Ein Gastbeitrag von Thomas Rießinger
Man stelle sich vor, die Kabarettistin Monika Gruber, die man fraglos nicht dem linken Lager zurechnen kann, spräche auf der Bühne die folgenden Worte: „Wenn du Deutsche hasst, dann ist die SPD deine Partei. Wenn du dich selbst hasst und deshalb jeden Tag Lars Klingbeil in den Nachrichten sehen willst, dann ist die SPD deine Partei. Wenn du außerdem deine eigenen Kinder hasst und willst, dass sie in einer Welt voller Armut und willkürlicher Hausdurchsuchungen leben, dann ist die SPD deine Partei. Das alles kriegst du nämlich, wenn du die SPD wählst.“ Und das auch noch im öffentlich-rechtlichen Fernsehen! Der Aufschrei wäre groß, alle anständig – das heißt links – denkenden Meinungsführer und erst recht alle, die es noch werden wollen, kämen aus ihren Löchern gekrochen, um sofort die Entlassung Grubers, des zuständigen Redakteurs und des Pförtners zu fordern, der die beiden in das Gebäude gelassen hat. Es wäre auch nicht anders, wenn man die SPD durch die CDU und Lars Klingbeil durch Friedrich Merz ersetzen wollte; von einer Substitution durch Grüne will ich gar nicht reden.
Monika Gruber hat nichts dergleichen gesagt, sie hat ja sowohl Humor als auch Talent. Sarah Bosetti, die so etwas wie eine Satirikerin sein soll, ist von anderem Kaliber. Jene Sarah Bosetti, die zu Zeiten der sonderbaren PCR-Pandemie die schönen Worte äußerte: „Wäre die Spaltung der Gesellschaft wirklich etwas so Schlimmes? Sie würde ja nicht in der Mitte auseinanderbrechen, sondern ziemlich weit rechts unten. Und so ein Blinddarm ist ja nicht im strengeren Sinne essentiell für das Überleben des Gesamtkomplexes.“ Womit sie ihre Achtung vor der Menschenwürde anderer – das heißt: nichtlinker – Menschen deutlich unter Beweis gestellt hat. Hat die Jury des Dieter-Hildebrandt-Preises an ähnliche Sätze gedacht, als sie Bosetti 2021 eben diesen Preis verlieh und meinte: „Ihre hochpolitischen Geschichten erzählt sie mit leiser, freundlicher, unaufdringlicher, aber eindringlicher Stimme. Ihre Texte sind zeitgemäß, frisch, frech, kritisch, oft sehr böse und dabei überaus komisch“?
Ihren Sinn für zeitgemäße und frische Komik hat sie nun wieder einmal unter Beweis gestellt, selbstverständlich im ZDF, denn mit dem Zweiten sieht man besser. Ich darf noch einmal an den nicht vorgetragenen fiktiven Text Grubers erinnern, bevor ich Bosettis Text und damit ihr ureigenstes Niveau zur Kenntnis gebe. Auf offener Bühne sagte sie: „Wenn du Frauen hasst, dann ist die AfD deine Partei. Wenn du dich selbst hasst und deshalb jeden Tag Alice Weidel in den Nachrichten sehen willst, dann ist die AfD deine Partei. Wenn du außerdem deine eigenen Kinder hasst und willst, dass sie in einer Welt voller Hungersnöte und Hitzewellen leben, dann ist die AfD deine Partei. Das alles kriegst du nämlich, wenn du die AfD wählst.“ Und das Publikum applaudierte.
Solche Hervorbringungen werden von unseren Zwangsgebühren bezahlt. Der Privatsender RTL strahlt seit vielen Jahren die Sendung „Bauer sucht Frau“ aus. Vielleicht sollte man dort einmal über ein neues Format des Namens „Satiriker sucht Niveau“ nachdenken.
Eine Kandidatin wüsste ich schon.
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Thomas Rießinger ist promovierter Mathematiker und war Professor für Mathematik und Informatik an der Fachhochschule Frankfurt am Main. Neben einigen Fachbüchern über Mathematik hat er auch Aufsätze zur Philosophie und Geschichte sowie ein Buch zur Unterhaltungsmathematik publiziert.
Bild: Markus Wissmann/Shutterstock
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