Um den Klassenkampf auf dem Land kennenzulernen und das Stück „Katzgraben“ wahrheitsgetreu inszenieren zu können, besuchen Schauspieler, Dramaturgen und Bühnenbildner zwei Lausitz-Dörfer


Inszenierung von Erwin Strittmatters (r.) „Katzgraben“ mit dem Bühnenbild „Gute Stube“ beim Großbauern

Foto:frontalvision.com/Imago


Walter Ulbricht höchstpersönlich verkündete 1959 den „Bitterfelder Weg“. Damit waren Künstler aller Sparten aufgerufen, ihre Werke in direktem Kontakt mit Betrieben und Werktätigen zu entwickeln. Eigentlich war das nichts Neues, sollte aber möglichst viele Kreative, die vorwiegend am Schreibtisch oder im Atelier arbeiteten, enger mit dem sozialistischen Aufbau verbinden. Seit in den 1920er Jahren sowohl etablierte Schriftsteller als auch Arbeiter Betriebsreportagen publizierten, waren Recherchen in der Arbeitswelt für viele Autoren selbstverständlich.

Bertolt Brechts Berliner Ensemble (BE) pflegte seit der Gründung im November 1949 viele Beziehungen zu Betrieben, um in einen lebendigen Austausch mit einem neuen, noch zu gewinnenden Publikum zu kommen. Arbeitskollektive wurden zu Proben eingeladen, zugleich Inszenierungen in Betrieben zur Diskussion gestellt. Die von einem solchen Publikum geäußerte Kritik wurde sehr ernst genommen.

Geeigneter als seine Versuche, Stoffe des sozialistischen Aufbaus in der Stadt auf die Bühne zu bringen, erschien Brecht im Sommer 1952 das Stück Katzgraben von Erwin Strittmatter. Es behandelte den revolutionären Wandel auf dem Land seit 1947, die Zeit nach der Bodenreform, von der Kleinbauern ebenso profitierten wie die vielen Neubauern, zumeist Flüchtlinge aus Polen und der Tschechoslowakei.

Die junkerliche Oberschicht war zwar ausgeschaltet, doch hatte der auf dem Land lebende Strittmatter festgestellt, dass die starre Klassenhierarchie von Groß-, Mittel- und Kleinbauern weiterexistierte. Das erschwerte es, die Landwirtschaft zu modernisieren, was dringend geboten war, um den Nachkriegshunger zu stillen. Dies war auch deshalb vonnöten, weil der sozialistische Staat von einer hochproduktiven Arbeiterklasse errichtet werden sollte, die einen Anspruch auf gute Ernährung hatte.

1947 konnte ein Großbauer noch davon ausgehen, dass die Abhängigkeit der Klein- und Mittelbauern unerschütterlich sei, weil er Zugtiere verleihen oder Saatgut vergeben konnte. Natürlich wollte er sich seine Vorrangstellung erhalten und bekämpfte den Beschluss seines Dorfes, eine Straße in die Stadt zu bauen, auf der moderne Technik, zum Beispiel Traktoren, ins Dorf fahren konnten. In den damals aus der Sowjetunion gelieferten Zugmaschinen ließen sich durchaus Vorboten einer Kollektivierung sehen, um die es Ende der 1940er Jahre aber noch nicht ging.

Da es in der Bauernschaft weniger revolutionäre Traditionen als in der durch Nazizeit und Krieg geschwächten Arbeiterklasse gab, war ein ihr entstammender Organisator erforderlich, um ein Dorf in Bewegung zu bringen. In Strittmatters Stück ist ein Arbeiter aus dem nahen Braunkohlenbergwerk der Parteisekretär. Seine Position ist nicht nur heikel, weil die steigende Produktion des Bergwerks den Grundwasserspiegel senkt, was den alten, ungepflasterten Weg in die Stadt einsinken lässt. Auch Kleinbauern, denen vom Staat ein Ochse zugeteilt worden ist, befürchten, dass ihre Wiesen wegen Wassermangels nicht mehr genug Futter hergeben.

Vorhersehbar war, dass es eine in Jamben geschriebene Komödie mit solchen Konflikten beim Publikum schwer haben würde. Auch für die Schauspieler stellte sie Neuland dar. So begab sich im November 1952 das am Stück beteiligte Ensemble auf Exkursion zu zwei von Strittmatter vorgeschlagenen Dörfern in der Lausitz: Eschwege und Klein-Kölzig. Dort konnte man die seit 1947 erreichten Veränderungen besichtigen. Brechts langjährige Gefährtin Ruth Berlau veröffentlichte darüber eine Reportage im Sonntag.

„Da wollen wir doch mal nachschauen, ob es stimmt, was du geschrieben hast“, habe ein Schauspieler zu Strittmatter gesagt. Brecht hätte daran nicht gezweifelt und gemeint: „Aber unsre Sache ist’s, dass die Inszenierung stimmt.“ Es gehe um die Frage: Wie ändere man Menschen, „die gewohnt sind, nur an sich selber zu denken? Ein Bauer hat eine große Familie; zuerst will er für sie ein Stück Speck in den Rauchfang hängen.“ Das Stück müsse daher zeigen, wie „er allmählich erkennt, dass er mit seinem kleinen Haushalt besser fährt, wenn er sich auch um den großen kümmert“.

Zum Mittagessen waren die Schauspieler und andere Mitarbeiter des BE bei Bauernfamilien eingeladen. Brecht habe sich besonders für die Bauernküchen interessiert, die als gut geheizter Ort im Haus Mittelpunkt des Familienlebens waren. „Wir werden in der Inszenierung wiederfinden, was Brecht gesehen hat; bestimmt die zwei kleinen Säcke über dem Herd mit den Pilzen zum Trocknen, den Hocker mit der Waschschüssel, den kleinen Kanonenofen mit dem riesigen Rohr.“ Er habe sich gefragt, wie man „Farbflecken hineinbringen“ könne, „die Dekoration muss schön ausschauen“, schrieb Berlau im Sonntag.

Nachdenklich wurde Brecht, als eine betagte Bäuerin erklärte, dass im Theater für alte Menschen kein Platz sei, der sei „nur für die Jungen“. Später äußerte er, es sei notwendig, die Leute „heraus aus der Küche, rein in unsere Kulturhäuser, in unsere Theatervorstellungen“ zu bringen. Er widersprach Mitarbeitern, die behaupteten, das Dorfleben aus eigener Anschauung zu kennen. Es nehme schließlich „immerfort einen anderen Charakter an“. Vor zwei Jahren hätte es hier schon ein Kulturhaus gegeben, aber noch keine Maschinen-Ausleih-Station. Das hätte auch die Bauern verändert, was Strittmatters Stück zeigen müsse, so Brecht.

Kartoffelpreise korrigiert

Sein Ensemble erlebt auch ein Dorffest. Jungen und Mädchen in Kostümen fahren auf geschmückten Wagen vorbei. Das erscheint Brecht „viel bunter, als ich es mir gedacht habe“, das könne man so auf die Bühne bringen. In der Endphase der Inszenierung allerdings wird dann fast alle Farbe aus der Festszene genommen, um die auf den Traktor gepflanzte rote Fahne zur Geltung zu bringen. Es gab auch keine folkloristischen Kostüme, und die „Theaterbauern“ tanzten wie Städter.

Dennoch, „geerntet“ habe das Ensemble nicht nur realistische Anregungen für die Dekoration, schrieb Ruth Berlau. „Wir haben den einsinkenden Grubenweg gesehen, der in Strittmatters Stück Streitpunkt ist, und den neuen Weg, um den gekämpft wird. Wir haben den Meisterbauern gesehen und den jungen Traktoristen.“ Auf einem der vier, Berlaus Reportage im Sonntag beigegebenen Fotos ist der Meisterbauer im Gespräch mit der Schweizer Schauspielerin Regine Lutz zu sehen, die im Stück die Kleinbauerntochter Elli verkörpert. Diese studiert Agronomie und kehrt gereift ins Dorf zurück. Ein anderes Foto zeigt Brecht und Strittmatter neben einem Traktor sitzen, den Berlau zum „Hauptdarsteller“ des Stücks gekürt hat.

Helene Weigel, bei der Schwierigkeiten vermutet werden, die Großbäuerin darzustellen, was ihr aber – auch nach Meinung bäuerlicher Zuschauer – „prima“ gelingt, steht auf einem weiteren Foto skeptisch vor dem am Traktor hängenden Pflug. Für die Gastfreundschaft bedankt sich das Ensemble im Kulturhaus mit der Aufführung des sowjetischen Stücks Ein fremdes Kind. Bauern aus anderen Dörfern reisen mit Bussen an.

Die Textarbeit an dem in Jamben geschriebenen Stück und die Inszenierung brachten ungewohnte Herausforderungen für die Theaterleute. Brecht bemühte sich, die im Sozialismus waltende schmerzhafte Dialektik der Widersprüche herauszuarbeiten, die er perspektivisch für lösbar hielt.Ungünstig war, dass die Premiere am 23. Mai 1953 bereits in die Zeit eines verstärkten Drucks zur Bildung von Genossenschaften fiel. Damit türmten sich neue Probleme auf, die das Stück gar nicht behandelte.

Die Dramaturgin Käthe Rülicke schrieb über die Premiere: „Haus nur 2/3 voll, fieses Publikum. Während der ersten zwei Bilder lauter blöde Fressen, keiner wagte zu lachen, Szenenapplaus eigentlich nur im Dunkeln. Scheußliche Stimmung, jeder wartete erst die Reaktion des anderen ab. (…) Schlimm war, dass keiner mit der Absicht gekommen war, sich zu unterhalten, sondern man wollte dabei sein bei einem Skandal.“

Die noch oftmals veränderte Inszenierung – Brecht korrigierte auf Zuschauerwunsch sogar die Kartoffelpreise – erlebte bald ein geneigteres Publikum und wurde bis 1956 insgesamt 62-mal aufgeführt. Damals begann Heiner Müller, sein von Katzgraben inspiriertes Stück Die Umsiedlerin zu schreiben. Es zeigte, dass sich für den Einzelnen auch im Sozialismus die Widersprüche nicht immer zufriedenstellend auflösten. Ansatzweise kam das auch in Katzgraben vor: Für Ellis Mutter etwa entsteht ein Berg an Mehrarbeit, weil die Tochter zum Studium geht.

Auch in Westdeutschland erforderte die Mechanisierung der Landwirtschaft ein Vergrößern der Anbauflächen. Parzellenbauern, die nicht mehr profitabel wirtschafteten, mussten ihr Land Großagrariern überlassen. Es gab dort kein Kunstwerk, das sich mit diesen Tragödien von Klein- und Mittelbauern befasst hat.

nnenden Publikum zu kommen. Arbeitskollektive wurden zu Proben eingeladen, zugleich Inszenierungen in Betrieben zur Diskussion gestellt. Die von einem solchen Publikum geäußerte Kritik wurde sehr ernst genommen.Geeigneter als seine Versuche, Stoffe des sozialistischen Aufbaus in der Stadt auf die Bühne zu bringen, erschien Brecht im Sommer 1952 das Stück Katzgraben von Erwin Strittmatter. Es behandelte den revolutionären Wandel auf dem Land seit 1947, die Zeit nach der Bodenreform, von der Kleinbauern ebenso profitierten wie die vielen Neubauern, zumeist Flüchtlinge aus Polen und der Tschechoslowakei.Die junkerliche Oberschicht war zwar ausgeschaltet, doch hatte der auf dem Land lebende Strittmatter festgestellt, dass die starre Klassenhierarchie von Groß-, Mittel- und Kleinbauern weiterexistierte. Das erschwerte es, die Landwirtschaft zu modernisieren, was dringend geboten war, um den Nachkriegshunger zu stillen. Dies war auch deshalb vonnöten, weil der sozialistische Staat von einer hochproduktiven Arbeiterklasse errichtet werden sollte, die einen Anspruch auf gute Ernährung hatte.1947 konnte ein Großbauer noch davon ausgehen, dass die Abhängigkeit der Klein- und Mittelbauern unerschütterlich sei, weil er Zugtiere verleihen oder Saatgut vergeben konnte. Natürlich wollte er sich seine Vorrangstellung erhalten und bekämpfte den Beschluss seines Dorfes, eine Straße in die Stadt zu bauen, auf der moderne Technik, zum Beispiel Traktoren, ins Dorf fahren konnten. In den damals aus der Sowjetunion gelieferten Zugmaschinen ließen sich durchaus Vorboten einer Kollektivierung sehen, um die es Ende der 1940er Jahre aber noch nicht ging.Da es in der Bauernschaft weniger revolutionäre Traditionen als in der durch Nazizeit und Krieg geschwächten Arbeiterklasse gab, war ein ihr entstammender Organisator erforderlich, um ein Dorf in Bewegung zu bringen. In Strittmatters Stück ist ein Arbeiter aus dem nahen Braunkohlenbergwerk der Parteisekretär. Seine Position ist nicht nur heikel, weil die steigende Produktion des Bergwerks den Grundwasserspiegel senkt, was den alten, ungepflasterten Weg in die Stadt einsinken lässt. Auch Kleinbauern, denen vom Staat ein Ochse zugeteilt worden ist, befürchten, dass ihre Wiesen wegen Wassermangels nicht mehr genug Futter hergeben.Vorhersehbar war, dass es eine in Jamben geschriebene Komödie mit solchen Konflikten beim Publikum schwer haben würde. Auch für die Schauspieler stellte sie Neuland dar. So begab sich im November 1952 das am Stück beteiligte Ensemble auf Exkursion zu zwei von Strittmatter vorgeschlagenen Dörfern in der Lausitz: Eschwege und Klein-Kölzig. Dort konnte man die seit 1947 erreichten Veränderungen besichtigen. Brechts langjährige Gefährtin Ruth Berlau veröffentlichte darüber eine Reportage im Sonntag.„Da wollen wir doch mal nachschauen, ob es stimmt, was du geschrieben hast“, habe ein Schauspieler zu Strittmatter gesagt. Brecht hätte daran nicht gezweifelt und gemeint: „Aber unsre Sache ist’s, dass die Inszenierung stimmt.“ Es gehe um die Frage: Wie ändere man Menschen, „die gewohnt sind, nur an sich selber zu denken? Ein Bauer hat eine große Familie; zuerst will er für sie ein Stück Speck in den Rauchfang hängen.“ Das Stück müsse daher zeigen, wie „er allmählich erkennt, dass er mit seinem kleinen Haushalt besser fährt, wenn er sich auch um den großen kümmert“.Zum Mittagessen waren die Schauspieler und andere Mitarbeiter des BE bei Bauernfamilien eingeladen. Brecht habe sich besonders für die Bauernküchen interessiert, die als gut geheizter Ort im Haus Mittelpunkt des Familienlebens waren. „Wir werden in der Inszenierung wiederfinden, was Brecht gesehen hat; bestimmt die zwei kleinen Säcke über dem Herd mit den Pilzen zum Trocknen, den Hocker mit der Waschschüssel, den kleinen Kanonenofen mit dem riesigen Rohr.“ Er habe sich gefragt, wie man „Farbflecken hineinbringen“ könne, „die Dekoration muss schön ausschauen“, schrieb Berlau im Sonntag.Nachdenklich wurde Brecht, als eine betagte Bäuerin erklärte, dass im Theater für alte Menschen kein Platz sei, der sei „nur für die Jungen“. Später äußerte er, es sei notwendig, die Leute „heraus aus der Küche, rein in unsere Kulturhäuser, in unsere Theatervorstellungen“ zu bringen. Er widersprach Mitarbeitern, die behaupteten, das Dorfleben aus eigener Anschauung zu kennen. Es nehme schließlich „immerfort einen anderen Charakter an“. Vor zwei Jahren hätte es hier schon ein Kulturhaus gegeben, aber noch keine Maschinen-Ausleih-Station. Das hätte auch die Bauern verändert, was Strittmatters Stück zeigen müsse, so Brecht.Kartoffelpreise korrigiertSein Ensemble erlebt auch ein Dorffest. Jungen und Mädchen in Kostümen fahren auf geschmückten Wagen vorbei. Das erscheint Brecht „viel bunter, als ich es mir gedacht habe“, das könne man so auf die Bühne bringen. In der Endphase der Inszenierung allerdings wird dann fast alle Farbe aus der Festszene genommen, um die auf den Traktor gepflanzte rote Fahne zur Geltung zu bringen. Es gab auch keine folkloristischen Kostüme, und die „Theaterbauern“ tanzten wie Städter.Dennoch, „geerntet“ habe das Ensemble nicht nur realistische Anregungen für die Dekoration, schrieb Ruth Berlau. „Wir haben den einsinkenden Grubenweg gesehen, der in Strittmatters Stück Streitpunkt ist, und den neuen Weg, um den gekämpft wird. Wir haben den Meisterbauern gesehen und den jungen Traktoristen.“ Auf einem der vier, Berlaus Reportage im Sonntag beigegebenen Fotos ist der Meisterbauer im Gespräch mit der Schweizer Schauspielerin Regine Lutz zu sehen, die im Stück die Kleinbauerntochter Elli verkörpert. Diese studiert Agronomie und kehrt gereift ins Dorf zurück. Ein anderes Foto zeigt Brecht und Strittmatter neben einem Traktor sitzen, den Berlau zum „Hauptdarsteller“ des Stücks gekürt hat.Helene Weigel, bei der Schwierigkeiten vermutet werden, die Großbäuerin darzustellen, was ihr aber – auch nach Meinung bäuerlicher Zuschauer – „prima“ gelingt, steht auf einem weiteren Foto skeptisch vor dem am Traktor hängenden Pflug. Für die Gastfreundschaft bedankt sich das Ensemble im Kulturhaus mit der Aufführung des sowjetischen Stücks Ein fremdes Kind. Bauern aus anderen Dörfern reisen mit Bussen an.Die Textarbeit an dem in Jamben geschriebenen Stück und die Inszenierung brachten ungewohnte Herausforderungen für die Theaterleute. Brecht bemühte sich, die im Sozialismus waltende schmerzhafte Dialektik der Widersprüche herauszuarbeiten, die er perspektivisch für lösbar hielt.Ungünstig war, dass die Premiere am 23. Mai 1953 bereits in die Zeit eines verstärkten Drucks zur Bildung von Genossenschaften fiel. Damit türmten sich neue Probleme auf, die das Stück gar nicht behandelte.Die Dramaturgin Käthe Rülicke schrieb über die Premiere: „Haus nur 2/3 voll, fieses Publikum. Während der ersten zwei Bilder lauter blöde Fressen, keiner wagte zu lachen, Szenenapplaus eigentlich nur im Dunkeln. Scheußliche Stimmung, jeder wartete erst die Reaktion des anderen ab. (…) Schlimm war, dass keiner mit der Absicht gekommen war, sich zu unterhalten, sondern man wollte dabei sein bei einem Skandal.“Die noch oftmals veränderte Inszenierung – Brecht korrigierte auf Zuschauerwunsch sogar die Kartoffelpreise – erlebte bald ein geneigteres Publikum und wurde bis 1956 insgesamt 62-mal aufgeführt. Damals begann Heiner Müller, sein von Katzgraben inspiriertes Stück Die Umsiedlerin zu schreiben. Es zeigte, dass sich für den Einzelnen auch im Sozialismus die Widersprüche nicht immer zufriedenstellend auflösten. Ansatzweise kam das auch in Katzgraben vor: Für Ellis Mutter etwa entsteht ein Berg an Mehrarbeit, weil die Tochter zum Studium geht.Auch in Westdeutschland erforderte die Mechanisierung der Landwirtschaft ein Vergrößern der Anbauflächen. Parzellenbauern, die nicht mehr profitabel wirtschafteten, mussten ihr Land Großagrariern überlassen. Es gab dort kein Kunstwerk, das sich mit diesen Tragödien von Klein- und Mittelbauern befasst hat.



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