Er soll fast so groß werden wie der Fernsehturm in Berlin: In Brandenburg wächst ein Stahlturm in den Himmel, der den Anteil Erneuerbarer weiter steigern soll: Die Ingenieure setzen auf eine viel effektivere „Wind-Ernte“ in großer Höhe


Hier im Energiepark Lausitz in Brandenburg soll das mit 360 Metern höchste Windrad der Welt entstehen.

Foto: Andreas Franke/Imago


Baubeginn in Schipkau, einem kleinen Ort in Brandenburg: Ein Großkran bringt Stahlträger in Stellung, langsam wächst ein Gittermast in den Himmel. Der soll einmal das höchste Windrad der Welt tragen, vom Fundament bis zur Rotorspitze werden planmäßig einmal 360 Meter gemessen. Die Anlage wird dann das zweithöchste Bauwerk Deutschlands sein, nach dem Berliner Fernsehturm mit seinen 368 Metern. Das Projekt kostet zwischen 20 und 30 Millionen Euro und wird von der Bundesagentur für Sprunginnovationen (Sprind) finanziert. Noch in diesem Jahr soll es ans Netz gehen.

Neu ist dabei nicht der Rotor, denn der stammt aus der Serienfertigung des saarländischen Herstellers Vensys: Das Windkraftwerk hat eine Leistung von 3,8 Megawatt, die Rotorblätter sind mit 65 Metern auch eher technologisches Mittelmaß. Das Neue steckt im hohen Gittermast: Die Ingenieure stoßen mit diesem in Höhen vor, in denen der Wind stärker und stetiger bläst. „Es gibt dadurch praktisch keine windschwachen Gebiete mehr“, erklärte nach der Grundsteinlegung Martin Chaumet, Geschäftsführer der Beventum GmbH. Man könne dann mit den Anlagen zum Beispiel auch in die Industriegebiete gehen, was weniger Widerstand bei Bürgern hervorrufen dürfte.

2.000 Tonnen Stahl werden verbaut

Entwickelt wird das Projekt vom Dresdner Ingenieurdienstleister GICON: Im Vergleich zu derzeit herkömmlichen Windrädern im benachbarten Windpark Schipkau soll die Leistungssteigerung bis zu 220 Prozent betragen. Seit 2010 arbeitet Gicon an diesem Projekt, um die Windverhältnisse zu erforschen, errichtete das Unternehmen zunächst einen Windmessmast. Der ließ schließlich keinen Zweifel: Der Wind in 300 Metern Höhe erwies sich tatsächlich als stetiger und stärker als in den bislang üblichen Höhen der Windkrafternte.

„Es geht gar nicht so sehr um stärkeren Wind, es geht um stabileren Wind“, sagt Jochen Großmann, Geschäftsführer von Gicon. Der stabilere Wind führe dazu, dass der Rotor mehr als den doppelten Ertrag einer herkömmlichen Windturbine einfahre. Der Vorteil: Das Argument „wenn der Wind mal weht“ falle dann weg: Höhenwindräder liefern praktisch immer Strom. In der Energiewirtschaft wird dieser Strom als „grundlastfähig“ bezeichnet, der Vorwurf an die Photovoltaik und die Windkraft bislang: Solchen „Grundlaststrom“ nicht liefern zu können.

Das Fundament des Windrads muss 2.000 Tonnen tragen

Natürlich gibt es bei solch einem Projekt etliche ingenieurtechnische Herausforderungen. Eine lautet beispielsweise: Wie bekommt man die viele Tonnen schwere Turbine in solche Höhe transportiert? Herkömmliche Kräne schaffen so etwas nicht, das Dresdner Unternehmen hat sich deshalb eine Teleskopvorrichtung patentieren lassen: Zunächst soll die Gondel auf 150 Metern Höhe montiert werden, denn bis dorthin schaffen es Kräne. Danach wird sie auf 300 Meter ausgefahren und angeschlossen.

Gebaut wird an dem Riesenprojekt freilich nicht erst seit diesem März: Zuerst wurden Ende 2024 Betonpfähle in den Untergrund eingebracht, die 19 Meter tief sind und das Tragfundament bilden. Vor Jahresbeginn begann dann der Bau des eigentlichen Fundaments: Der Gittermast wird aus rund 22.000 Einzelteilen entstehen, darunter massive Schrauben mit jeweils zwei Kilogramm Gewicht, insgesamt muss das Fundament 2.000 Tonnen tragen. Jetzt bekommt man langsam eine Vorstellung von dem kommenden Giganten: Die ersten 50 Meter sind gebaut.

Erneuerbare legen im ersten Quartal 2026 um sechs Prozent zu

2025 war ein windschwaches Jahr, „minus sechs Prozent zum langjährigen Mittel“, bilanziert Jaqueline Drücke vom Deutschen Wetterdienst. Im ersten Quartal dieses Jahres lieferten die Erneuerbaren Energien 53 Prozent des Bruttostromverbrauchs, sechs Prozent mehr als noch im ersten Quartal 2025. Mit 31,5 Prozent lieferte die Windenergie den Löwenanteil. Trotz des „dunklen“ Jahresviertels steuerte die Photovoltaik 9,7 Prozent bei, den Rest lieferten Biomasse (7,8 Prozent) und Wasserkraft. Beschlusslage der Bundesregierung ist, den Anteil bis 2030 auf 80 Prozent zu erhöhen.

Ob das Höhenwindrad bei diesem Ausbau eine Rolle spielt, werden auch die politischen Rahmenbedingungen entscheiden: Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) plant massive Einschnitte, ihre Begründung: Zuerst müsse das Netz ausgebaut werden. Bundesumweltminister Carsten Schneider (SPD) hatte dagegen in seinem Klimaschutzprogramm einen massiven Ausbau der Windkraft vorgesehen. Die Frage ist nun: Wer von beiden setzt sich durch?

Herstellers Vensys: Das Windkraftwerk hat eine Leistung von 3,8 Megawatt, die Rotorblätter sind mit 65 Metern auch eher technologisches Mittelmaß. Das Neue steckt im hohen Gittermast: Die Ingenieure stoßen mit diesem in Höhen vor, in denen der Wind stärker und stetiger bläst. „Es gibt dadurch praktisch keine windschwachen Gebiete mehr“, erklärte nach der Grundsteinlegung Martin Chaumet, Geschäftsführer der Beventum GmbH. Man könne dann mit den Anlagen zum Beispiel auch in die Industriegebiete gehen, was weniger Widerstand bei Bürgern hervorrufen dürfte.2.000 Tonnen Stahl werden verbautEntwickelt wird das Projekt vom Dresdner Ingenieurdienstleister GICON: Im Vergleich zu derzeit herkömmlichen Windrädern im benachbarten Windpark Schipkau soll die Leistungssteigerung bis zu 220 Prozent betragen. Seit 2010 arbeitet Gicon an diesem Projekt, um die Windverhältnisse zu erforschen, errichtete das Unternehmen zunächst einen Windmessmast. Der ließ schließlich keinen Zweifel: Der Wind in 300 Metern Höhe erwies sich tatsächlich als stetiger und stärker als in den bislang üblichen Höhen der Windkrafternte.„Es geht gar nicht so sehr um stärkeren Wind, es geht um stabileren Wind“, sagt Jochen Großmann, Geschäftsführer von Gicon. Der stabilere Wind führe dazu, dass der Rotor mehr als den doppelten Ertrag einer herkömmlichen Windturbine einfahre. Der Vorteil: Das Argument „wenn der Wind mal weht“ falle dann weg: Höhenwindräder liefern praktisch immer Strom. In der Energiewirtschaft wird dieser Strom als „grundlastfähig“ bezeichnet, der Vorwurf an die Photovoltaik und die Windkraft bislang: Solchen „Grundlaststrom“ nicht liefern zu können. Das Fundament des Windrads muss 2.000 Tonnen tragenNatürlich gibt es bei solch einem Projekt etliche ingenieurtechnische Herausforderungen. Eine lautet beispielsweise: Wie bekommt man die viele Tonnen schwere Turbine in solche Höhe transportiert? Herkömmliche Kräne schaffen so etwas nicht, das Dresdner Unternehmen hat sich deshalb eine Teleskopvorrichtung patentieren lassen: Zunächst soll die Gondel auf 150 Metern Höhe montiert werden, denn bis dorthin schaffen es Kräne. Danach wird sie auf 300 Meter ausgefahren und angeschlossen. Gebaut wird an dem Riesenprojekt freilich nicht erst seit diesem März: Zuerst wurden Ende 2024 Betonpfähle in den Untergrund eingebracht, die 19 Meter tief sind und das Tragfundament bilden. Vor Jahresbeginn begann dann der Bau des eigentlichen Fundaments: Der Gittermast wird aus rund 22.000 Einzelteilen entstehen, darunter massive Schrauben mit jeweils zwei Kilogramm Gewicht, insgesamt muss das Fundament 2.000 Tonnen tragen. Jetzt bekommt man langsam eine Vorstellung von dem kommenden Giganten: Die ersten 50 Meter sind gebaut. Erneuerbare legen im ersten Quartal 2026 um sechs Prozent zu2025 war ein windschwaches Jahr, „minus sechs Prozent zum langjährigen Mittel“, bilanziert Jaqueline Drücke vom Deutschen Wetterdienst. Im ersten Quartal dieses Jahres lieferten die Erneuerbaren Energien 53 Prozent des Bruttostromverbrauchs, sechs Prozent mehr als noch im ersten Quartal 2025. Mit 31,5 Prozent lieferte die Windenergie den Löwenanteil. Trotz des „dunklen“ Jahresviertels steuerte die Photovoltaik 9,7 Prozent bei, den Rest lieferten Biomasse (7,8 Prozent) und Wasserkraft. Beschlusslage der Bundesregierung ist, den Anteil bis 2030 auf 80 Prozent zu erhöhen. Ob das Höhenwindrad bei diesem Ausbau eine Rolle spielt, werden auch die politischen Rahmenbedingungen entscheiden: Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) plant massive Einschnitte, ihre Begründung: Zuerst müsse das Netz ausgebaut werden. Bundesumweltminister Carsten Schneider (SPD) hatte dagegen in seinem Klimaschutzprogramm einen massiven Ausbau der Windkraft vorgesehen. Die Frage ist nun: Wer von beiden setzt sich durch?



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