der Paderborner Erzbischof Udo Markus Bentz erklärte, Wilmer sei damit vertraut, „in schwierigen Gewässern konkrete Lenkungs- und Leitungsverantwortung wahrzunehmen“. Der Essener Bischof Franz-Josef Overbeck erklärte, Wilmer fielen nun „in einer für die katholische Kirche wichtigen Zeit zwei bedeutende Aufgaben zu“. (afp/red)



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