In Kürze
- CDU gewinnt deutlich mit 31 Prozent. Ein „bodenständiger“ Eifler wird nach 35 Jahren Ministerpräsident für die CDU.
- SPD stürzt um 10 Prozent ab: Von 35,7 im Jahr 2021 auf 25,9 Prozent
- AfD: Rekordergebnis mit 19,5 Prozent
- Grüne werden Oppositionspartei und kommen nur auf 7,9 Prozent
- Nicht im Landtag: FDP, BSW, die Linke und Freie Wähler scheitern an Fünf-Prozent-Hürde
„Es wird ohne uns in den nächsten Jahren nicht mehr regiert in diesem (Bundes-)Land“, gab CDU-Spitzenkandidat Gordon Schnieder in seiner ersten Reaktion auf das Wahlergebnis bekannt. Er bedankte sich außerdem generös bei den „Mitbewerbern“, wie er die anderen Parteien nannte. „Das war ein äußerst fairer Wahlkampf“, betonte Schnieder in seiner im Fernsehen übertragenen Dankesrede vor Parteimitgfliedern.
Nach Vorankündigung beider Parteien ist im Landtag in Mainz mit einer schwarz-roten Koalition zu rechnen. Die bisherige „Ampel“-Regierung aus SPD, FDP und Grünen ist beendet. Die FDP schaffte den Einzug in den Landtag nicht und erreichte lediglich um die 2 Prozent.
Künftig wird es nur noch zwei Oppositionsparteien geben: die AfD mit einem Rekordanteil von rund 19,5 Prozent sowie die zur Kleinpartei geschrumpften Grünen, die von 9,3 Prozent auf 7,5 Prozent abrutschten. Die Wahlbeteiligung lag bei 68,5 Prozent und damit um etwa 4 Prozent höher als vor vier Jahren, jedoch um 6 Prozent niedriger als bei den Wahlen in Baden-Württemberg vor zwei Wochen.

Die Hochrechnung 21:46 Uhr zur Landtagswahl Rheinland-Pfalz am Wahlabend am 22. März 2026.
Klingbeil will nicht zurücktreten
Der Verlust des Ministerpräsidentenpostens in Rheinland-Pfalz nach 35 Jahren hat erste Diskussionen in der SPD auf Bundesebene ausgelöst. Hinzu kommt das 5,5-Prozent-Desaster bei der Wahl in Baden-Württemberg.
Doch der SPD-Parteichef, Finanzminister und Vizekanzler Lars Klingbeil hat nach der Wahlniederlage seiner Partei einen Rücktritt als Parteichef abgelehnt. „Ich ducke mich nicht weg“, gab Klingbeil am Sonntagabend in der ARD bekannt, fügte aber hinzu, dass Gespräche erst einmal parteiintern geführt würden.
Zudem kündigte er ominös an, in der Koalition mit der CDU auf Bundesebene seien nun „sehr entscheidende Dinge zu klären“. Allerdings ließ er offen, was er mit dieser Aussage konkret meint.
Anders reagierte seine Co-Parteivorsitzende Bärbel Bas. Beim TV-Sender „Phoenix“ sagte die Bundesministerin für Arbeit und Soziales: „Wir müssen auch in den nächsten Tagen in den Gremien sehr deutlich darüber reden, ob der Weg, den wir, Lars Klingbeil und ich, eingeschlagen haben, der richtige ist und ob wir ihn weiter fortsetzen.“
Bas räumte ein, dass die Bundesebene ihrer Partei mitverantwortlich am schlechten Abschneiden der SPD in Rheinland-Pfalz sei. „Das ist in der Tat sehr bitter. Das ist auch nicht schönzureden“, sagte Bas im ZDF. Der Verlust der Landesregierung in Mainz sei für die SPD „ein einschneidendes Ergebnis“, so Bas weiter.
Einen sofortigen Rücktritt forderte hingegen die niedersächsische SPD-Landtagsabgeordnete Doris Schröder-Köpf, ehemals Gattin des SPD-Bundeskanzlers Gerhard Schröder. Im „Spiegel“ forderte sie Klingbeil und Bas zum Rücktritt auf. Außerdem fordert sie von Klingbeil, das Amt des Vizekanzlers Bundesverteidigungsminister Boris Pistorius (SPD) zu überlassen. Schröder-Köpf und Pistorius waren von 2016 bis 2022 privat ein Paar.
Bisheriger Amtsinhaber sieht Schuld nicht bei sich
Der bisherige Ministerpräsident Alexander Schweitzer (SPD) sieht die Gründe für seinen Amtsverlust auf Bundesebene: „Wir spüren heute Abend Trends, die stark sind und die ihre Ursachen nicht in Rheinland-Pfalz haben. Und das sollten wir uns immer wieder auch deutlich machen“, wird er von der Bild-Zeitung zitiert.
Außerdem bekräftigte Schweitzer, dass er nach der Wahl kein Ministeramt in einer von der CDU geführten Landesregierung übernehmen wird. „Ich werde nicht in ein Kabinett eintreten“, sagte der SPD-Spitzenkandidat.
Klein: So viele Menschen wie in Berlin
In dem südwestdeutschen Bundesland Rheinland-Pfalz leben lediglich 4,1 Millionen Menschen, das sind etwa so viele Einwohner wie in Berlin. Wahlberechtigt waren fast 3 Millionen. Alleine diese Zahl offenbart eine drastische Überalterung der Gesellschaft in Rheinland-Pfalz.
Die AfD konnte in südwestlichen Wahlkreisen überdurchschnittlich gut abschneiden (zwischen 22 und 26 Prozent), darunter Kaiserslautern-Land und Kaiserslautern II, Zweibrücken, Pirmasens und Kusel, ebenso wie in den südöstlichen Wahlkreisen Frankenthal, Germersheim und Wörth am Rhein.
Best in the West: Wahlerfolg der AfD erklärt
Trotz zunehmender Anfeindung und Ausgrenzung von den übrigen Parteien, hat sich die AfD „auf einem hohen Niveau etabliert“, wie selbst die politisch weit linksaußen positionierte Berliner „taz“ anerkennt. Die AfD hat sich damit seit der letzten Landtagswahl in Rheinland-Pfalz (8,3 Prozent) deutlich mehr als verdoppelt und ist damit drittstärkste Kraft geworden.
Im mit 7,7 Millionen Einwohnern wesentlich bevölkerungsreicheren und größeren Baden-Württemberg erreichte die AfD vor zwei Wochen 18,8 Prozent, den bis dahin höchsten Wahlerfolg in Westdeutschland.
Wenig bekannt: Hohe Kinderarmut in K-Town
Besonders in Kaiserslautern, das von den US-Soldaten – und über die Jahrzehnte dann auch von den Einheimischen – kurz „K-Town“ genannt wird, leiden viele Kinder unter Armut. Typische Merkmale: hohe Arbeitslosigkeit und maroder Bausubstanz der städtischen Wohnungen. Hinzu kommt, dass der Anteil von Einwohnern mit Migrationshintergrund stetig steigt; zuletzt lag er bei 22 Prozent. Der Volksmund nennt Kaiserslautern deshalb außerdem das „Duisburg des Südwestens“.
Viele Briefwähler
Der Neue steht für „Heimat“
Der künftige Ministerpräsident in Mainz, Gordon Schnieder, ist kein typischer Pfälzer. Er stammt aus dem Dorf Birresborn in der Vulkaneifel, wo er von 2014 bis 2019 auch Bürgermeister war. Der abgelegene Ort hat laut der letzten Zählung 1050 Einwohner. Die Gegend ist gekennzeichnet von dunklen Wäldern und weitläufigen Kuhweiden.