Die Bundeswehr schickt Soldaten nach Grönland, um die Insel gegen wen zu verteidigen? Gegen Russland und China! Während deutsche Außenpolitik zur Lachnummer wird, schreibt man im Ministerium Pennäler-Gedichte. Ein Panorama der Fremdscham
Cringe Amtsübergabe: Annalena Baerbock (Grüne) empfängt im Auswärtigen Amt ihren Nachfolger Johann Wadephul (CDU)
Foto: Thomas Trutschel/AA/Imago
Achtung, Achtung, jetzt reicht es aber! Nicht nur Frankreich, Finnland und Großbritannien schicken Truppen nach Grönland, sondern auch die Bundesrepublik! Weil: Was erlaubt sich dieser Trump?!
Da in unseren Tagen schon aus Kostengründen selten mehr von einem Stück Medien-Content wahrgenommen wird als die Überschrift, entsteht in zumindest manchen Öffentlichkeitsblasen derzeit anscheinend der Eindruck, es gebe inzwischen immerhin symbolischen Widerstand gegen eine Grönland-Annexion durch die Vereinigten Staaten von Amerika.
Doch offiziell ist das natürlich nicht der Fall. Man muss nur wenig der betreffenden Texte lesen, um bis zur absurden Nachricht vorzustoßen: Deutscherseits – und unser „Kontingent“ ist schon fast das größte – handelt es sich um ein Dutzend Mann, die in einem Zwei-Tage-Kurztrip ergründen sollen, ob und, falls tatsächlich, wie die Bundeswehr etwas beitragen könne zur Verteidigung Grönlands gegen – ganz genau: Russland oder China. Oder beide.
Deutsche Außenpolitik war zwischen 1970 und 1990
So wolle man, erklären dann die üblichen Erklärungsberufenen, geradezu super-smart des US-Präsidenten Argument durchkreuzen, demzufolge nur eine wie auch immer geartete Übernahme durch die USA die arktische Insel vor Moskau oder Peking schützen könne. Peinlicher geht’s wirklich kaum.
Man müsste, um in Donald Trumps Vokabular zu sprechen, tatsächlich einmal laut und deutlich „What the bloody Fuck!“ sagen – und zumindest überlegen, womit realistisch zu drohen wäre. Stattdessen unterschreibt diese Unterwerfungsaktion eine schale Rechtfertigungserzählung, an die nun wirklich niemand auf dem Planeten glaubt. Am wenigsten übrigens ihr Urheber selbst, der sie entsprechend lustlos vorträgt.
Na gut, könnte man da achselzuckend sagen, unglückliche Aktion in unglücklicher Lage, also Schwamm drüber. Aber steht diese Art von Unpolitik nicht auch für etwas? Das Auswärtige Amt der Bundesrepublik war in der westlichen Welt einst fast gefürchtet: Dass sein Apparat zu erheblichen Teilen aus Personal bestand, das dort schon vor 1945 Dienst getan hatte, sorgte für anerkennendes Misstrauen der verbündeten Siegermächte: Diesen Leuten musste man sorgfältig auf die Finger schauen, weil man nicht sicher sein konnte, was sie sonst anstellten!
In einem zweiten Zeitabschnitt – von den 1970er bis in die 1990er Jahre – brachte das außenpolitische Personal tatsächlich allerlei zustande im Interesse dieses Landes und erkämpfte zwischen Ost und West eine gewisse Bewegungsfreiheit. Und heute?
Sextaner-Reime über Baerbock und Habeck – wie cringe ist das Auswärtige Amt?
Man weiß ja nicht, was sonst so in internAA zu lesen ist, der nun im Gossip-Fach prominenten Belegschaftspublikation des Auswärtigen Amtes. Aber vielleicht bieten jene peinlichen Sextaner-Spottreime ohne jedes Versmaßgefühl, mit denen darin jüngst Robert Habeck und Ex-Ministerin Annalena Baerbock bedacht wurden, tatsächlich einen Einblick in das innere Wesen der deutschen Cringe-Zentrale am Werderschen Markt zu Berlin: Strickpulli! Feminismus! Hahaha!
Fassungslos blickt man auf solche Unreife, auf solchen Unernst und oberflächliches Geläster – in Zeiten, in denen elektrisiert und konzentriert auf dem Posten sein sollte, wer irgendwie mit dem internationalen System zu tun hat.
Das soll freilich gewiss nicht heißen, dass Annalena Baerbock nicht auch selbst reichlich peinlich gewesen wäre. Als sie 2021 antrat, bahnte sich jene „Zeitenwende“ im internationalen System schon an, als die die erste Hälfte der 2020er Jahre in die Geschichtsbücher eingehen wird. Es begann also zu dämmern, dass der einzelne Staat als Akteur und Horizont noch einmal ganz neu auf die Agenda kommen könnte.
Doch Baerbock hatte die Vision, das Amt sozusagen zu einem Knotenpunkt eines transnationalen Klima-Netzwerks im Stil der etablierten NGO-Szene umzubauen, wofür die frühere Greenpeace-Geschäftsführerin Jennifer Morgan als Staatssekretärin eingestellt und im Eilverfahren eingebürgert wurde.
Als Annalena Baerbock verbal an die vorderste Front mit Russland stürmte
Milde gesagt war das nicht situationsadäquat. Doch auch später, als Baerbock verbal an die Front gestürmt war und fast aus Versehen den Dritten Weltkrieg ausgerufen hätte, schien sie noch immer den Schuss nicht gehört zu haben. Während sich zeigte, dass der „Rest der Welt“ nicht länger bereit war, politischen und ökonomischen Anweisungen des alten Westens zu folgen, gab es von ihr viel zu oft inkonsequente Positionen, ungefragte Lehrstunden oder anderweitige Einmischungen – moralische Überlegenheitsposen, die weder mit Machtmitteln unterlegt waren noch auf einem realistischen Bild der Kräfteverhältnisse basierten. Dass sie zwecks Fortsetzung ihrer Karriere bei der UNO zum Abschied noch eine angesehene, bereits halb ins Amt eingeführte Diplomatin ausbootete, setzte dem die Krone auf.
Zum Gesamtbild der Misere gehört freilich auch, dass es im Auswärtigen Amt nach Baerbock bruchlos peinlich weiterging. Zwar fehlt nun der fremdscham-intensive „Glamour“ auf Instagram, aber immerhin werden alle Botschaften und Konsulate mit Ministerbildern ausgestattet: Auch Baerbocks CDU-Nachfolger Johann Wadephul hat schon einen beachtlichen Cringe-Score vorzuweisen.
Noch bevor er im Amt war, fiel Wadephuhl auf einen Prank-Anruf herein. Ausgerechnet gegenüber dem russischen Komiker-Duo Vovan und Lexus versprach er indirekt die Taurus-Rakete ab Mai 2025, zog über das Weichei Olaf Scholz her – und schwor ganz unverblümt, dass Deutschland Russland immer als „Feind“ betrachten werde. Und als er dann im Amt war, folgte umgehend der Offenbarungseid.
Jo Wadepfuhl und das US-Eingreifen im Iran im Sommer
Noch wenige Tage vor dem US-Angriff auf Iran im Sommer 2025 hatte Wadephul nämlich öffentlich erklärt, dass sich Washington hier nicht einmischen werde. Sein hochnotpeinliches Zurückrudern war nichts anderes als das Eingeständnis, dass er und seine Leute aus den globalen Entscheidungszentren auch nicht mehr erfahren als jede beliebige Medien-Redaktion, die heute über dies spekuliert und morgen über jenes. Wer aber nichts weiß, sollte lieber nichts erklären.
Wie wird der Herr des Werderschen Marktes nun jene glorreiche Grönland-Kurztrip-Aktion auswerten, wenn der Voraustrupp zurück ist? Oder wird der Verteidigungsminister die kernige Ansage übernehmen, vielleicht gar der Bundeskanzler selbst, der gern von der „stärksten Armee Europas“ kraftmeiert, während zwanzig Zentimeter Januar-Schnee das halbe Land lahmlegen? Womöglich versucht man auch einfach, die Sache still versanden zu lassen, zumal Trump da ja schon wieder mit Sanktionen droht. Aber fest steht schon mit Sicherheit eins: Das wird mal wieder ziemlich cringe.
„Weltmacht wider Willen“? Große Klappe, nichts dahinter!
Eine solche Anmutung politischer Peinlichkeit entsteht immer dann, wenn Anspruch und Wirklichkeit radikal auseinanderdriften. Wenn allen außer – scheinbar? – den Handelnden klar vor Augen steht, dass der Kaiser sprichwörtlich nackt ist. „Weltmacht wider Willen“? Vielleicht traf das geflügelte Wort des Politologen Christian Hacke einmal zu.
Heute aber gilt für Deutschland eher gegenteilig das Motto „Große Klappe, nichts dahinter“: Den Ukraine-Krieg führen wir amerikanischer als die Amerikaner selbst. Doch wenn wir uns bemüßigt sehen, gegen die Grönland-Ambition der real existierenden USA ein „Zeichen zu setzen“, trauen wir uns nicht einmal auszusprechen, wogegen dieses Zeichen stehen soll.
So gesehen wäre der Weg aus der Peinlichkeit zugleich auch ein Weg zu einer substanziellen Politik. Er müsste wohl mit mehr Bescheidenheit beginnen. Zum Beispiel damit, das arg gerupfte Land zunächst im Inneren zu konsolidieren – sozial wie ökonomisch, institutionell wie infrastrukturell. Im zweiten Schritt wären dann Unstimmigkeiten mit den Nachbarn und anderen Staaten zu bearbeiten, zuerst im Kleinen, dann im Größeren – man nennt das Verfahren auch Partnersuche.
Es dreht sich darum, realistisch zu klären, was man sich vom wem wünscht und was man im Gegenzug zu bieten hat. Man müsste sich eingestehen, vorerst kleine Brötchen zu backen und sich auf die Dinge konzentrieren, auf die man realen Einfluss hat, statt eine „Führungsrolle“ zu spielen, die einem niemand verliehen hat.
Was aber macht ein Friedrich Merz, wenn er nach Indien fährt? Kleine Brötchen sind seine Sache bekanntlich nicht. Routiniert setzt er den fünften Schritt vor den ersten und fordert das riesige, selbstbewusste Land dazu auf, seine aus eigener Sicht bewährte Militär- und Sicherheitsstrategie um 180 Grad zu drehen: Denn Russland-Kooperation, das geht ja gar nicht! Natürlich setzte es eine krachende Abfuhr, die ebenso selbstverständlich der deutschen Öffentlichkeit nicht klar kommuniziert wurde. Wann merkt Berlin endlich, wie peinlich all das ist?
enig der betreffenden Texte lesen, um bis zur absurden Nachricht vorzustoßen: Deutscherseits – und unser „Kontingent“ ist schon fast das größte – handelt es sich um ein Dutzend Mann, die in einem Zwei-Tage-Kurztrip ergründen sollen, ob und, falls tatsächlich, wie die Bundeswehr etwas beitragen könne zur Verteidigung Grönlands gegen – ganz genau: Russland oder China. Oder beide.Deutsche Außenpolitik war zwischen 1970 und 1990So wolle man, erklären dann die üblichen Erklärungsberufenen, geradezu super-smart des US-Präsidenten Argument durchkreuzen, demzufolge nur eine wie auch immer geartete Übernahme durch die USA die arktische Insel vor Moskau oder Peking schützen könne. Peinlicher geht’s wirklich kaum.Man müsste, um in Donald Trumps Vokabular zu sprechen, tatsächlich einmal laut und deutlich „What the bloody Fuck!“ sagen – und zumindest überlegen, womit realistisch zu drohen wäre. Stattdessen unterschreibt diese Unterwerfungsaktion eine schale Rechtfertigungserzählung, an die nun wirklich niemand auf dem Planeten glaubt. Am wenigsten übrigens ihr Urheber selbst, der sie entsprechend lustlos vorträgt.Na gut, könnte man da achselzuckend sagen, unglückliche Aktion in unglücklicher Lage, also Schwamm drüber. Aber steht diese Art von Unpolitik nicht auch für etwas? Das Auswärtige Amt der Bundesrepublik war in der westlichen Welt einst fast gefürchtet: Dass sein Apparat zu erheblichen Teilen aus Personal bestand, das dort schon vor 1945 Dienst getan hatte, sorgte für anerkennendes Misstrauen der verbündeten Siegermächte: Diesen Leuten musste man sorgfältig auf die Finger schauen, weil man nicht sicher sein konnte, was sie sonst anstellten!In einem zweiten Zeitabschnitt – von den 1970er bis in die 1990er Jahre – brachte das außenpolitische Personal tatsächlich allerlei zustande im Interesse dieses Landes und erkämpfte zwischen Ost und West eine gewisse Bewegungsfreiheit. Und heute?Sextaner-Reime über Baerbock und Habeck – wie cringe ist das Auswärtige Amt? Man weiß ja nicht, was sonst so in internAA zu lesen ist, der nun im Gossip-Fach prominenten Belegschaftspublikation des Auswärtigen Amtes. Aber vielleicht bieten jene peinlichen Sextaner-Spottreime ohne jedes Versmaßgefühl, mit denen darin jüngst Robert Habeck und Ex-Ministerin Annalena Baerbock bedacht wurden, tatsächlich einen Einblick in das innere Wesen der deutschen Cringe-Zentrale am Werderschen Markt zu Berlin: Strickpulli! Feminismus! Hahaha!Fassungslos blickt man auf solche Unreife, auf solchen Unernst und oberflächliches Geläster – in Zeiten, in denen elektrisiert und konzentriert auf dem Posten sein sollte, wer irgendwie mit dem internationalen System zu tun hat.Das soll freilich gewiss nicht heißen, dass Annalena Baerbock nicht auch selbst reichlich peinlich gewesen wäre. Als sie 2021 antrat, bahnte sich jene „Zeitenwende“ im internationalen System schon an, als die die erste Hälfte der 2020er Jahre in die Geschichtsbücher eingehen wird. Es begann also zu dämmern, dass der einzelne Staat als Akteur und Horizont noch einmal ganz neu auf die Agenda kommen könnte.Doch Baerbock hatte die Vision, das Amt sozusagen zu einem Knotenpunkt eines transnationalen Klima-Netzwerks im Stil der etablierten NGO-Szene umzubauen, wofür die frühere Greenpeace-Geschäftsführerin Jennifer Morgan als Staatssekretärin eingestellt und im Eilverfahren eingebürgert wurde.Als Annalena Baerbock verbal an die vorderste Front mit Russland stürmteMilde gesagt war das nicht situationsadäquat. Doch auch später, als Baerbock verbal an die Front gestürmt war und fast aus Versehen den Dritten Weltkrieg ausgerufen hätte, schien sie noch immer den Schuss nicht gehört zu haben. Während sich zeigte, dass der „Rest der Welt“ nicht länger bereit war, politischen und ökonomischen Anweisungen des alten Westens zu folgen, gab es von ihr viel zu oft inkonsequente Positionen, ungefragte Lehrstunden oder anderweitige Einmischungen – moralische Überlegenheitsposen, die weder mit Machtmitteln unterlegt waren noch auf einem realistischen Bild der Kräfteverhältnisse basierten. Dass sie zwecks Fortsetzung ihrer Karriere bei der UNO zum Abschied noch eine angesehene, bereits halb ins Amt eingeführte Diplomatin ausbootete, setzte dem die Krone auf.Zum Gesamtbild der Misere gehört freilich auch, dass es im Auswärtigen Amt nach Baerbock bruchlos peinlich weiterging. Zwar fehlt nun der fremdscham-intensive „Glamour“ auf Instagram, aber immerhin werden alle Botschaften und Konsulate mit Ministerbildern ausgestattet: Auch Baerbocks CDU-Nachfolger Johann Wadephul hat schon einen beachtlichen Cringe-Score vorzuweisen.Noch bevor er im Amt war, fiel Wadephuhl auf einen Prank-Anruf herein. Ausgerechnet gegenüber dem russischen Komiker-Duo Vovan und Lexus versprach er indirekt die Taurus-Rakete ab Mai 2025, zog über das Weichei Olaf Scholz her – und schwor ganz unverblümt, dass Deutschland Russland immer als „Feind“ betrachten werde. Und als er dann im Amt war, folgte umgehend der Offenbarungseid.Jo Wadepfuhl und das US-Eingreifen im Iran im SommerNoch wenige Tage vor dem US-Angriff auf Iran im Sommer 2025 hatte Wadephul nämlich öffentlich erklärt, dass sich Washington hier nicht einmischen werde. Sein hochnotpeinliches Zurückrudern war nichts anderes als das Eingeständnis, dass er und seine Leute aus den globalen Entscheidungszentren auch nicht mehr erfahren als jede beliebige Medien-Redaktion, die heute über dies spekuliert und morgen über jenes. Wer aber nichts weiß, sollte lieber nichts erklären. Wie wird der Herr des Werderschen Marktes nun jene glorreiche Grönland-Kurztrip-Aktion auswerten, wenn der Voraustrupp zurück ist? Oder wird der Verteidigungsminister die kernige Ansage übernehmen, vielleicht gar der Bundeskanzler selbst, der gern von der „stärksten Armee Europas“ kraftmeiert, während zwanzig Zentimeter Januar-Schnee das halbe Land lahmlegen? Womöglich versucht man auch einfach, die Sache still versanden zu lassen, zumal Trump da ja schon wieder mit Sanktionen droht. Aber fest steht schon mit Sicherheit eins: Das wird mal wieder ziemlich cringe.„Weltmacht wider Willen“? Große Klappe, nichts dahinter!Eine solche Anmutung politischer Peinlichkeit entsteht immer dann, wenn Anspruch und Wirklichkeit radikal auseinanderdriften. Wenn allen außer – scheinbar? – den Handelnden klar vor Augen steht, dass der Kaiser sprichwörtlich nackt ist. „Weltmacht wider Willen“? Vielleicht traf das geflügelte Wort des Politologen Christian Hacke einmal zu.Heute aber gilt für Deutschland eher gegenteilig das Motto „Große Klappe, nichts dahinter“: Den Ukraine-Krieg führen wir amerikanischer als die Amerikaner selbst. Doch wenn wir uns bemüßigt sehen, gegen die Grönland-Ambition der real existierenden USA ein „Zeichen zu setzen“, trauen wir uns nicht einmal auszusprechen, wogegen dieses Zeichen stehen soll.So gesehen wäre der Weg aus der Peinlichkeit zugleich auch ein Weg zu einer substanziellen Politik. Er müsste wohl mit mehr Bescheidenheit beginnen. Zum Beispiel damit, das arg gerupfte Land zunächst im Inneren zu konsolidieren – sozial wie ökonomisch, institutionell wie infrastrukturell. Im zweiten Schritt wären dann Unstimmigkeiten mit den Nachbarn und anderen Staaten zu bearbeiten, zuerst im Kleinen, dann im Größeren – man nennt das Verfahren auch Partnersuche.Es dreht sich darum, realistisch zu klären, was man sich vom wem wünscht und was man im Gegenzug zu bieten hat. Man müsste sich eingestehen, vorerst kleine Brötchen zu backen und sich auf die Dinge konzentrieren, auf die man realen Einfluss hat, statt eine „Führungsrolle“ zu spielen, die einem niemand verliehen hat.Was aber macht ein Friedrich Merz, wenn er nach Indien fährt? Kleine Brötchen sind seine Sache bekanntlich nicht. Routiniert setzt er den fünften Schritt vor den ersten und fordert das riesige, selbstbewusste Land dazu auf, seine aus eigener Sicht bewährte Militär- und Sicherheitsstrategie um 180 Grad zu drehen: Denn Russland-Kooperation, das geht ja gar nicht! Natürlich setzte es eine krachende Abfuhr, die ebenso selbstverständlich der deutschen Öffentlichkeit nicht klar kommuniziert wurde. Wann merkt Berlin endlich, wie peinlich all das ist?