Ich bin mir sicher – die Bundeswehr ist eine echte Herausforderung für Moskau. Ich kenne das russische Militär aus meiner Zeit dort recht gut, und die Leute dort sind aus hartem Holz geschnitzt. Deshalb glaube ich: Wenn bei uns von Unisex-WCs, Diversität, Workshops für sexuelle Orientierung und Panzer-Schwangerenadaptierung gesprochen wird, denkt man dort, es handle sich um kryptische Tarnnamen für neue Wunderwaffen. Dass es schlichte Dekadenz ist, liegt jenseits des Vorstellungsvermögens dieser Haudegen vom alten Schlag.

Ich bin auch überzeugt, dass sie die ständigen Nachrichten über fehlende Munition, fahruntüchtige Hubschrauber, Schiffe, die nicht schwimmen, und Flugzeuge, die falsch betankt wurden, schlicht für Desinformation halten, um ihre Wachsamkeit einzuschläfern. Dass ausgerechnet Deutschland wirklich so auf den Hund gekommen sein könnte, wie es das ist – das übersteigt die Phantasie jedes Russen, der mit dem Mythos der deutschen Zuverlässigkeit aufgewachsen ist.

Insofern wird man im Verteidigungsministerium an der Snamenka-Straße in Moskau auch nicht glauben, was heute in den großen deutschen Medien zu lesen ist: Dass die Bundesregierung zwei Milliarden Euro in den Sand gesetzt hat für einen Digitalfunk, der nicht funktioniert. Schlimmer noch: Der nicht mal für den Übungsbetrieb freigegeben ist.