Auf die deutsche Polizei ließ ich nie etwas kommen. In Moskau sagte ich oft: „Wenn ich in Deutschland einen Polizisten sehe, fühle ich mich sicher. Hier ist es meist umgekehrt.“ In vielen Jahren bei der Augsburger Allgemeinen, dpa und AFP habe ich die Polizei als verlässlich und korrekt erlebt.

Dann kam Corona. Und alles wurde anders. Berliner Polizisten hielten mich ohne Begründung, völlig willkürlich fest, schlugen mich wiederholt, drangsalierten mich. All das blieb hängen. Obwohl einige Beamte sogar in Uniform Sympathie zeigten – und mich mehrfach vor gewaltbereiten Linken retteten. Doch das half nichts: Das Urvertrauen war dahin.

Doch das Urvertrauen in den Polizisten ist hängen geblieben. Wie früher in Russland, der Ukraine und anderen postsowjetischen Ländern fühle ich heute kein Gefühl der Sicherheit mehr, sondern Unbehagen – auch wenn das objektiv vielleicht falsch sein mag. Aber wie kann man gegen seine Gefühle kämpfen?

Auf jeden Fall ist deren Entstehung mehr als begründet: Vertrauliche Berichte zeigen, womit die Berliner Polizei in der Corona-Krise so alles beschäftigt wurde. Und wie sich das Verhältnis zwischen dem Staat und seinem Volk veränderte. Darüber berichtet jetzt die „Berliner Zeitung“. Da der Bericht leider hinter einer Zahlschranke steht, aber zu wichtig ist, um ihn dahinter versauern zu lassen, bringe ich hier die wichtigsten Punkte für Sie.

Die Corona-Pandemie nahm im Frühling 2020 in Deutschland ihren Lauf. Das neuartige Virus Sars-CoV-2 stellte die Regierungen weltweit vor neue Herausforderungen. Bilder in den Medien aus dem italienischen Bergamo, die Militärtransporter mit Särgen zeigten, versetzten die Deutschen in Schockstarre.

Kopp Vertreibung 2

All das liest sich wie eine Zeitreise des Grauen. Wie aus einer anderen Welt. Die Polizei-Meldungen stammen aus der Anfangszeit der Corona-Pandemie – „als der Frühling mit Ausgeh-Auflagen begann, als die Sportboote an Land blieben, weil man das Vereinsgelände nicht betreten durfte, als ein Spaziergang mit Freunden im Park eine Ordnungswidrigkeit sein konnte und eine Demo ein „staatsfeindlicher Akt“, wie es in dem Bericht heißt: So jagte die Polizei Jugendliche, die sich im Freien trafen und löste Zusammenkünfte „haushaltsfremder Personen“ auf.

In einer Lagemeldung des „Krisenstab COVID-19“ vom 1. April 2020 für den Zeitraum vom 14. März, 18 Uhr bis 1. April, 6 Uhr, heißt es: „Weiterhin ist ein deutlich reduzierter Fußgänger-, Kraftfahrzeug- und Radfahrverkehr im Stadtgebiet feststellbar. Die Grün- und Parkanlagen waren witterungsbedingt wenig frequentiert. Die festgestellten Personen verhielten sich verordnungskonform. Grundsätzlich sind die Akzeptanz und das Verständnis der Bevölkerung und Gewerbetreibenden gegenüber den polizeilichen Kontrollmaßnahmen weiterhin vorhanden.“

Lagemeldung 4. April: 236 Polizisten sind in Quarantäne, 32 davon haben sich mit Corona infiziert. Der Bericht hält fest: „Die Moschee der Neuköllner Begegnungsstätte e.V. in der Flughafenstraße 43, in 12053 Berlin, rief für 13:30 Uhr zu einem Gebet auf. Vor Ort befanden sich ca. 200 Personen, welche durch Polizei und Ordnungsamt aufgefordert wurden, die SARS-CoV-2-Eindämmungsmaßnahmenverordnung einzuhalten und die Örtlichkeit zu verlassen. Die Mehrheit kam dieser Aufforderung nach. Die verbliebenen 30 Personen setzten ihren Weg gegen 13:50 Uhr fort (…).“

„Aufgrund des Todes einer türkischen Musikerin, welche der linksextremistischen und hierzulande verbotenen DHKP-C (Revolutionäre Volksbefreiungspartei-Front) nahestand, kam es gegen 15:20 Uhr im Bereich des Abschnitts 28 zu einer spontanen Versammlung mit sechs Personen. Mit Eintreffen der Polizeikräfte löste sich die Versammlung auf.“

„Am 04.04. gegen 04:40 Uhr wurde in der Smetanastraße (…) in 13088 Berlin, eine sogenannte „Corona-Party“ mit 20 Personen aufgelöst.“